Unfallkommission berät mögliche Konsequenzen

Die Polizei kündigt weitere und intensive Geschwindigkeitskontrollen an.

MEINERZHAGEN ▪ In den 1990er Jahren war es in den Aggerkurven bei Meinerzhagen zu einer auffälligen Häufung von Motorradunfällen mit Verletzten und auch Toten gekommen.

Als Reaktion auf das Unfallgeschehen wurden seitens der Polizei und der Straßenbehörde verschiedene Maßnahmen umgesetzt: Tempobegrenzung, Fahrbahnmarkierungen mit durchgezogenen Linien, das Anbringen von sogenannten „Bischofsmützen“ als Mittelstreifenbegrenzungen und besondere Sicherungen im Bereich der Leitplanken. Eine vorübergehend eingeführte Totalsperrung der Landstraße 323 zwischen Meinerzhagen und der Aggersperre wurde nach nur kurzer Zeit und auch heftigen Protesten von Motorradfahrern wieder außer Kraft gesetzt.

Lange Zeit galt der kurvige Straßenabschnitt auch danach zwar weiterhin als beliebtes Ziel für Biker aus nah und fern. Doch besonders schwere Unfälle gab es nicht mehr. Und nun binnen von nur zwei Wochen gleich zwei getötete Motorradfahrer: Am 10. April ein 20-Jähriger aus Bergneustadt. Am vergangenen Karsamstag ein 29-Jähriger aus Köln. Die Aggerkurven erlangen erneut traurige Berühmtheit als Todesstrecke. Michael Stumpe, Leiter der Polizeiwache Meinerzhagen, ist bestürzt über die aktuelle Entwicklung. Obwohl die Polizei auch in diesem Frühjahr im heimischen Raum mit verschiedenen präventiven Maßnahmen für die Zielgruppe Motorradfahrer besonders aktiv war, wird nun zwangsläufig zusätzlicher Handlungsdruck ausgelöst. Stumpe kündigt weitere und noch intensivere Überwachungsmaßnahmen an. Dazu soll auch ein spezielles Motorrad mit ziviler Ausstattung und einer Videokamera eingesetzt werden, um auf diese Weise Temposündern wirkungsvoll begegnen zu können. Geprüft werde, so der Wachleiter, auch die Einrichtung einer geeigneten Lasermessstelle. Im Rahmen der polizeilichen Maßnahmen soll zudem das aufklärende Gespräch mit den Bikern gesucht werden.

Ob es weitere und womöglich noch deutlich einschneidendere Maßnahmen gibt, darüber wird voraussichtlich in der kommenden Woche entschieden. Die Mitglieder der Unfallkommission beim Märkischen Kreis werden das Unfallgeschehen auf der L 323 bei Meinerzhagen im Rahmen einer Ortsbesichtigung noch einmal gründlich analysieren und danach ihre Empfehlungen formulieren.

Im ersten Fall des verunglückten Bergneustädters spielt Geschwindigkeit offenbar die entscheidende Rolle. Das haben, so Michael Stumpe, die Ermittlungen an der Unfallstelle eindeutig ergeben. Art und Umfang der Beschädigungen am Motorrad sowie die Unfallspuren auf der Fahrbahn und im Bereich der Leitplanken lassen keinen anderen Schluss zu, als dass hier mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit im Kurvenbereich gefahren wurde.

Weiter ungeklärt ist dagegen laut Polizei der Hergang des zweiten Unfalls vom vergangenen Samstag. Es gibt auch keine Unfallzeugen. Stumpe: „Hier lassen die Beschädigungen nicht auf ein besonders hohes Tempo schließen. Möglicherweise hat ein Fahrfehler zum verhängnisvollen Sturz geführt.“

Intensiv wird das tragische Unfallgeschehen, bei dem in kurzer Folge zwei junge Menschen ihr Leben verloren, auch im Internet diskutiert. Der Artikel der MZ über den Unfall vom Samstag wurde bislang mehr als 30mal kommentiert. Die Meinungsäußerungen sind dabei konträr, reichen von Bekundungen der Anteilnahme über Forderungen nach mehr Kontrollen. Andererseits mahnen zum Beispiel Motorradfahrer zu mehr Sachlichkeit und kritisieren, dass stets den verunglückten Motorradfahrern die Schuld an Unfällen zugewiesen werde. Nachzulesen sind alle Meinungsäußerungen unter //www.come-on.de

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