Lesung mit Heikko Deutschmann: „Horror, Komik und Scheitern“

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Heikko Deutschmann las am Donnerstagabend in der Stadthalle lebendig und mit einem guten Timing humorvolle Texte zum Weihnachtsfest von Harald Martenstein.

Meinerzhagen - Eine sehr besondere Art der Einstimmung auf das Weihnachtsfest boten in der gut gefüllten Stadthalle auf Einladung des Kulturvereins KuK Heikko Deutschmann und das Trio „oboe in jazz“ des Oboisten Manuel Munzlinger.

Unter dem Titel „Unweihnachten“ und frei nach der Devise „Horror, Komik und Scheitern sind typische Aspekte des Weihnachtsfests“ las der Schauspieler und Hörbuchsprecher entsprechend vergnügliche Texte von Harald Martenstein. Und die Musiker luden mit Jazz-Bearbeitungen zum ganz neuen Hören wohlvertrauter Melodien ein.

Gut platziert war zu Beginn der Eingangschor von Bachs Weihnachtsoratorium: „Jauchzet, frohlocket!“ Adventlich kam die Arie „Bereite dich Zion“ daher. Dazu gab es das gute alte „Ave Maria“, einen ordentlichen Schuss Astor Piazzolla und den Titanic-Titelsong „My heart will go on“. Drei großartige Musiker mit viel Spielfreude, die sich die klingenden Bälle zuspielten und immer wieder den entscheidenden Pass zu dem wunderbar lebendig lesenden Heikko Deutschmann schlugen.

„Was Klaus an Weihnachten störte, war Zwang“, las er den Beginn einer der Geschichten von Harald Martenstein. Die Revolte gegen den Konformismus des Immergleichen der Feste des Jahreslaufs besteht in einer kleinen Umstellung: Klaus und die Seinen feiern weiterhin, ändern aber die Reihenfolge der Feste. Und so treffen die chinesischen Neujahrsraketen die Schokoladenhasen der Nachbarn, und gierige Halloween-Horror-Kinder stören die Besinnlichkeit des Heiligen Abends: „Süßes oder Saures!“ 

Der zweite, ebenfalls eher nonkonformistische Held des Jahresendzeitsfests, überraschte ebenfalls: „Weihnachten hat mich gerettet.“ Warum? „Ich habe angefangen, mich als den strippenden Weihnachtsmann zu vermarkten.“ Ein erfolgreiches Unterfangen. Die Geschichte bot eine fantastische Gelegenheit, die verblassende Männerherrschaftsherrlichkeit noch einmal ausgiebig hochleben zu lassen: „Eine strippende Frau wäre unweihnachtlich. Der Weihnachtsmann wird immer ein Mann bleiben – trotz Gender und Quote. Da gibt’s wahrlich nicht viel zu holen für den Feminismus.“

Viel zu schmunzeln oder gar zu lachen gab es bei der Geschichte von Systemadministrator Holger, der eine wunderbare Ehe mit seiner Brenda führen würde, wenn es nicht die jahresendzeitlichen Streits mit seiner Gattin um den Weihnachtsbaum gäbe: Die Ereignisse überschlugen sich geradezu, bis die beiden nackt, wie der Herr sie schuf, auf einem Sprungtuch der Feuerwehr landeten. Der Baum war in Brand geraten.

Ein Postzusteller engagierte sich mit ungeheurem Einsatz beim Vertauschen von Geschenksendungen, denen er jene freudige Wendung zu geben sich bemühte, die den Bestellern dummerweise nicht eingefallen war: „Gerade rechtzeitig sah Hermine die Augen von Wilhelm. Sie beschloss, nicht zu reklamieren.“

Und dann gab es da noch einen gewissen Max Tischler, der den Grigori aus Hellersdorf dazu brachte, in seine als elend empfundene Existenz zu schlüpfen. Fortan feierte er an Weihnachten seine persönliche Wiedergeburt: „Jedes Jahr am Heiligen Abend stieß er mit seiner Freundin und seinen Freunden auf den Mann an, der ihm das Leben geschenkt hatte – seinen Erlöser.“

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