Corona verhindert festlichen Abschied

Valberter Pfarrer Winterhoff geht nach 34 Jahren in den Ruhestand

Pastor Peter Winterhoff ist seit 1987 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Valbert. In 34 Jahren prägte er die Gemeinde und entwickelte das Gemeindeleben entscheidend mit. Am 30. Mai wird er seinen Ruhestand antreten. Mit seiner Ehefrau Bärbel wird er weiterhin in Valbert wohnen bleiben.
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Pastor Peter Winterhoff ist seit 1987 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Valbert. In 34 Jahren prägte er die Gemeinde und entwickelte das Gemeindeleben entscheidend mit. Am 30. Mai wird er seinen Ruhestand antreten. Mit seiner Ehefrau Bärbel wird er weiterhin in Valbert wohnen bleiben.

„Eine Gemeinde ist mehr als ein Pastor.“ Das sagt Peter Winterhoff.

Valbert – Er ist Pfarrer, das ist seine Berufung. Und die Evangelische Kirchengemeinde Valbert trägt nach mehr als drei Jahrzehnten seine Handschrift. 34 Jahre wurden prägend für beide Seiten. Und die kleine Gemeinde im Ebbedorf wurde „seine“ Gemeinde.

Keine Liebe auf den ersten Blick

Dabei war es keine Liebe auf den ersten Blick. Und nein, dass er lange in Valbert bleiben würde, glaubte Peter Winterhoff als junger Pastor im Hilfsdienst auch nicht, „weil es nach ersten Erfahrungen, die man in einer Gemeinde sammelt, immer auch sinnvoll ist, die Gemeinde zu wechseln“. Ein paar Jahre sollten es in Valbert werden, mehr nicht. Es wurde ein Leben im Ebbedorf. Es wurde ein Zuhause. Nicht weit weg von seinem Geburtsort, denn geboren und aufgewachsen ist Peter Winterhoff „auf der anderen Seite“ des Ebbegebirges, in Plettenberg.

Sein Vater war Presbyter, seine Mutter las ihm biblische Geschichten vor. „Das hat mich sicher geprägt“, blickt er zurück. Genauso wie ihn die Jugendarbeit des CVJM in seinem Berufswunsch stärkte. Peter Winterhoff wollte Jugendreferent werden. „Und auf keinen Fall Theologie studieren.“ Letzteres aus einem einfachen Grund: Er sei nicht besonders sprachbegabt, verrät er und lacht, wenn er an die ungeliebten Sprachenfächer in der Schulzeit zurück denkt. Im Theologiestudium sind die alten Sprachen Hebräisch, Griechisch und Latein aber bis heute gefordert. Nach vielen Gesprächen, Überlegungen und Gebeten sei der Entschluss schließlich doch gefallen. „Ich habe es nicht bereut. Und erfahren: Das ist mein Weg. Der Weg, auf den Gott mich berufen hat.“

Kein Mensch der Großstadt

Studienorte waren Bethel, Tübingen und Marburg. Nach den Examen war klar: Der junge Pastor Winterhoff war kein Mensch der Großstadt. Ein Stadtrand mit vertrauten Strukturen, ein kleiner Ort, das sollte es sein. Oder ein (Ebbe-)Dorf. Es kam Valbert. Noch wie heute die Erinnerung an den Tag im Frühjahr 1986, als er als junger Pastor im Haus von Pastor Wernicke saß, „auf seinen blauen Stühlen“.

Nach 20 Jahren in Valbert trat Kurt Wernicke im gleichen Sommer seinen Ruhestand an. Zunächst wirkten danach zwei Pastoren im Hilfsdienst in der Kirchengemeinde – Rüdiger Schmidt und Peter Winterhoff. „Wir haben uns persönlich gut verstanden, waren von unserer Art aber sehr unterschiedlich. Eine schwierige Situation für eine Gemeinde mit nur einer Pfarrstelle.“ Rüdiger Schmidt wurde in dieser Zeit in eine Pfarrstelle im Kirchenkreis Schwelm gewählt. Peter Winterhoff wurde im Winter 1987 der neue Valberter Pfarrer.

Entspanntes Miteinander

Nüchtern blickt der 64-Jährige zurück auf diese Zeit. Der Anfang, sagt er, sei schwierig gewesen. Die Gemeinde und der neue Pfarrer, „wir mussten einander erst kennen lernen“. Kennenlernen und miteinander wachsen. „Und ich glaube, wir haben uns in den Jahren verändert“, resümiert Peter Winterhoff.

