100 Jahre alte Postkarte

Erst Hauptstraße, dann Ihnestraße: Als Valbert neu geordnet wurde

+
Die Postkarte von 1918. Sie stammt aus dem Archiv des Märkischen Kreises und zeigt die damalige Hauptstraße.

Valbert - Eigentlich ist es nur ein altes Bild, das Gebäude und eine Straße zeigt. Doch die Fotografie aus dem Jahre 1918, heute im Bestand des Archives des Märkischen Kreises, weckt viele Erinnerungen. Zumindest bei Fred Oehm, dem ehemaligen Ortsvorsteher von Valbert.

Abgebildet ist die heutige Ihnestraße, die allerdings zu jener Zeit noch Hauptstraße hieß. Fred Oehm weiß, was es mit der Umbenennung vor einem halben Jahrhundert auf sich hatte: „1969 wurde aus der Haupt- die Ihnestraße. Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurde Valbert von Meinerzhagen eingemeindet. Dadurch ergab sich ein Problem: In Meinerzhagen gab es plötzlich zwei Hauptstraßen. Und weil Valbert der kleinere Teil der Stadt war, wurde der Straßenname dort geändert. Und so wurde aus der Haupt- die Ihnestraße. Die Hausnummern wurden allerdings beibehalten.“ 

Innerhalb der letzten 100 Jahre hat sich im Dorfzentrum von Valbert einiges getan. Die auf der Postkarte von 1918 abgelichteten Häuser gibt es allerdings immer noch, auch wenn sie heute ein anderes „Gesicht“ haben. Rechts zu sehen ist auf der historischen Aufnahme das Kaufhaus Panne. Fred Oehm kann sich noch an das Geschäft erinnern: „Bis Anfang der 1960-er Jahre war das Kaufhaus noch in dem Gebäude zu finden“, weiß der ehemalige Ortsvorsteher, der dort selbst häufig einkaufte. „Da gab es eigentlich alles, was das Herz begehrte – vom Bleistift bis zum Gummiband“, fügt Oehm hinzu. 

Über der Eingangstür ist auf der Postkarte noch zu lesen, wer Inhaber war: C. Panne. Fred Oehm: „Das C stand für Carl – und es brachte dem Inhaber den Spitznamen ,C-chen’ ein. So wurde er damals im Volksmund wegen der ungewöhnlichen Schreibweise seines Vornamens genannt.“ 

Neben dem Kaufhaus, ebenfalls auf der rechten Straßenseite, ist ein kleineres Haus zu sehen. „Das war lange eine Ausgabestelle der bäuerlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft. Ich hab dort oft Futter für das Vieh mit einer Karre geholt“, denkt Fred Oehm zurück. Und auch über die 1918 noch unbebaute Lücke zwischen dem Kaufhaus Panne und der genossenschaftlichen Ausgabestelle weiß Oehm Details: „Dort lag ein großer Obstgarten. Die Bäume trugen so viele Früchte, dass sich die Leute bedienen konnten.“ Heute ist auch diese Stelle bebaut, dort entstand ein Mehrfamilienhaus.

Auch die linke Seite der Haupt- beziehungsweise Ihnestraße hat „Geschichtsträchtiges“ zu bieten: Oehm weiß Näheres: „1846 wurde die Kirche gebaut. 1956 brannte sie ab. Die neue Kirche entstand an derselben Stelle.“ Gut zu erkennen ist, dass der Kirchturm anders gestaltet wurde. 

Rechts neben dem Gotteshaus steht ein weiteres Gebäude. „Das war die Schwane“, berichtet Fred Oehm. Dabei, so der Valberter, habe es sich um eine Relaisstation gehandelt. „Hier konnten Fuhrleute die Pferde wechseln. Und es war dort eine Fuhrmannskneipe untergebracht. Auf dem Dach war ein großer Schwan angebracht.“ Der ist auf der historischen Postkarten allerdings nicht mehr zu erkennen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare