Fachkräfte-Debatte

Pendeln: Macht die Eigenheimzulage unmobil?

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Meinerzhagen - Wer in Meinerzhagen arbeitet, muss nicht unbedingt in Meinerzhagen wohnen. Ganz im Gegenteil: Laut Statistik pendeln mehr Menschen in die Volmestadt herein als aus ihr heraus. Der Bedarf an auswärtigen Fachkräften kann manch ein Unternehmen vor Probleme stellen.

Überall sind sie in Meinerzhagen zu finden: „Hidden Champions“ ihrer Branche, Marktführer oder zumindest bedeutende Unternehmen, deren Kompetenz vielen kaum bekannt ist. Eine dieser Firmen ist Lydall Gerhardi. Global aufgestellt, lokal verwurzelt – mit Problemen, die viele Unternehmen dieser Größenordnung kennen.

Für Dr. Matthias Heider sind diese Termine Alltag. Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete horcht bei den Unternehmen im Märkischen Kreis und im Kreis Olpe immer wieder nach. Wie ist es um die Auszubildenden bestellt? Wie wirkt sich der Fachkräftemangel aus? Und vor allem: Was kann die Politik tun, um den Unternehmen eine gute Perspektive im weltweiten Wettbewerb zu bieten? 

Arbeitsgespräch zum Thema Arbeit: Bundestagsabgeordneter Dr. Matthias Heider (5. von links) und Arbeitsagentur-Chefin Sandra Pawlas (3. von rechts) besuchten das Meinerzhagener Unternehmen Lydall Gerhardi

Vertreter der Meinerzhagener Firma Lydall Gerhardi hatten jetzt die Gelegenheit, Heider ihre Sicht der Dinge zu erläutern. Gemeinsam mit Sandra Pawlas, Chefin der Iserlohner Arbeitsagentur, und Arbeitsvermittlerin Britta Holthaus war Heider Auf der Koppel zu Gast, um den Vertretern des 1998 vom US-amerikanischen Lydall-Gruppe gekauften Unternehmens den Puls zu fühlen. Und er konnte die Reise in sein Berliner Büro mit manchen Impulsen antreten. 

Ein Thema dabei: das Pendeln vieler Mitarbeiter zwischen Arbeit und Wohnort. Um Fachkräfte zu gewinnen, setzen Unternehmen auch auf die Mobilität ihrer Angestellten. 

5810 Menschen pendelten laut „Pendleratlas NRW“ im Jahr 2016 jeden Tag nach Meinerzhagen hinein (siehe Grafik). Der größte Teil aus Kierspe, doch auch viele aus weiter entfernt liegenden Kommunen. Doch eine noch größere Mobilität, so kritisierte Joann Vereecke, Betriebsleiter von Lydall Gerhardi, sei von der Bundesregierung mit manchen „Impulsen“ verhindert worden. Stichwort: Eigenheimzulage.

„Wenn ich es durch solche Instrumente attraktiv mache, sesshaft zu werden, ist es natürlich schwieriger, die Menschen für eine Wohnung nahe ihres Arbeitsortes zu gewinnen“, sagte Vereecke. Und auch die Versteuerung der Fahrtstrecke zwischen Arbeit und Wohnung mit dem Dienstwagen als geldwerter Vorteil stößt nicht auf Wohlwollen. „Das ist für Firmen wie unsere nachteilig“, betonte Rory O´Sullivan, Finanzleiter Europa bei Lydall. „Wer dann im Bergischen Land einen Job bekommt, rechnet sich aus, was er von einem Dienstwagen hat.“ Kritik, die Heider aufnahm. 

Doch zugleich betonte er die deutsche Angst vor schnellen Veränderungen. „Diese ist in Deutschland nicht gerade ausgeprägt“, verwies der Abgeordnete etwa auf den Aufbau eines 5G-Netzes für den Mobilfunk, der hierzulande weitaus länger dauern dürfte als in vielen anderen Ländern. Doch auch in Sachen Mobilität bleiben die Deutschen zurückhaltend.

Beispiel Recklinghausen: Dort, so erläuterte Sandra Pawlas, gebe es eine Vielzahl an Auszubildenden, die sich für Berufsfelder interessieren, die so vor allem im Siegener Raum angeboten würden. Also gingen beide Gebiete der Arbeitsagentur eine Kooperation ein, wollten die Recklinghäuser mit Jobangeboten und einer echten beruflichen Perspektive nach Südwestfalen locken. 

„Mit Unterstützung in Sachen Wohnungssuche und Mobilität, damit die jungen Menschen in Siegen nicht auf sich allein gestellt sind“, betonte Pawlas. Aber: Alle Perspektiven nützten nichts, „es konnte kein einziger Auszubildender gefunden werden, der darauf eingegangen ist“. Pawlas Fazit: „Auch die jungen Menschen kleben förmlich an ihrer Scholle.“

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