Das entspannte Miteinander im Presbyterium und in den verschiedenen Mitarbeiterrunden sei es, was er schätze: „Ich bin dankbar für ein vertrauenvolles Miteinander, für eine offene und einladende Atmosphäre, für ein freundliches Klima, und natürlich für Menschen, die mitdenken, mitbeten und sich einbringen.“ Seine Gemeinde sei ihm im Laufe der Jahre „wirklich ans Herz gewachsen.“

Dass aus ein paar Jahren mehr als 30 Jahre wurden, liegt natürlich auch an der Familie, zu der heute auch sieben Enkel zählen. Seine Ehefrau Bärbel ist „ein Kind der Gemeinde“, wie Peter Winterhoff sagt: „Ich habe eine Familie geheiratet, die Kinder gingen hier zur Schule. Das bindet natürlich.“

Unterstützung durch die Ehefrau

Bärbel Winterhoff prägte die Gemeinde ebenso wie ihr Mann. Besonders im Kinder- und Jugendbereich oder beim Valberter Frauenfrühstück – nur zwei Beispiele von so vielen. Peter Winterhoff ist ihr dafür dankbar: „Meine Frau hat mich in meinem Dienst nicht nur unterstützt, sondern sich selbst an vielen Stellen engagiert.“

Das Pfarrhaus, das alte Pfarrbüro, der Kindergarten und das Gemeindehaus – für die Valberter Gläubigen bildet dieses Karree neben der Kirche eine stabile äußere Form für ein intaktes Gemeindeleben. Schön, spannend, abwechslungsreich und nie langweilig sei es gewesen, bilanziert Peter Winterhoff. Die Entwicklung der Gemeindekonzeption, die Erarbeitung neuer Gottesdienstformen, die Einführung des Besuchsdienstes, ein neues Konzept für den Konfirmandenunterricht und das Regenbogenland, das anstelle des klassischen Kindergottesdienstes getreten ist, sind einige Punkte. „Mir hat es immer Freude gemacht, Neues zu entwickeln, miteinander zu planen und auszuprobieren.“ Dazu gehörten auch die Glaubenskurse, die angeboten werden. Für das alles sei er Pastor geworden, so Peter Winterhoff.

Gemeinden werden kleiner

Traurig insbesondere für viele Listertaler Gemeindeglieder sei die Aufgabe der evangelischen Kirche in Hunswinkel Anfang 2004 gewesen. Die Kirche wurde entwidmet und schließlich verkauft, sie ist heute ein Privathaus. „Rückblickend bin ich froh, dass wir diesen Schritt der Gebäudereduzierung so früh unternommen haben.“ Denn die kirchlichen Gemeinden werden kleiner. Auch die Valberter Gemeinde bleibt von dieser allgemeinen Entwicklung nicht verschont. Die Zahl der Gemeindemitglieder ist in den vergangenen Jahren gesunken, das macht sich nicht nur an der geringeren Anzahl an Trauungen oder Taufen bemerkbar. Herausforderungen und Veränderungen gehören zum Gemeindealltag. Zu seinem beruflichen Wirken gehörte für Peter Winterhoff 20 Jahren lang zudem das Amt als stellvertretender Superintendent. Ein Grund, warum in all den Jahren immer wieder Pastöre oder Vikare in Valbert tätig waren. „Eine Bereicherung für die Gemeinde“, meint der Pfarrer.

Jetzt wird es sowohl für Peter Winterhoff und seine Ehefrau Bärbel als auch für die Gemeinde bald wieder einen Einschnitt und eine große Veränderung geben. „Das Leben wird neu geordnet“, betrachtet Peter Winterhoff seinen immer näher rückenden Ruhestand mit gemischten Gefühlen. Ein Grund dafür ist auch die Pandemie.

Abschied wohl ohne Feier

Die letzte Predigt auf der Kanzel in der Kirche, sie liegt Wochen zurück. Keine Gemeindegruppen, keine Besuche. Corona sorgt für einen Abschied, der sich anschleicht. Und der wohl ohne Gottesdienst und ohne Feier enden wird: „Es fühlt sich jetzt schon an wie im Vorruhestand.“

Als Pfarrer wird ihn der neue Superintendent und Klaus-Majoress-Nachfolger Christof Grote am Sonntag, 30. Mai, entpflichten. Peter Winterhoff ist dann immer noch Pastor. „Und als Pastor will ich mich noch nicht zur Ruhe setzen und die Hände in den Schoß legen, sondern mich auch gern noch hier und da einbringen“, steht für ihn fest. In absehbarer Zeit werde er auch gern den einen oder anderen Vertretungsdienst übernehmen. Genauso, sagt Peter Winterhoff, freue er sich aber auch auf die Freiräume, die sich bieten werden. „Ich möchte neue Landschaften und Städte kennenlernen, mich viel bewegen zu Fuß oder mit dem Rad und will gespannt sein, welche neuen Wege Gott mir und meiner Frau aufzeigt.“

Auch räumlich wird es Anfang des nächsten Monats eine Veränderung geben – in Metern ausgedrückt nur eine kleine, wenn der Umzug vom Pfarrhaus in Valbert zur Straße An der Kirche ansteht. Die Kirche werden Peter und Bärbel Winterhoff auch von ihrem neuen Zuhause aus sehen können, sie wird in der neuen Adresse zu lesen sein. Und die Gemeinde wird weiterhin „ihre“ Gemeinde bleiben.

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