Zwei "Liebeserklärungen" an die Lister

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Campingplatz-Besitzer Hermann Joerißen (links) und Lister-Fan Heinrich Muckel.

Windebruch - Heinrich Muckel ist 73 Jahre alt, er wohnt in Niederkassel, vor den Toren von Köln. Und der ehemalige Bauschlosser muss nicht lange nachdenken, wohin es ihn in diesem Sommer in Sachen Urlaub zieht: „Na wohin schon? An die Lister.“

Schon seit vier Jahrzehnten ist der Rheinländer dem Listerstrand treu – immerhin wohnt er in der „Sommerfrische“ auch in den eigenen vier Wänden. Heinrich Muckels Urlaubsdomizil allerdings als „Wohnwagen“ zu bezeichnen, würde der Realität nicht ganz gerecht. Auf dem Campingplatz „Seeblick“, den die Eheleute Herrmann und Ulla Joerißen in Windebruch am Hang oberhalb des Listersees betreiben, hat er sich mit viel handwerklichem Geschickt ein kleines „Anwesen“ hergerichtet. Vorbau, Terrasse mit Blick auf das idyllische Gewässer, Abstellraum mit Gästetoilette, komplett ausgerüstete Küche, Schlafzimmer und ein Wohnzimmer mit Fernseher – an Komfort mangelt es dem Senioren nicht. Und auch nicht am richtigen Urlaubsfeeling: „Nein. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, woanders Urlaub zu machen. Mallorca? Brauch’ ich nicht“, lautet sein Fazit nach vier Jahrzehnten Listertal.

Drei bis vier Monate im Jahr zieht es den Mann aus Niederkassel – wo er übrigens zusammen mit seiner Frau auch den ständigen Wohnsitz hat –inzwischen in die Seeblick-Anlage. Nicht immer ist seine Frau dann dabei. „Frische Luft, viel Ruhe und die Schwimmmöglichkeiten in der nahen Lister.“ Heinrich Muckel muss nicht lange überlegen, was er in Windebruch so schätzt. Und auch das Land der tausend Berge gefällt ihm generell. Die nähere Umgebung erkundet Muckel gern mit dem Fahrrad. „Erst heute bin ich 32 Kilometer gefahren. Und das nicht etwa mit einem E-Bike. Ich war in Sondern und habe mich dort umgesehen“, erläutert er. Und warum Sondern? „Dahin machen wir bald einen Ausflug“, erläutert Seeblick-Eigentümer Hermann Joerißen. Seit er den Campingplatz vor zehn Jahren übernommen hat, organisiert er auch kleine Fahrten und Veranstaltungen für seine Gäste. In Sondern besteigen die Camper dann ein Schiff der Bigge-Flotte und verbringen einige gemütliche Stunden auf dem Wasser.

„Die Gemeinschaft hier ist wunderschön. Wir sind mit vielen befreundet und unternehmen einiges gemeinsam, feiern auch. Einmal musste Hermann mich nachts sogar ermahnen, wir sollten etwas leiser sein“, erinnert sich der 73-Jährige aus Niederkassel lachend. Und die Lister samt Nachbarschaft kennt der Rheinländer inzwischen besser als manch ein Einheimischer. „In der Attahöhle könnte ich die Führungen schon selbst machen“, grinst er. 

Von den etwa 140 Stellplätzen im „Seeblick“ sind knapp 90 von Dauercampern belegt. Die kommen vornehmlich aus den Regionen Rhein/Ruhr. Eine der wohl kürzesten Anreisen zu seinem Wohnwagen hat aber wohl Manfred Klein. 35 Minuten brauche er, um seinen Urlaubsort zu erreichen, erzählt er. Der 59-jährige Werdohler hat seit 28 Jahren seine zweite Heimat am Listersee. „Zuhause habe ich keine Terrasse, keinen Balkon. Hier kann ich mich hinaussetzen und die Ruhe genießen“, schwärmt er weiter. Und wenn es ihm zu langweilig wird, baut er gern an den Umlagen. „Hier und da ein Brettchen auswechseln. Langeweile habe ich nicht“, ist der Werdohler rundum zufrieden. 

Schwimmen geht er übrigens nicht. „In den 28 Jahren hier war ich zweimal im Wasser. Und in einem Fall auch nur deshalb, weil meine Kinder zu weit mit der Luftmatratze abgetrieben waren.“ Fast hätte Klein seinen Stellplatz auch schon einmal abgegeben. Das lag aber nicht daran, dass es ihm und seiner Frau an der Lister nicht mehr gefiel. „Als unsere Kinder so 13 oder 14 waren, wollten sie nicht mehr mit.“ Diese Phase ist aber überstanden. Und inzwischen hat sich die Abneigung des Nachwuchses ins Gegenteil verkehrt: „Jetzt sind die Kinder erwachsen. Meine Tochter ist Lehrerin – sie ist übrigens gerade zu Besuch. Und sie ist sehr gerne hier.“ 

Manfred Klein kann sich auch gut vorstellen, dass der Stellplatz an der Listertalsperre zu einer Familientradition wird: „Noch habe ich keine Enkel. Wenn das später aber der Fall sein sollte, würde ich mich freuen, hier mit ihnen Urlaub zu machen.“ „Bis die dann auch 13 oder 14 sind“, lacht Hermann Joerißen.

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