Erfahrungsbericht

Mit dem E-Roller durchs Sauerland: Wir wagen den Alltagstest

Auch große Fahrer sind mit dem Emco Nova bequem unterwegs – aber nicht immer flott, wie sich auf der ersten Fahrt über die Homert zeigt.
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Retro-Charme auch bei der Zündung: Der Emco Nova ist auch für größere Fahrer gut geeignet und verzichtet in Sachen Zündung auf neumodischen „Kram“ wie schlüsselloses Starten.

Auf Strom unterwegs im bergigen Sauerland - das geht! Nicht nur mit E-Bikes oder E-Autos, sondern auch mit E-Rollern. Wie genau, das testen wir in den kommenden Tagen mit einem Praxistest im Alltag.

Märkischer Kreis - Alles spricht von der Verkehrswende. Wenn mobil, dann bitte elektrisch. Und wenn elektrisch, dann bitte mit Ökostrom. Klingt kompliziert, ist es aber längst nicht mehr: Die Zahl der Ökostrom-Anbieter ist schon seit Langem so groß, dass die Übersicht schwerfällt. Und auch die Hersteller setzen verstärkt auf Autos, Fahrräder oder Scooter mit dem obligatorischen „E-“ vorweg. Doch in Corona-Zeiten hat eine weitere Fahrzeugkategorie einen echten Aufschwung erlebt: der Motorroller. Nur eben ohne Otto-Motor.

Zweiräder der Sorte Vespa, Schwalbe & Co. gelten seit jeher als bestens geeignet für den Elektrobetrieb. Klein, wendig und mit meist herausnehmbaren Akkus auch für Bewohner von Mietwohnungen leicht zu laden. Beworben werden die E-Roller dabei zumeist als Alltagsvehikel in Ballungsräumen. Aber: Wie ist es um deren Praxistauglichkeit im bergigen Sauerland bestellt? Ich wollte es genau wissen und habe beim heimischen Stromlieferanten Mark-E angefragt. Der verleiht im märkischen Südkreis seit Jahren zwei Modelle, um für die E-Mobilität zu werben: Roller der Marken Kito und Emco stehen in den Kundenforen zum Verleih zur Verfügung – normalerweise. Corona sorgte für eine Zwangspause. Aber wenn nicht in den Sommermonaten testen, wann dann? Also rauf auf den Sattel! Ob zur Arbeit, zum Sport oder zum Einkaufen: Ich möchte testen, was der Elektroroller als Zweitwagen-Ersatz taugt.

Dirk Kattwinkel, E-Mobility-Experte der Mark-E, übergibt mir im Meinerzhagener Kundenforum ein Modell der Marke Emco: „Mit seinen schön geschwungenen Formen lässt der Nova die Swinging Sixties wieder aufleben“, heißt es vollmundig auf der Internetseite des deutschen Herstellers.

Der Platzhirsch kommt aus China

„Made in Germany“ ist bei E-Rollern dabei alles andere als selbstverständlich. Die große Mehrzahl der Anbieter kommt aus Asien – und hier vor allem aus China: Die chinesische Marke Niu gilt hierzulande als Platzhirsch unter den E-Roller-Anbietern und bietet seine Elektro-Zweiräder schon ab 2000 Euro an. Der Emco kann zumindest in Sachen Preis nicht mithalten: Der Listenpreis der günstigsten Variante des Nova beläuft sich auf 3599 Euro. Dafür wird dem Fahrer eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern versprochen. Unser Modell (siehe Info-Kasten) schafft es dank zweier „großer“ Akkus sogar auf bis zu 130 Kilometer. Natürlich wirken sich zurückgelegte Höhenmeter und Gewicht des Fahrers nicht gerade positiv auf die tatsächliche Laufleistung aus – wie genau, auch das will ich im Praxistest überprüfen.

Der Ansturm, den etwa die Kultmarke Piaggo in Italien in Corona-Zeiten auf ihre (Ottonormal-)Roller verzeichnet – der Edel-E-Roller Elettrica ist angesichts des Einstiegspreises von 6690 Euro eher ein Ladenhüter – ist bei der Mark-E noch nicht zu spüren, wie Dirk Kattwinkel erklärt. „Die Leute fragen nach E-Bikes oder Scootern, die wir ja auch verleihen, aber seltener nach den Rollern“, sagt der E-Mobility-Fachmann. Woran´s liegt? Vielleicht an der doch größeren Unsicherheit, auch wenn der Emco-Roller, der uns zur Verfügung gestellt wurde, von allen Besitzern des normalen Autoführerscheins gefahren werden darf. Das Gefährt bringt offiziell maximal 45 km/h auf die Straße, gilt in klassischen Kategorien als „50er“, die in Nordrhein-Westfalen sogar ab 15 Jahren mit dem Führerschein der Klasse AM gelenkt werden dürfen.

Kurze Einweisung, frühe Herausforderung: Homert

Die Einweisung ins neue Gefährt fällt entsprechend kurz aus. Hier ist nicht viel falsch zu machen: Gas und Vorderbremse mit der rechten Hand, Hinterbremse links, schnell die Staufächer und die Lademöglichkeiten erklärt – und schon geht´s los!

Und die Premierenstrecke hat´s gleich in sich: Von der Redaktion an der Hauptstraße geht´s nach Lüdenscheid. Über die Homert. 233 Höhenmeter aufwärts mit teils knackigen Steigungen, wobei in der Serpentine von Lengelscheid die Schwerstarbeit der beiden Akkus unter dem Hinterteil zu spüren ist. Nein, hier röhrt und knattert nichts wie beim Zweitakter mit Öl-Benzin-Gemisch. Aber akute Stimmungsschwankungen der Batterieanzeige stellen die Herausforderung des Elektromotors auch grafisch recht deutlich dar. Ein digitaler Balken nach dem anderen verschwindet, der Roller schlägt sich mit 28 km/h und dem nicht leichtgewichtigen Fahrer (belassen wir es bei der Angabe „dreistellig“) wacker. Und das Schöne: Bergab kann man dank Rekuperation den gequälten Akkus ein wenig Strom zurückgeben. Für Nicht-Physiker: Durch den Bremsvorgang wird Energie zurückgewonnen und in den Lithium-Ionen-Akkus gespeichert.

Was das am Ende genau für die Reichweite bedeutet, wie der Roller an die „Stromtankstelle“ kommt und wie er sich im Sauerländer Alltag schlägt, darüber wollen wir in unseren Printausgaben in den nächsten Tagen regelmäßig berichten.

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