Gold-Prozess: Im Zweifel für den Angeklagten

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Der Angeklagte wurde vor dem Amtsgericht Meinerzhagen freigesprochen.

Meinerzhagen – Er habe sein Geld anlegen und vermehren wollen und daher 30 000 Euro in Gold investiert. 548 Gramm des edlen Metalls seien ihm von einem Unternehmen, das mittlerweile insolvent ist, übergeben worden, erklärte ein Mann im Zeugenstand des Amtsgerichts Meinerzhagen.

Dort stellte sich der 62-Jährige als Opfer einer Unterschlagung dar. Laut Vorwurf hatte er einen angeklagten Meinerzhagener Ende Oktober 2017 darum gebeten, das Gold während einer zweiwöchigen Urlaubsabwesenheit im Tresor des Angeklagten aufzubewahren. Der 52-Jährige, den der Zeuge als Kollegen in einem Meinerzhagener Betrieb kennengelernt hatte, habe sofort zugestimmt. 

Nach der Reise habe er sein Gold zurückhaben wollen. Aber: „Er hatte abenteuerliche Ausreden.“ So habe der Angeklagte erklärt, den Schlüssel des Tresors verloren zu haben. Da sich im Safe Munition befunden haben soll, sei der Tresor beschlagnahmt worden. Woche um Woche sei vergangen, so der 62-Jährige. Bis heute habe er sein Gold nicht wieder, obwohl er es längst habe verkaufen wollen. „Ich hatte Vertrauen zu ihm.“

Der Angeklagte stritt ab, jemals Gold bekommen zu haben. Er vermutete, dass der 62-Jährige es längst verkauft, dabei aber Verlust gemacht hatte. Es habe lediglich Geschäfte mit Hühnerfutter zwischen den beiden Männern gegeben. Irgendwann sei der Zeuge aber bedrohlich geworden, habe ihm aufgelauert. Aus Angst vor ihm, sei er auf die Geschichte mit dem Gold eingegangen und habe sich ausgedacht, warum er das Gold nicht zurückgeben könnte, erklärte der Meinerzhagener. Warum er nicht einfach zur Polizei gegangen sei, wenn er sich bedroht gefühlt habe, wollte der Richter wissen. Darauf hatte der Meinerzhagener keine rechte Antwort. 

Der Vorsitzende hatte wahrlich keine leichte Aufgabe, zu entscheiden, was wirklich passiert war. Also ob der Angeklagte Gold unterschlagen oder der Zeuge gelogen hatte. Nehme man die Angaben des Zeugen alleine, seien diese stimmig. Aber auch die Aussage des Angeklagten sei plausibel, fasste der Richter zusammen. Beides sei denkbar, weshalb der Grundsatz „in dubio pro reo“ – „im Zweifel für den Angeklagten“ greife. 

Und so endete der Prozess mit einem Freispruch. Der Zeuge verließ während der Urteilsbegründung mit den Worten „das nimmt kein gutes Ende“ den Sitzungssaal und ließ die Tür laut ins Schloss fallen.

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