Urne oder Sarg? Für viele eine klare Entscheidung

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Große Freiflächen gibt es inzwischen auf dem evangelischen Friedhof. Ein Grund dafür sind die Urnenbestattungen, für die viel weniger Platz erforderlich ist als bei der lange üblichen Sargbestattung. 

Meinerzhagen - Einäscherung oder Sargbestattung? Diese Frage beantworten zurzeit die meisten Menschen vor ihrem Tod eindeutig: In den allermeisten Fällen wird in Meinerzhagen die Urne als letztes Behältnis für die sterblichen Überreste gewählt.

Diesen Trend kann Detlev Trester, Geschäftsführer des Evangelischen Friedhofsverbandes, mit Zahlen belegen. Im vergangenen Jahr wurden auf dem evangelischen Friedhof an der Heerstraße, dem größten in Meinerzhagen, 117 Tote bestattet. „Darunter waren lediglich 38 Erdbestattungen im Sarg“, weiß Trester. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 wurden am gleichen Ort 119 Bestattungen registriert, 40 davon mit einem Sarg – ein ähnlich großer Unterschied zwischen den beiden Begräbnis-Varianten. 

Detlev Trester weiß noch aus vergangenen Jahrzehnten, dass das einmal ganz anders war: „In den 70er- und 80er-Jahren fanden fast ausschließlich Begräbnisse mit Särgen statt. Warum die Generation der um die 80-Jährigen jetzt so stark die Urne wählt, kann ich nicht genau sagen, es ist aber Fakt.“ 

Eine Erklärung könnte das Krematorium in Lüdenscheid sein. Früher, als die Einäscherungen durch eine im Märkischen Kreis fehlende Anlage noch in Hagen durchgeführt wurden, gab es lange Wartezeiten von bis zu sechs Wochen. Das ist heute durch die Verbrennung in Lüdenscheid anders. 

Trester kann sich auch noch daran erinnern, dass vor vielen Jahren Flächen sogar zugekauft wurden, um Sargbestattungen weiter zu ermöglichen. Dieser Platz wird heute wegen der kleineren Urnengräber nicht mehr gebraucht – ein Problem für die Friedhofsbetreiber. Der Grund: Auch nicht genutzte Flächen auf Friedhöfen verursachen Kosten, die durch deren kontinuierliche Unterhaltung entstehen. Schließlich soll ein Friedhof auch mit seinen Freiflächen ein würdiger Ort sein.

Superintendent Klaus Majoress vermutet, dass drei Faktoren bei der verstärkten Tendenz zur Urne bedacht werden: „Die Hygiene spielt dabei eine Rolle. Und dann ist das auch für manche Menschen eine Kostenfrage. Urnengrabstätten, etwa auf einem Gemeinschaftsfeld, sind deutlich kostengünstiger als Sargbestattungen.“ Außerdem, so Majoress weiter, sei die Verbrennung in früheren Zeiten verpönt gewesen: „Sie galt lange als ein heidnisches Ritual. Bewusst wurde dagegen dann einst die christliche Sargbestattung gestellt, aus Würde gegenüber dem Leiblichen.“ Doch heute hat sich die Einstellung zur Einäscherung offensichtlich grundlegend geändert.

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