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Umfrage in Meinerzhagen: „Die Leichtigkeit ist verloren gegangen“

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Von: Simone Benninghaus

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Zwei Leute hinter einem Markstand
Obst- und Gemüsehändler Tobias Syrek und seine Mitarbeiterin Sandra Hoffmann stellen fest, dass viele Kunden verunsichert sind. © Simone Beninghaus

Ob an der Zapfsäule oder auf dem Zettel, der nach dem Einkauf an der Kasse ausgehändigt wird – überall steht am Ende mehr. Und auf dem Konto wird das Geld weniger, dafür wachsen die Sorgen. Ein Marktbesuch zeigt ein Stimmungsbild.

Meinerzhagen - Auf dem Otto-Fuchs-Platz ist an diesem sonnigen Herbstmorgen eine überschaubare Anzahl an Besuchern unterwegs. Das ist schon etwas länger so, berichtet eine Händlerin: „Wo kein Geld ist, kann auch nichts ausgegeben werden“, fügt sie hinzu. Die Sorgen der Kunden kann sie verstehen: „Corona hat den Weg geebnet. Und jetzt haben alle Angst vor dem, was noch auf uns zukommen wird.“ Eine Kundin stimmt ihr zu: „Wir Älteren sind Sparen gewohnt. Aber diese Zeit möchte keiner mehr zurückhaben.“ Für die jüngere Generation hat sie dennoch einen Tipp: „Es gibt tolle junge Menschen. Trotzdem denke ich mir, dass man einfach mal richtig kochen muss, wenn ich beobachte, was da bei Jüngeren manchmal an der Kasse im Supermarkt auf dem Band liegt. Wird richtig gekocht, sind die Portionen größer und alle werden satt.“

Dazu passt die Meinung, die Markthändler Tobias Syrek vertritt: „Man sollte auf Regionalität achten“, sagt er, dann sei der Einkauf auch nicht zwangsläufig teurer. Der Gemüsehändler macht das „Luxusproblem“ am Beispiel von Erdbeeren fest: „Müssen wir die aus dem Treibhaus haben, wenn die Gewächshäuser mit teurer Energie hochgefahren werden?“ Auch Syrek spürt die Verunsicherung seiner Kunden. Auch er hat eine Einsparmöglichkeit umgesetzt: Seinen Privatwagen habe er verkauft, erzählt der Marienheider: „Ich besitze zwei Transporter, die kann ich doch nutzen.“ Bedauerlich sei darüber hinaus eine weitere Veränderung: „Die Leichtigkeit ist verloren gegangen. Die Menschen schauen eher resigniert. Es wird einfach weniger gelacht“, so die traurige Erkenntnis.

Dass die Preise insbesondere beim Einkauf gestiegen sind, zeigt Petra Maurer nicht nur der Blick auf den Kassenzettel: „Ich rechne immer noch in D-Mark um, da sieht man die Steigerung ganz deutlich.“ Auch sie hat ein konkretes Beispiel: „Letzte Woche wollte ich Butterschmalz kaufen. Das kostete sechs Euro – zwölf Mark. Früher waren es vielleicht drei Mark, die bezahlt werden mussten.“ Die bitteren Folgen höherer Preise und Kosten zeigen sich auf dem Konto: „Früher hat das Geld einen Monat gereicht, jetzt ist es nach der dritten Woche weg.“

Dass die Kunden vorsichtiger geworden seien bei ihren Einkäufen, hat auch Martina Hinz festgestellt, die Käsespezialitäten an ihrem Stand anbietet. Beim Einkauf werde nach Angeboten geschaut: „Jeder muss ganz einfach sparen.“ Das zeige sich nicht nur beim Einkauf: „Wer weiß, wie lange man sich noch Urlaube leisten kann?“, überlegt die Händlerin, die jeden Tag hört, was ihre Kunden beschäftigt: „Die derzeitige Situation ist das Hauptgesprächsthema. Es deprimiert die Menschen, daher würden wir von uns aus nicht damit anfangen. Doch die Gespräche kommen immer wieder darauf zurück.“

Für Martina Hinz und ihren Ehemann Frank steht fest, dass es vor allem darum geht, dass vorhandene Ressourcen nicht ausgeschöpft werden dürfen. Es gebe einige Möglichkeiten der Einsparungen, „kürzer duschen zum Beispiel“. Energie soll am Markttag auch am Käsewagen gespart werden. Einige Spots hinter der Theke bleiben ausgeschaltet. „Man sieht uns doch auch so. Darauf können wir verzichten“, sagt Martina Hinz und berichtet von einem regelrechten Verkaufsschlager aus Dortmund, wo man ebenfalls auf dem Markt vertreten ist. „Nebenan werden Socken angeboten und hier gibt es einen Ansturm. Der Kollege hat berichtet, dass er noch nie so viele dicke Socken verkauft hat.“

Die Sorge vor einem kalten Winter ist groß. Frieren wolle sie auch nicht, sagt eine Marktbesucherin. Morgens drehe sie daher in ihrer Wohnung die Heizung an, „aber gleich mache ich sie wieder aus.“ Eine weitere Frau kann das nachvollziehen. Für Gas müsse die Familie künftig 300 Euro monatlich mehr zahlen. „Da bleibt einem nichts anderes übrig als sparsam zu sein.“

Wenn auch der „Sparzwang“ für die meisten größer geworden ist, das Bewusstsein für einen sparsamen Umgang mit den Ressourcen ist nicht erst seit der Energiekrise hervorgerufen worden. Sie sei grundsätzlich eher sparsam, berichtet eine Marktbesucherin. Dazu zähle es eben, das Licht nicht unnötig brennen zu lassen und Türen zu schließen, um Wärme nicht zu vergeuden: „Wir haben einen Garten, aus dem wir uns zum Teil selbst versorgen können, und einen Kachelofen.“ Das seien Vorteile, meint die Kundin. Eine weitere Frau ergänzt, dass in der Familie nur ein Auto genutzt werde. Auch wenn sie selbst schon länger nicht mehr in den Urlaub gereist sei, könne sie die Einstellung verstehen, dass nicht nur verzichtet werden könne: „Nichts mehr machen können und auf alles verzichten – das geht doch auch nicht, oder?“

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