Polizei will verstärkt gegen Gurtmuffel vorgehen

Immer wieder ein Thema: Zu schnelle Autos im Bereich von Schulwegen. Auch diesem Problem hofft die Polizei durch Kontrollen Herr zu werden. Immerhin: Verletzte Kinder gab es in diesen Bereichen 2014 nicht.

Meinerzhagen/Kierspe - Das Positive vorweg: Es gibt sie, die positiven Trends in der Unfallstatistik für Meinerzhagen und Kierspe. Dass es im vergangenen Jahr keinen einzigen Schulwegunfall gab, freute den Meinerzhagener Wachleiter Michael Stumpe besonders. Aber: Auch negative Entwicklungen mussten er und Jörg Präger von der Direktion Verkehr am Montag vermelden.

Als „erschreckend hoch“ bezeichnete Stumpe etwa die Zahl der erkannten (!) Verstöße gegen die Anschnallpflicht. „Wir gehen natürlich von einer wesentlich höheren Dunkelziffer aus“, weist der Wachleiter darauf hin, dass die Polizei nicht jeden „Gurtmuffel“ erwischt. Wären sich die Verkehrsteilnehmer der Gefahr bewusst, würden sie anders handeln, ist Stumpe sicher: „Die Leute wissen einfach nicht, was sie sich antun.“

„Spitzenplatz“ bei Tempoverstößen

Dass viel Aufklärungarbeit notwendig ist, zeigt auch die Zahl der „geblitzten“ Fahrzeuge: 1541 Maßnahmen seien im vergangenen Jahr in Kierspe und Meinerzhagen gegen solche Autofahrer eingeleitet worden, die zu schnell unterwegs waren. „Das ist kreisweit ein Bestwert“, sagt Michael Stumpe – dem freilich eine gesittetere Fahrweise auf heimischen Straßen lieber wäre. Denn nicht angepasste Geschwindigkeit ist im vergangenen Jahr gleich 29-mal (2013: 45-mal) der Grund für einen Unfall gewesen. Dies scheint bei insgesamt 1176 Unfällen im Wachgebiet ein nur geringer Wert zu sein, doch handelt es sich bei dieser Gesamtzahl zum größten Teil um Bagatellschäden (1016), für die keine Hauptunfallursache gesondert festgestellt wird. Bei den 160 verbliebenen Fällen mit verletzten Personen oder hohem Sachschaden nimmt unangepasste Geschwindigkeit weiterhin den Spitzenplatz der Unfallursachen ein vor Fehlern beim Abbiegen und Wenden (28, 2013: 51) und Vorfahrt-/Vorrangverstößen (22, 2013: 38).

Deutlich wird beim Blick auf die Vorjahreszahlen: Der Trend ist positiv – und das sei auch eine Folge verstärkter Kontrollen an neuralgischen Punkten, so Michael Stumpe, der anlässlich der Unfallbilanz 2013 im vergangenen Jahr eben diese Schwerpunktkontrollen angekündigt hatte.

Allerdings stieg die Zahl der Unfälle mit verletzten Personen dennoch leicht von 111 auf 117. Dies liegt ausschließlich an der erhöhten Zahl von Unfällen mit Schwerverletzten (31 statt im Vorjahr 24). Zudem gab es eine getötete Person, nachdem im Jahr 2013 noch zwei Tote gezählt werden mussten. Ein Rückgang, der Michael Stumpe und Jörg Pränger aber nicht jubeln lässt.

„Jeder Tote ist einer zu viel“, sagen sie. Allerdings zeigten sie sich durchaus erleichtert, dass die Werte früherer Jahre, als regelmäßig fünf oder sechs Verkehrstote gezählt wurden, zuletzt nicht mehr erreicht wurden. Nicht in diese Statistik eingeflossen sind übrigens die Unfälle mit Todesfolge auf der A45 und auf der L539, die sich im vergangenen Jahr ereignet haben: Ersterer wurde der Polizeidirektion Dortmund zugerechnet, bei letzterem handelte es sich um einen Suizid. Unverändert war im vergangenen Jahr die Zahl der leichtverletzten Personen (85).

Aufklärungsquote bei Unfallfluchten niedrig

Ärgerlich sind Unfälle generell – doch insbesondere dann, wenn kein Verursacher zur Rechenschaft gezogen werden kann: Dies war in Meinerzhagen und Kierspe im vergangenen Jahr 219-mal der Fall und damit 14-mal weniger als 2013. Erschreckend: In sieben Fällen ergriffen die „Täter“ die Flucht, obwohl eine Person verletzt wurde. Die Aufklärungsquote bleibt niedrig: In Meinerzhagen sank sie von 45 auf rund 38 Prozent, in Kierspe blieb sie stabil bei 44 Prozent. - zach