Ungewöhnliches Dienstjubiläum

Mit 68: Dieser Mann bleibt der Werkbank treu

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Mann (fast) der ersten Stunde: Klaus Barwanitz ist seit 50 Jahren bei der Firma GWK beschäftigt.

Meinerzhagen - Die Welt hat sich verändert, seit Klaus Barwanitz seinen ersten Tag bei GWK antrat. Damals, am 1. November 1969, stand der Atomwaffensperrvertrag für die Bundesrepublik Deutschland kurz vor der Unterzeichnung, beherrschte der Kalte Krieg noch die Tagespresse. Dass Barwanitz selbst noch Geschichte schreiben würde, dürfte ihm damals wohl kaum in den Sinn gekommen sein.

Ein halbes Jahrhundert für den Betrieb? Ein solches Jubiläum ist selten und war gestern auch für die Firma „Gesellschaft Wärme Kältetechnik“ (GWK) eine Premiere: Seit nunmehr 50 Jahren arbeitet Klaus Barwanitz für das Unternehmen, das er als dienstältester Mitarbeiter wie kein Zweiter kennt. Mit 68 denkt er nicht ans Aufhören. Warum auch? 

„Wenn es mir keinen Spaß machen würde und ich nicht so tolle Kollegen hätten, würde ich das sicher nicht mehr machen. Aber ich komme immer noch gerne zur Arbeit!“ Und Produktionsleiter Christoph Schütt ist froh, das „Urgestein“ Barwanitz weiterhin im Betrieb zu haben.

„Er kennt Dinge, für die wir uns erst mal strecken müssten, wenn er nicht mehr da wäre“, sagt Schütt und spricht etwa das an, was Geschäftsführer Dr. Michael Zaun im Rahmen eines kleinen Empfangs gestern schilderte. „Es gibt immer noch Teile, für die es keine detaillierten Zeichnungen gibt. Bei denen man sich also fragt: Wie wird dies oder jenes gebaut? Die Antwort, die ich dann erhielt, war: ,Der Yul weiß das! Frag den!‘“ 

Yul, so nennen ihn viele der älteren Kollegen noch heute.  In Erinnerung an die Legende Yul Brynner, dessen herausragende Eigenschaft nicht nur die Schauspielerei war („Westworld“, „Die Glorreichen Sieben“, „Die zehn Gebote“, etc.), sondern auch seine fehlende Haarpracht. Die hatte auch Klaus Barwanitz recht früh verloren, „was aber nichts mit der GWK zu tun hatte!“, wie er gestern lachend betonte. 

Ausbildung bei Hugo Woeste

Seine Ausbildung zum Maschinenbauer hatte der Kiersper vor seiner Zeit bei der GWK in der Maschinenfabrik von Hugo Woeste absolviert. „Durch meinen Cousin bin ich dann zur GWK gekommen“, erinnert sich Barwanitz im Gespräch mit der MZ an seine Anfänge im Unternehmen, das damals von den Familien Zeppenfeld und Jung geprägt und als kleines Planungsbüro gegründet worden war. 

Vertrag per Handschlag

Bewerbungsschreiben? Praktika? All das war damals nicht notwendig. „Ich kam zur Firma, habe mich zehn Minuten lang unterhalten – und per Handschlag wurde ich eingestellt.“ Wann er später tatsächlich einen schriftlichen Arbeitsvertrag in Händen hielt, daran kann sich Barwanitz nicht erinnern. Doch zur Legende macht ihn im Unternehmen seither auch seine besondere Personalnummer: Barwanitz ist die Nummer 1 bei GWK, empfinde sich dabei aber nie als „echte Nummer 1“, sondern sei stets sozial engagiert und überaus hilfsbereit, sagt Produktionsleiter Christoph Schütt. 

Der zweifache Familienvater gehörte lange Jahre dem Betriebsrat an und war zeitweise auch dessen Vorsitzender. Doch auch ohne offizielle Funktion hat er sich um das Wohl der Kollegen gekümmert: „Wenn es galt, die Getränkeautomaten aufzufüllen, war Klaus zur Stelle“, erinnert sich Schütt. „Dafür kam er auch schon vor Arbeitsbeginn – und zwar unbezahlt.“

Viele Anekdoten aus den frühen Jahren

Dass sich über die Jahre Geschichten und Geschichtchen anhäufen, versteht sich von selbst. Und einige davon konnte er Geschäftsleitung, Betriebsrat und anderen Kollegen gestern im Rahmen einer kleinen Feierstunde erzählen. Etwa die von der Gewohnheit vieler Kollegen, in den Anfangsjahren des Unternehmens einen „guten Tropfen“ auch am Arbeitsplatz nicht zu verschmähen. 

„Nur übertreiben durfte man es nicht“, weiß Klaus Barwanitz von seinen GWK-Anfängen zu berichten. So habe der Chef seinerzeit einen Kollegen fristlos entlassen, der sich – nicht ganz nüchtern – für ein Nickerchen in einer sogenannten Heißluftstrecke (Thermofixierofen) zurückgezogen hatte. „Das wäre so weit unbemerkt geblieben – hätte er nicht geschnarcht“, weiß Barwanitz noch heute von dieser Besonderheit. Er selbst habe von solchen Eskapaden indes nichts gehalten, wie er betont: „Ich war froh, als das von der Geschäftsführung unterbunden wurde, damit gefährdete man ja auch die Arbeitssicherheit.“ 

Drehen, fräsen, schweißen, montieren – Klaus Barwanitz ist ein Handwerker durch und durch. Und einer, auf den die GWK weiterhin nicht so schnell verzichten will. Christoph Schütt nutzte die gestrige Feierstunde daher auch dazu, dem „Unruheständler“ eine weitere Ergänzung zu seinem Arbeitsvertrag zu überreichen: Barwanitz wird so auch das kommende Jahr bei GWK „voll machen“. Es wird sein 51. sein. Ob es auch sein Letztes wird? 

So ganz weiß das der Jubilar selbst noch nicht. „Dazu gehört ja auch das Unternehmen“, sagt der Kiersper. Und deutet damit schon mal an, dass an ihm – so die Gesundheit mitspielt – das 52. GWK-Jahr nicht scheitern soll.

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