Der Urlaub in Deutschland geht an den Reisebüros vorbei

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Ein Schwerpunkt im Reisebüro Holidayland von Monika Lehmann sind Kreuzfahrten. Doch an die Vermittlung dieser Reisen ist derzeit nicht zu denken. Generell hofft die Kiersperin auf eine Erholung der Branche im kommenden Jahr.

Kierspe/Meinerzhagen – „Das Deutschlandgeschäft geht sehr oft an den Reisebüros vorbei, obwohl wir das auch sehr gut können“, erklärt Monika Lehmann, Inhaberin des Reisebüros Holidayland in Kierspe.

Die Grenzen sind bald wieder geöffnet – aber niemand weiß, ob sie es auch dauerhaft bleiben. Sicherer scheint da die Planung eines Urlaubs im eigenen Land. Doch von diesem Geschäft haben die Reisebüros sehr wenig, obwohl sie derzeit sehr wohl noch freie Hotelzimmer und auch Ferienwohnungen vermieten können.

So ist Lehmann dankbar, dass ihre Stammkunden sie nicht vergessen, auch wenn die üblichen Reiseziele in diesem Sommer nicht nachgefragt werden. „Die Anfragen betreffen eher die See oder Kärnten“, erläutert die Leiterin des Reisebüros am Springerweg.

Sorgen macht sich Monika Lehmann auch, ob die Leute überhaupt noch Urlaub und Geld für erholsame Tage haben: „Viele mussten bereits ihren Jahresurlaub in Vorbereitung auf Kurzarbeit nehmen, andere sind aufgrund der Kurzarbeit verunsichert, ob sie genügend Geld für ein oder zwei Wochen Urlaub haben. Das wirkt sich natürlich auf die Buchungen aus, deshalb rechne ich auch nicht mit allzu vielen Nachfragen für Herbst- und Winterreisen, wobei ich davon ausgehen, dass die Urlaube, die jetzt bereits für diese Zeiträume gebucht wurden, auch stattfinden.“

Wie schnell eine solche Veränderung der eigenen Situation gehen kann, erlebt die Kiersperin derzeit in der eigenen Firma. Drei Mitarbeiterinnen sind zuhause – in Kurzarbeit 100. Sie selbst hat nach eigenen Angaben mehr als genug zu tun, vor allem mit der Rückabwicklung all der Reisen, die nicht stattfinden konnten. „Nur diese Arbeitszeit bezahlt natürlich keiner“, sagt Lehmann.

Obwohl die Tür des Büros geschlossen bleibt, steht die Reisefachfrau ihren Kunden für persönliche Gespräche und Beratungen zur Verfügung. Lehmann: „Ich bin jeden Tag von 10 bis 15 Uhr im Büro und telefonisch erreichbar. Persönliche Beratungen können in dieser Zeit vereinbart werden.“ Ihren Optimismus hat die Inhaberin des Reisebüros aber nicht verloren: „Die Deutschen reisen gerne, das werden sie auch in Zukunft tun. Wenn nicht in diesem Jahr, dann wieder im kommenden.“ Darüber hinaus glaubt Lehmann, dass die Krise letztlich mehr Menschen in die Reisebüros zurückbringen wird: „Alleine schon aufgrund der Sicherheit, die mit der Buchung einer solchen Reise bei uns einhergeht.“

Wenig konkrete Anfragen hat Monika Strauß-Schmidt zu verzeichnen, die in dem DER-Reisebüro in Attendorn arbeitet und die umgeleiteten Anfragen aus dem Meinerzhagener Büro des Konzerns entgegennimmt. Eine Ursache sieht sie darin, dass die Bundesländer unterschiedliche Verordnungen haben, die darüber entscheiden, in welcher Form ein Urlaub stattfinden kann. „Aber auch die Preise spielen natürlich eine große Rolle. Ich habe gelesen, dass die Zimmerpreise auf den deutschen Inseln um 87 Prozent gestiegen sind. Aus eigener Erfahrung weiß ich das aber nicht, weil wir noch keine Anfragen mit diesem Reiseziel hatten“, sagt Strauß-Schmidt. Die Reisefachfrau freut sich, dass es wieder vermehrt Interesse an Flugreisen im Herbst und Winter gibt: „Gerade erst habe ich Anfragen für Urlaube in der Türkei und auf den Kanaren bekommen.“ Aber sie ist skeptisch, ob in diesem Jahr mit Reisen viel zu verdienen ist, da auch sie vermutet, dass sich viele Kunden aufgrund der finanziellen Situation und Unsicherheit bei Buchungen zurückhalten.

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