„Impfarzt“ Peter Nolte

Volle Konzentration aufs Impfen

Der Valberter Allgemeinmediziner Peter Nolte führt mangels Impfstoff eine Warteliste.
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Der Valberter Allgemeinmediziner Peter Nolte führt mangels Impfstoff eine Warteliste, auf der zurzeit etwa 300 Personen verzeichnet sind.

Deutlich mehr als 1000 Covid-19-Schutzimpfungen hat Allgemeinmediziner Peter Nolte seit Januar verabreicht.

Meinerzhagen – Wie viele genau, das weiß der Arzt aus Valbert nicht mehr. Er hat nicht mitgezählt. Eines allerdings steht für ihn fest: Jede Impfung zählt im Kampf gegen das Virus, das die ganze Welt seit eineinhalb Jahren fest im Griff hat. „Wir alle möchten doch unser altes Leben zurück“, steht für den Mediziner fest.

Gelbfieber-Impfungen

Peter Nolte als „Impfarzt“ zu bezeichnen, das ist nicht übertrieben. „Im südlichen Märkischen Kreis bin ich der Einzige, der Gelbfieber-Impfungen durchführt“, berichtet er. Dazu gehöre auch eine reisemedizinische Impfberatung. „Dafür habe ich die offizielle Zulassung vom Land Nordrhein-Westfalen“, fügt der Mediziner hinzu.

Peter Nolte war bereits am 6. Januar im Einsatz, als im Wilhelm-Langemann-Haus an der Mühlenbergstraße die Bewohner mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer gegen Covid-19 erstgeimpft wurden. Seitdem hat er die Spritze quasi nicht mehr aus der Hand gelegt. Neben dem Betrieb seiner eigenen Praxis an der Ebbestraße investierten er selbst und sein Praxisteam viel Zeit und Arbeit in die Immunisierung Hunderter Meinerzhagener.

Jeden zugelassenen Impfstoff verabreicht

Nicht nur im Langemann-Haus, in dem er im Februar natürlich auch die Zweitimpfungen durchführte, auch in den APD-Demenz-Wohngemeinschaften, in der Einrichtung des Valberter Blindenwerkes und beim ambulanten Pflegedienst Aurelia war er im Einsatz, um seinen Beitrag auf dem Weg zur Herdenimmunität zu leisten. Verabreicht hat er dabei alle zurzeit zugelassenen Impfstoffe: „Astrazeneca, Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson“, zählt der Arzt auf. Jedem Vakzin bescheinigt er übrigens eine hohe Wirksamkeit – und von schweren Nebenwirkungen seien seine Patienten bisher verschont geblieben. „Das Risiko, dass ernsthafte Nebenwirkungen auftreten, ist deutlich geringer, als sich mit dem Virus zu infizieren und schwer zu erkranken“, plädiert er dafür, sich unbedingt impfen zu lassen. Das hat Peter Nolte selbst auch getan, ebenso wie sein Praxisteam.

Hohe Nachfrage

Nach wie vor ist in seiner Praxis die Nachfrage nach den Impfungen viel höher als die Anzahl der Impfdosen, die zur Verfügung stehen. „Etwa 300 Personen stehen noch auf unserer Warteliste.“ Der Mangel an Impfstoff nervt den Valberter übrigens immer noch sehr. In diesem Zusammenhang hat er Fehler der Bundesregierung ausgemacht, welche die Ärzte jetzt ausbaden müssten. „Die Tests müssen zurückgefahren werden. Statt Milliarden für Masken und diese Tests auszugeben, hätte man frühzeitig in mehr Impfstoff investieren müssen. Und das Impfen selbst hätte von Anfang an in die Hände der Hausärzte gelegt werden müssen. Wir wissen, wie das geht, schließlich sind Impfungen für uns Tagesgeschäft. Und wir verfügen über die nötige Logistik“, beschreibt Nolte, welches Vorgehen er sich gewünscht hätte.

Und noch eines versteht der heimische Arzt nicht: „Warum nervt man uns mit dieser überbordenden Bürokratie? Pro Patient und Impfung müssen wir sieben Bögen Papier ausfüllen. Das kostet so viel Zeit. Bei einer Impfung gehen insgesamt etwa 15 bis 20 Minuten drauf. Das ist bei jeder anderen Impfung viel einfacher.“

Erwartungen nicht befriedigt

Besonders auf Gesundheitsminister Jens Spahn ist der Arzt aus Valbert nicht gut zu sprechen. Der, so Nolte, habe häufig Erwartungen geschürt, die dann nicht zu befriedigen waren. Ein Beispiel: „Im März sprach er davon, dass in Pilotpraxen bereits geimpft werden könne. Ich wollte das auch machen – doch über die Kassenärztliche Vereinigung habe ich erfahren, dass es dafür gar keinen Impfstoff gebe. Diesen Aktionismus, der falsche Hoffnungen in der Bevölkerung weckt, müssen wir Ärzte dann ausbaden“, berichtet Nolte, der damals wie heute viele Patienten vertrösten muss(te).

Wie immer, wenn viele Menschen auf etwas warten, was sie sich sehr wünschen, entsteht auch bei den Covid-Impfungen Neid. Die Ungeduld einiger Patienten bekommen auch Peter Nolte und sein Praxisteam zu spüren. Wird eine Impf-Anfrage mangels Impfstoff negativ beschieden, komme es manchmal zu heftigen Reaktionen, berichten Mitarbeiterinnen und Arzt.

Verschärfung der Lage befürchtet

Zurzeit wird darüber diskutiert, dass nach der zweiten Impfung irgendwann möglicherweise eine dritte Auffrischung nötig sein wird. Der Valberter Allgemeinmediziner befürchtet, dass sich die Situation dann noch einmal verschärft, die Nachfrage nach den Vakzinen weiter steigt. Er selbst glaubt allerdings, dass eine Doppel-Impfung auch über die sechs Monate hinaus wirksam ist: „Nach bisherigen Impferfahrungen gehe ich davon aus – auch im Vergleich zu allen anderen Schutzimpfungen, die wir tagtäglich durchführen –, dass der Impfschutz bei einem gesunden Immunsystem des Körpers länger als zwölf Monate anhält.“

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