Nezahat Baradari oder Sercan Celik

Wer tritt für die SPD an? Große Unruhe vor wichtiger Entscheidung

Serkan Celik mit Karl Lauterbach
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Ein Foto, das für Wirbel gesorgt hat: Nezahat Baradari berichtet, dass SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach „entsetzt“ über die Veröffentlichung dieses Bildes gewesen sein soll, das ihn gemeinsam mit Baradaris Gegenkandidaten Sercan Celik zeigt.

Hat Nezahat Baradari weiterhin die Chance, den südlichen Märkischen Kreis und den Kreis Olpe für die SPD im Bundestag zu vertreten? Diese Frage beantworten am Freitagabend die Delegierten, wenn es um die Nominierung des Bundestagskandidaten für den Wahlkreis 149 geht. Doch im Vorfeld gab es einigen Wirbel um Fotos, Posts - und einen Taxiservice.

Im Zentrum der Kritik: Nezahat Baradari selbst, die mit einem umstrittenen Posting am 1. Dezember 2020 die jesidische Gemeinde in Deutschland gegen sich aufbrachte. Besonders heikel mit Blick auf die heutige Versammlung: Ihr Gegenkandidat Sercan Celik aus Kierspe ist selbst Jeside.

In dem Beitrag, der mittlerweile von der Facebook-Seite der Bundestagsabgeordneten entfernt wurde, hatte Baradari über eine Onlinediskussion mit jesidischen Frauen (Ezidinnen) berichtet und in diesem Zusammenhang von „Kastensystemen, althergebrachten und uns unbekannten/befremdenden Traditionen“ geschrieben. Baradaris Post endete unter anderem mit den Hashtags #Zwangsheirat und #Ehrenmord, durch die etwa die Initiative „Eziden weltweit“ die jesidische Religion angegriffen sah.

Verein der Jesiden kritisiert Beitrag Baradaris

In einer Stellungnahme wirft der Verein der Bundestagsabgeordneten vor, Stereotype und Vorurteile gegenüber Ezidinnen zu bedienen, „welche in der jüngsten Vergangenheit als Legitimation für die Auslöschung des ezidischen Volkes dienten“. Die gesetzten Hashtags würden in keinem Zusammenhang mit dem Hauptgesprächsthema stehen und bewusst ein negatives Bild von Ezidinnen erzeugen, heißt es weiter in der Stellungnahme des Vereins „Eziden weltweit“. Nezahat Baradari sprach daraufhin von einem Missverständnis und bedauerte, dass sich Jesiden durch die Hashtags verletzt fühlten.

Diskussion um Foto mit Karl Lauterbach

Für Aufsehen sorgte zudem ein Chatverlauf, den der freie Journalist Tobias Huch in der vergangenen Woche über Facebook veröffentlichte und, wie er schreibt, von einem vereidigten Übersetzer ins Deutsche übersetzen ließ. Darin hinterfragt ein Nutzer das Foto, das unsere Zeitung in Zusammenhang mit der Kandidatur Celiks als potenzieller SPD-Abgeordneter veröffentlicht hat. Auf dem Bild sind Sercan Celik und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu sehen.

Nezahat Baradari wird in dem Post des Journalisten dahingehend übersetzt, dass Celik ein „verbotenes Bild“ genutzt und auch nach Aufforderung durch Karl Lauterbach nichts gegen die Veröffentlichung unternommen habe. Auf Anfrage der Redaktion berichtet Baradari, dass Lauterbach „entsetzt“ darüber gewesen sei, dass sein Foto in den Medien für den internen Parteiwahlkampf benutzt wurde. Celik selbst bestätigt einen Kontakt zum Büro Lauterbach, aber nicht, dass dieses ihm die Nutzung verbieten wollte. Das Bundestagsbüro Karl Lauterbachs hat zu dem Fall noch keine Stellungnahme abgegeben.

Baradari: „Aus dem Zusammenhang gerissen und unvollständig dargestellt“

Dass Baradari ihren Kontrahenten im Verlauf des Chats zudem als „kleine Person“ bezeichnet hat, dementiert sie auf Anfrage nicht, betont aber: „Aus dem Zusammenhang gerissene und unvollständig dargestellte Chatverläufe – wie in diesem Fall – geben nicht den gesamten Kontext wieder und verzerren die Wahrheit.“ Zu dem Umstand, dass sie ihrem Chatpartner nicht widersprach, als dieser von einer „generellen Türkenfeindlichkeit in Deutschland“ schrieb, sagt Baradari: „Für mich ist selbstverständlich jede Ethnie respektabel. Genau dies hatte ich im Chat geschrieben und die Person blockiert.“ Sie selbst habe als Frau mit Migrationshintergrund, die im Kindesalter selbst als Tochter politisch Verfolgter mit ihrer Familie aus der Türkei nach Deutschland flüchtete, „am eigenen Leibe häufig erfahren, wie weit Rassismus und Diskriminierung auch in Deutschland verbreitet sind“.

Bereits im Zuge der Armenienresolution des Deutschen Bundestages im Jahr 2016 soll Baradari von einem „Türkei-Bashing“ gesprochen haben. Darauf angesprochen betont die SPD-Abgeordnete lediglich, dass sie zu diesem Zeitpunkt kein Mitglied des Deutschen Bundestages war. Die Völkerverständigung durch Dialog halte sie nach wie vor für sinnvoll, schreibt Baradari weiter.

Wer wird zur Attendorner Stadthalle gefahren - und wer nicht?

Für Unmut insbesondere bei den Delegierten, die heute aus dem Märkischen Kreis nach Attendorn fahren, sorgte das Angebot eines Hol- und Bringdienstes – der aber nur den Kollegen des SPD-Kreises Olpe angeboten wird. Die Idee eines solchen Shuttle-Services für nichtmobile Mitglieder stamme von ihr und sollte ursprünglich auch der AG 60 Plus aus Lüdenscheid sowie weiteren Delegierten angeboten werden. Der Geschäftsführer des Kreises Olpe habe sie allerdings darauf hingewiesen, dass diese „gut gemeinte Absicht“ falsch ausgelegt werden könnte. Dass der SPD-Kreisverband aus Olpe seinen Delegierten nun dennoch eine Taxifahrt angeboten hat, liege nicht in ihrer Verantwortung, betont Baradari.

Interview mit Gordan Dudas

Lesen Sie hier, was der Landtagsabgeordnete und Lüdenscheider Unterbezirksvorsitzende zu den Entscheidungen um die Bundestagskandidaturen im Märkischen Kreis sagt.

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