Bewährungsstrafe für Todesfahrer

Schreckliche Folgen hatte der Unfall, der sich in der Nacht zum 7. Juni 2014 an der Autobahnauffahrt ereignete. - Archivfoto

Meinerzhagen - Tödlich endete in der Nacht vom 6. auf den 7. Juni 2014 die Kamikazefahrt eines 26-jährigen Meinerzhageners auf der Bundesstraße 54 in Höhe der Autobahnauffahrt. Am Freitag wurde der Unfall im Amtsgericht Lüdenscheid strafrechtlich aufgearbeitet.

Mit 1,6 Promille im Blut, etwa 150 Stundenkilometern auf dem Tacho und unter Missachtung einer roten Ampel prallte der junge Mann damals mit seinem 190-PS starken Audi gegen einen Passat aus Kierspe. Darin starb der 64-jährige Beifahrer, sein Sohn erlitt mehrere Wirbelbrüche. Nur mit Mühe konnte der Angeklagte eine lange Erklärung verlesen, da er durch die rasende Trunkenheitsfahrt auch sein eigenes Leben zerstört und sich selbst zum Krüppel gemacht hatte: Mit schwersten Kopfverletzungen lag er vier Wochen im Koma, weitere drei Monate verbrachte er im Krankenhaus und in Rehabilitationsmaßnahmen. Fast vollständig büßte er die Sehkraft seines rechten Auges ein, ein Schwerbehindertenausweis nennt eine Beeinträchtigung von 70 Prozent.

In seiner Erklärung wandte sich der Angeklagte direkt an die Familie des Getöteten und bat um Verzeihung. „Ich weiß, dass mein Fehlverhalten nicht zu entschuldigen ist.“ Aufgrund des erlittenen Schädel-Hirn-Traumas konnte sich der Angeklagte an nichts mehr erinnern. Das sei schwer zu akzeptieren: „Ich weiß nicht, warum ich so spät noch unterwegs war und betrunken mit meinem Auto gefahren bin.“ Einen Wert von 1,6 Promille ermittelte das Blutalkohol-Gutachten später – ein Pegel weit jenseits der Grenze zur absoluten Fahruntüchtigkeit. Der Neuenrader Kfz- und Unfallgutachter Lutz Bölter eilte noch in der Unfallnacht zur Unglückstelle und vermaß das Ungeheuerliche: Der Unglücksfahrer müsse in Fahrtrichtung Valbert zwischen 140 und 160 Stundenkilometer schnell gewesen sein, als er den Passat im Kreuzungsbereich vorne links erwischte. Der Wagen der Opfer wurde durch den Aufprall „46 Meter zurückkatapultiert“.

Eine Zeugin hatte kurz vor dem Unfall an der rot werdenden Ampel gehalten. Als der Angeklagte an ihrem Auto vorbei in den Kreuzungsbereich raste, habe ihr Wagen „ein wenig geschuckelt“, sagte sie und verglich den Windstoß mit jenem, den ein Laster auf der Autobahn auslöst.

Der Angeklagte war vorgewarnt: Mehrfach war ihm der Führerschein entzogen worden, doch die Sanktionen wegen Trunkenheit am Steuer und Geschwindigkeitsüberschreitungen hatten ihn offenbar in keiner Weise beeindruckt. Es war deshalb überraschend, dass die Staatsanwältin eine neunmonatige Bewährungsstrafe beantragte.

Opferanwalt Karl Wilhelm Dohrmann aus Gummersbach legte noch drei Monate drauf. Doch das Schöffengericht hielt 18 Monate Haft auf Bewährung für angemessen. Außerdem verhängte es ein fünfjähriges Fahrverbot gegen den Angeklagten, der aus gesundheitlichen Gründen möglicherweise nie wieder wird Auto fahren können. „Sie haben durch die Tat eindrücklich gezeigt, dass Sie charakterlich nicht geeignet sind zum Führen von Kraftfahrzeugen“, wandte sich Richter Thomas Kabus an den Angeklagten. Auch über eine lebenslange Sperre sei in der Beratung nachgedacht worden.

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