„Verantwortungslose dürfen keine Chance haben“

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Am Ehrenmal an der Heerstraße hatten Abordnungen der Feuerwehr, des DRK und der Schützen Aufstellung genommen. Offizielle Vertreter der Stadt legten Kränze nieder.

Meinerzhagen - „Gedenket der Toten, bewahret den Frieden“ – die Worte, die auf der Inschrift des Ehrenmales an der Heerstraße zu lesen sind, stehen auch für den wörtlichen Inhalt und den symbolischen Ausdruck der Gedenkfeiern, die anlässlich des Volkstrauertages im Stadtgebiet stattfanden. Viele Menschen hielten inne, gedachten der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

„Wir erinnern uns an Menschen, die von uns gegangen sind, aber länger hätten leben wollen“, sagte Pfarrer Thorsten Rehberg am Ehrenmal an der Heerstraße und suchte in seiner Ansprache auch nach Antworten auf die Frage nach dem Warum: „Weil Menschen, die damals Verantwortung trugen, nicht das getan haben, wofür andere sie bestellt haben.“

Das Prinzip „Divide et impera“ – „Teile und Herrsche“ – sei schon zu Zeiten der Römer genutzt worden. Es sorge für Spaltung und dafür, dass andere als Feinde verunglimpft würden. Die Geschichte sei voll von solchen Geschehnissen. „Wir Deutschen haben auf schlimmstmögliche Weise erfahren, was Verantwortungslosigkeit bedeutet, Patriotismus, dummes Geschwätz. So dumm, dass die Dummen der Gesellschaft es anziehend finden.“

Heute müsse man dankbar sein, betonte Rehberg. „Dafür, dass wir in einer Welt leben, in der nicht die Verantwortungslosen regieren.“ Das bedeute aber auch Verpflichtung: „Wir müssen dafür sorgen, dass Verantwortungslose keine Chance haben.“ Dass Spaltung, Lüge und dreiste Unverschämtheiten zu Macht führen könnten, zeige sich am Beispiel der USA, so der katholische Pfarrer. „Wohin das führt, wissen wir nicht.“ Es liege an den Politikern, diese Politiker zur Verantwortung zu ziehen.

„Es ist nicht leicht, in unserer Welt zu leben. Aber Gott traut uns zu, dass wir die Verantwortung, die er uns in die Hände gelegt hat, tragen“, so der Geistliche. Das funktioniere, wenn jeder respektvoll und mit Achtung handele. Unterschiede dürften nicht dazu führen, den anderen als Feind zu sehen. Uniformiertheit sei der Tod jeder Gesellschaft, mahnte Rehberg. Vielfalt könne dagegen eine Einheit darstellen, die stärker sei.

Anlässlich des Gedenktages legten Vertreter der Stadt, der Feuerwehr, der Schützen, des DRK und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Kränze am Ehrenmal nieder. Musikalisch begleiteten das Jugendblasorchester, der Männerchor Meinerzhagen und der MGV Volmequelle Scherl die Veranstaltung. Weitere Kränze wurden außerdem am Ehrenmal an der Hochstraße, an der Gedenkstätte für jüdische Mitbürger an der Kirchstraße und an der Kriegsgräberstätte niedergelegt. Die Initiative Stolpersteine besuchte die Gedenkstätte der Zwangsarbeiter und gedachte hier der Toten.

Auch am Ehrenmal in Hunswinkel und auf dem Valberter Soldatenfriedhof kamen die Menschen zusammen. Der Valberter Ortsvorsteher Hans Gerd Turck hielt dort jeweils die Ansprachen. In Hunswinkel hielt ebenso für den Schützenverein „Zur Listertalsperre“ der Vorsitzende Maik Homuth eine Rede. Auf dem Soldatenfriedhof in Valbert sprachen zudem Pastor Peter Winterhoff und der Vorsitzende des Valberter Schützenvereines Dominik Busch.

In ihren Reden gingen alle neben der Erinnerung an die Gräueltaten der vergangenen Kriege auch auf die aktuell auf der Welt herrschenden gewalttätigen Auseinandersetzungen und die nicht zuletzt damit verbundenen Probleme der Flüchtlinge in der jüngsten Zeit ein.

An beiden Gedenkveranstaltungen nahmen Abordnungen der Feuerwehr und der Schützenvereine teil und legten Kränze zur Erinnerung an die Toten nieder. Die Meinhardus Musikanten sorgten für die musikalische Umrahmung der beiden Feierstunden.

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