Kino: Ohne Fördermittel droht sogar die Schließung

Liebevoll wird die alte Technik von Heinz Theiss gepflegt. Neue Blockbuster setzen bald aber digitale Standards voraus. - Archivfoto: Beil

MEINERZHAGEN - Die Situation ist verzwickt. Heinz Theiss, Betreiber der City-Lichtspiele an der Stadthalle, müsste eigentlich in neue, digitale Technik investieren. Denn: „Uns wurde mitgeteilt, dass mit Beginn des neuen Jahres die großen und teuren Blockbuster nur noch mit diesem System ausgeliefert werden.“

Von Jürgen Beil

Da eine solche Maßnahme laut Theiss aber Ausgaben im oberen fünfstelligen Eurobereich nach sich ziehen würde, scheint das „Aus“ – zumindest was die Blockbuster angeht – nicht mehr unmöglich. Allerdings gibt es einen Hoffnungsschimmer: „Ab Mitte Dezember wird von einem bundesweit tätigen Filmfördergemium darüber beraten, ob kleine Kinos wie die City-Lichtspiele mit einer staatlichen Kostenbeteiligung an der neuen Technik rechnen können, oder ob kleine Städte demnächst ohne Kinokultur auskommen und die dortigen Kinos schließen müssen“, erläutert Theiss.

Und wie geht es mit dem traditionsreichen Lichtspielhaus an der Stadthalle weiter, wenn sich die Politik gegen den Erhalt kleiner Kinos entscheidet? „In diesem Fall müssten wir wohl das tun, was die anderen Kleinkinos auch machen – endgültig schließen,“ bedauert Theiss.

Der Kinobetreiber erläuterte gegenüber der MZ die genauen Hintergründe der aktuellen Entwicklung: „Das neue Projektionssystem zum Schutz vor Raubkopien im Kino, das inzwischen fast alle großen Kinobetriebe in Großstädten installiert haben, macht den kleinen Kinos schon seit Anfang dieses Jahres das Überleben schwer. Nachdem vor allem viele der großen Filmkonzerne seit geraumer Zeit dramatische Besucherrückgänge bei ihren Großfilmen im Kino verzeichnen mussten, woran vor allem die im Internet kursierenden illegalen Raubkopien schuld sein sollen, liefern diese Konzerne ihre teuer produzierten Filme nur noch in einem speziellen digitalen Projektions- und Verschlüsselungssystem, durch das ein Abfilmen von der Kinoleinwand nicht mehr möglich ist, an die Kinos. Bisher wurden kleine Lichtspielhäuser, wie auch die City-Lichtspiele, noch von einigen Filmfirmen mit Blockbustern auf unverschlüsseltem 35 Millimeter breitem traditionellem Filmmaterial beliefert, das in der Herstellung aber sehr teuer und gegen Raubkopien unsicher ist. Es kann praktisch von jedem verbotenerweise mit einer handelsüblichen Digitalkamera oder sogar mit der Kamerafunktion am Handy direkt von der Kinoleinwand abgefilmt werden. Für eine digitale und abfilmsichere Kopie, die sich auf einer Festplatte mit sehr hoher Datendichte, eine Art Super-DvD befindet, liegen die Kosten für die Filmfirmen nur im unteren dreistelligen Bereich. Ab 2014 ist deshalb nun endgültig Schluss mit dem 35 Millimeter breiten traditionellen Kinofilm, so dass auch die kleineren Kinos das neue kostenmäßig im oberen fünfstelligen Bereich angesiedelte digitale Projektionssystem benötigen. Eine Gesamtinvestition von rund 100 000 Euro kommt so auf jeden einzelnen Kinosaal in Deutschland zu. Viel zu viel für die meisten kleineren Kinobetriebe, die in der Regel nicht über Rücklagen in der erforderlichen Höhe verfügen.“

Heinz Theiss hat die Hoffnung aber noch nicht ganz aufgegeben: „Der äußerst erfolgreiche und seit Jahren bei den Kinofreunden der Volmestadt geschätzte Filmkunst-Montag kann und wird zur Zeit noch weiterlaufen, so lange die neue Technik nicht auch für die Filmkunst angewendet wird. Das ist jedoch zumindest vorerst nicht geplant. Inzwischen kommen die Stammgäste des Filmkunst-Montages aus Wipperfürth, Gummersbach und Lüdenscheid und zwei Ehepaare sogar regelmäßig aus Köln. Viele Gäste besuchen auch wegen der original 1970-er-Jahre-Einrichtung die City-Lichtspiele, in denen nur Bestuhlung und Teppich inzwischen etwas in die Jahre gekommen sind. Das Meinerzhagener Kino genießt inzwischen Kultstatus unter Cineasten.“

Dass sich die Türen der Lichtspiele endgültig schließen könnten, daran mag Theiss noch gar nicht denken: „Zur Zeit ist es noch nicht so weit, daüber nachzudenken, denn momentan läuft der Kinobetrieb ja ganz normal weiter. An diesem Wochenende zeigen die City-Lichtspiele folgende Filme: Samstag, 17 Uhr, Bibi Blocksberg, ein Zeichentrickfilm; um 20 Uhr dann ,Die Nordsee von oben’ und am Montag geht es mit ,Die Nordsee – unser Meer’, ebenfalls um 20 Uhr, weiter.“

Kartenreservierungen für die City-Lichtspiele sind wie immer unter den folgenden Rufnummern möglich: (0 22 07) 91 17 58 oder Handy 0171-4 24 75 41.

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