Nach Beleidigung von Beamten: Ein wütender Angeklagter

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Mit dem Prozess war der 41-Jährige augenscheinlich nicht so zufrieden.

Meinerzhagen - Der Strafrichter im Amtsgericht Meinerzhagen bewies einen langen Atem, als es darum ging, gegen einen 41-Jährigen zu verhandeln. Der hatte laut Anklageschrift Polizeibeamte als „Kasper“ und „Eintagsfliegen“ bezeichnet und gesagt, sie hätten „nur Sperrflächen im Kopf“.

Der Mann brachte zum Prozess das Bedürfnis mit, ausgiebig über die Frage zu diskutieren, wann ein Begriff eine Beleidigung sei. Grund zur Klärung dieser Frage gab ein Anruf des Angeklagten bei der Polizei. Dem Telefonat war ein Vorfall auf der Straße vorausgegangen. Direkt gegenüber der Polizeiwache in Meinerzhagen war der Beschuldigte angehalten worden. Aus seiner Sicht zu Unrecht. Er sollte über eine Sperrfläche gefahren sein. Die Polizei habe es doch nur auf ihn abgesehen, regte sich der Taxifahrer im Gericht auf.

Auf jeden Fall war der Angeklagte derart verärgert über den Polizeieinsatz, dass er bei den Beamten anrief, um sich zu beschweren. „Ich wollte niemanden beleidigen“, brachte der 41-Jährige in der Verhandlung vor. Dennoch gab er zu, dass die Begriffe „Eintagsfliege“ und „Sperrflächen im Kopf“ im Gespräch gefallen seien. „Kasper“ habe er aber nicht gesagt. Aus seiner Sicht sei „Eintagsfliege“ auch keine Beleidigung. Das sah der Vertreter der Staatsanwaltschaft anders. Schließlich handele es sich dabei um ein Insekt. Auch darüber, dass es sich bei dem Satz „Ihr habt doch alle Sperrflächen im Kopf“ um eine Beleidigung handelte, waren sich Staatsanwalt und Richter einig. Diese Wendung sage aus, dass die Polizisten beschränkt im Kopf wären. Sämtliche Argumente konnten den Angeklagten nicht von seiner Meinung abbringen. Er war mit einem klaren Ziel in den Prozess gekommen: „Ich erwarte, dass das Verfahren eingestellt wird.“ So waren in der Vergangenheit nämlich andere Gerichte mit Anklagen gegen den Meinerzhagener verfahren.

Das kam für den Richter dieses Mal jedoch nicht in Frage. Und so entstand eine weitere hitzige Diskussion, die der Vorsitzende mit viel Geduld führte. Doch dann überschritt der Angeklagte eine Grenze, als er in den Raum warf, dass der Vorsitzende das Gesetz beuge. Da das eine Straftat darstelle, sollte der Angeklagte vorsichtig sein mit solchen Bezichtigungen, entgegnete der. Nach dieser klaren Ansage war erst einmal Ruhe.

Doch der Angeklagte hatte längst noch nicht alles gegeben. Der Höhepunkt seines Auftritts sollte noch folgen. Nachdem der Vertreter der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 1500 Euro gefordert hatte, war der 41-Jährige nicht mehr zu halten: „Wenn ich hier lachend den Staatsanwalt plädieren höre, kommt mir alles hoch. Es interessiert mich wenig, was Sie gleich sagen. Was ich bis jetzt gehört habe, reicht mir. Machen Sie doch, was Sie wollen“, wandte sich der Meinerzhagener direkt an den Richter. Und: „Am liebsten würde ich jetzt gehen.“ Gesagt getan. Schnellen Schrittes verließ er den Saal. Nicht, ohne die Tür laut knallend ins Schloss fallen zu lassen. Der Richter nahm den Vorfall zu Protokoll auf und verkündete dann das Urteil: 1000 Euro wegen Beleidigung. Der Angeklagte selbst erfährt die richterliche Entscheidung nun auf dem schriftlichen Weg.

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