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Hamstern für den Notfall?

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Von: Jürgen Beil

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Kein Speiseöl, kein Mehl – schon seit Wochen ist das in vielen Supermärkten Realität.
Kein Speiseöl, kein Mehl – schon seit Wochen ist das in vielen Supermärkten Realität. © Göran Isleib

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt: „Es gibt verschiedene Notsituationen, in denen ein Vorrat an Lebensmitteln und Getränken hilfreich ist. Aber auch im Alltag können Sie von einem Vorrat profitieren.“

Meinerzhagen – Heißt: Mineralwasser literweise im Keller bunkern, genügend haltbare Lebensmittel einlagern und – idealerweise – auch noch einen Campingkocher dazustellen, falls Gas und Strom einmal ausfallen.

Halten sich die Bürger in diesen Krisenzeiten an die Empfehlung? Meinerzhagens Bürgermeister Jan Nesselrath nur bedingt: „Ich halte das zurzeit nicht für nötig. Aber natürlich sollte jeder Bürger gewisse Grundnahrungsmittel im Haus haben. Von Hamsterkäufen halte ich hingegen gar nichts. Die gibt es immer dann, wenn Krisen auftreten. Hamsterkäufe führen nur zu Knappheit bei bestimmten Dingen – bei uns Toilettenpapier, Öl und Mehl. Bei einem Frankreich-Besuch habe ich kürzlich beobachtet, dass es dort noch alles gibt, auch Öl und Mehl.“

Vertrauen in Lieferkette

Jan Nesselrath geht davon aus, dass hierzulande der Nachschub grundsätzlich gesichert ist. „Nahrungsmittel waren sicherlich auch bei der Hochwasserkatastrophe, die großes Leid und Zerstörung verursacht hat, nicht das eigentliche Problem. Da ging es um Leben und Tod und um Existenzen.“

Derselben Meinung ist Rolf Puschkarsky, Vorsitzender des Awo-Ortsvereins Meinerzhagen: „Diese Empfehlung der Not-Bevorratung gibt es schon sehr lange. Ich habe einen gewissen Vorrat, aber keinen so großen, dass er für längere Zeit reichen würde. Ich halte das auch nicht für nötig, auch nicht in diesen Krisenzeiten. Hamsterkäufe und ihre Folgen, die in den Geschäften zu sehen sind, schüren doch nur Ängste.“

„Jeder Bürger muss das für sich selbst entscheiden. Aber die Krisenstäbe empfehlen die Vorratshaltung nicht einfach nur so“, sagt Andreas Schmutzler, Polizeihauptkommissar und Leiter der Meinerzhagener Wache. Er selbst ist allerdings nicht übermäßig mit Notfall-Vorräten eingedeckt. „Ich habe schon gewisse Vorräte und als Outdoor-Fan besitze ich auch Gaskocher und Gasgrill, mit denen ich Mahlzeiten zubereiten könnte, wenn wirklich Strom- und Gaslieferungen ausbleiben“, berichtet Andreas Schmutzler.

Talsperren ein Vorteil

So weit, sich mit -zig Litern Mineralwasser einzudecken, ist er allerdings noch nicht gegangen: „Da haben wir in Meinerzhagen sicherlich auch den Vorteil, dass Talsperren in der Nähe sind, aus denen wir im Notfall Wasser holen könnten – zur Not mit dem Fahrrad und einem Anhänger.“ Auch Andreas Schmutzler hält nichts von Hamsterkäufen, sagt aber auch: „Öl und Mehl sind schon knapp geworden, das zeigt, dass auch Lieferketten manchmal nicht funktionieren.“ Dass es eine gewisse Angst vor Notzeiten in Teilen der Bevölkerung gibt, hat er auch selbst beobachtet: „Der Absatz von Notstromaggregaten und Gasflaschen hat sehr zugenommen.“

„Nein. Ich habe keinen Lebensmittel-Notvorrat.“ Der Stadtbrandinspektor und Meinerzhagener Feuerwehrchef Christian Bösinghaus sieht auch momentan keine Veranlassung, das gravierend und rasch zu ändern. „Ich vertraue darauf, dass unsere Infrastruktur – etwa die Hilfsorganisationen – im absoluten Krisenfall in der Lage sind, die Versorgungsketten aufrecht zu erhalten“, glaubt er.

Empfehlung gibt es schon lange

Ganz ohne Vorräte geht allerdings auch Christian Bösinghaus nicht durchs Leben: „Ich mache freitags einen Großeinkauf für die ganze nächste Woche, sodass ich durchaus meistens genügend Nahrung und Getränke für ein paar Tage im Haus habe.“ Die Empfehlung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, sich gezielt einen Notvorrat anzulegen, gebe es schon viele Jahre. „Nur, dass sie in normalen Zeiten nie besondere Beachtung gefunden hat“, stellt der Stadtbrandinspektor fest.

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