Unterhaltsamer Ritt durch den Paragrafendschungel

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Zahlreiche Zuhörer fanden sich zum Unternehmerfrühstück der Sparkasse ein. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Mit einem unterhaltsamen Ritt durch den Paragrafendschungel des Steuer- und Wirtschaftsrechts empfahlen sich die Referenten beim Sparkassen-Unternehmerfrühstück als versierte Führer auf schwierigem Terrain.

Veranschaulicht mit Fallbeispielen aus der fiktiven „Tünnes Fleischwerk GmbH“ suchten die Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Fachanwälte die rund 30 Interessierten im Foyer der Stadthalle vom sinnvollen, weil sich letztlich auszahlenden Einsatz von Fachkompetenz bei wichtigen Entscheidungen zu überzeugen. Zuvor hatte Wolfgang Opitz, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen, die Kooperation des Geldinstituts mit der Sozietät Bergmann & Partner und der Kanzlei Thomas/Nesselrath/Nebel als bedeutsam bezeichnet. Bei speziellen Fragestellungen steuerlicher, juristischer oder finanztechnischer Art könnten Betriebe – vom Handwerk bis zum großen mittelständischen Unternehmen – diese Zusammenarbeit nutzen und davon profitieren.

Mit Sorgenfalten in der Stirn blickte Opitz auf die Situation der „finanziell und strukturell schwer angeschlagenen Staaten“, zu denen nun auch Italien zähle. „Wir schauen in riesige Finanzlöcher“, nahm er die USA nicht aus. Diese gäbe es nicht, wären die Staaten wie Unternehmen geführt worden. „Wir erstarren in Abwarten, und wir haben Angst.“ Mit Spannung werde erwartet, „was wir dazu aktuell von den politischen Ebenen zu hören bekommen.“

Die Möglichkeiten des Geldverdienens mit der Sonne – nicht etwa in Griechenland, sondern für die „heimische Wurstfabrik Tünnes“ – hatte Steuerberater Elmar Bergmann ausgelotet. Photovoltaik als neuer, eigenständiger Gewerbebetrieb auf dem ohnehin zu sanierenden Firmen-Flachdach, das sei eine lohnende Investition mit 20-jähriger Sicherheit.

Wie weit gestaltbar die Bonitätsprüfung bei Kreditfinanzierung für notwendige Investitionen anhand bestimmter Beurteilungskriterien sein kann, zeigte Marcel Schmidt, Fachberater für Rating, in einem Exkurs zum Bilanzrechtmodernisierungsgesetz. Zur „Neuregelung der strafbefreienden Selbstanzeige“, referierte Jan Nesselrath. Anwesende ausgeschlossen, habe der eine oder andere möglicherweise „eine Leiche im Keller“. „Ist Steuerhinterziehung – korrekt: Steuerverkürzung – ein Kavaliersdelikt“, fragte der Fachanwalt für Strafrecht, um sodann die strafrechtlichen Aspekte zu beleuchten. Je nach Größe des Verkürzungsschadens sei ein Deal zur Vermeidung prozessualen Aufwands möglich. Gestaffelt nach Geldbuße, Geldstrafe und Freiheitsstrafe drohe mit Letzterem die Schreckenskammer des Strafrechts. „Wer meldet, muss auch zahlen können, notfalls per Kredit“, ergänzte Diplom-Finanzwirt Thomas Bergmann. „Und da kommt wieder die Sparkasse ins Spiel.“ Eine Rückzahlung von Gesellschafter-Darlehen, die Geldflüsse zwischen Firma und Privat samt deren Behandlung bei Insolvenz erläuterte Stefan Beckering, Fachanwalt für Steuerrecht. Uwe Landau, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater beackert das Feld der Wirtschaftsmediation. Teure, zeitaufwendige und nervenaufreibende gerichtliche Auseinandersetzungen etwa bei Scheidung, im Erbfall oder beim Vermögensausgleich ließen sich vermeiden. Der Mediator als neutraler Dritter unterstütze die Beteiligten bei der selbst und in Eigenverantwortung zu erarbeitenden Konfliktlösung mit dem Ziel der Sicherung des Familienzusammenhalts und der Einnahmequelle. Sein Appell: „Geben Sie der Mediation eine Chance.“

Den Schlusspunkt setzte Rechtsanwalt Ralf Nebel. Er unterstricht die Wirkung einer Vorsorgevollmacht, optimiert durch notarielle Bestätigung, als „Wohltat“ für den Vermögenserhalt. Komme bei eigener Handlungsunfähigkeit ein bestellter Betreuer zum Einsatz, werde es kostspielig. Auch Eheverträge und anderes hatte er auf der Eventualitätenliste. Für anschließende Diskussionen gab Wolfgang Opitz das finale „Feuer frei“. ▪ as

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