Übertrieben hoher Strafbefehl vor Gericht

Meinerzhagen - 50 Tagessätze zu je 30 Euro und dazu ein dreimonatiges Fahrverbot. Das sah der Strafbefehl vor, der einem 25-jährigen Meinerzhagener zugestellt wurde. Sicher angemessen bei fahrlässiger Körperverletzung und Fahrerflucht. Doch vor allem die Fahrerflucht wollte der junge Mann nicht auf sich sitzen lassen. In der Folge fand ein Prozess vor dem Meinerzhagener Amtsgericht statt.

Von Johannes Becker

Der 25-jährige hatte am 25. November des vergangenen Jahres in Lengelscheid gefeiert. Zurück hatte er dann einen für den allgemeinen Verkehr gesperrten Weg nach Baberg benutzt. Gegen 21.15 Uhr war dort aber auch ein 56-jähriger Spaziergänger mit seinen beiden Hunden unterwegs.

Dieser erinnert sich bei seiner Aussage vor Gericht, dass sich ein Fahrzeug mit großer Geschwindigkeit genähert habe. Er habe dann seine Hunde in die Böschung gedrängt und sei selbst ganz an den Rand des Weges getreten. Doch trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen sei er von dem Außenspiegel des Wagens an der Hand getroffen und verletzt worden. Die Stauchung musste gar mit einer Gipsschiene versorgt werden.

Der Fahrer hingegen schildert, dass er ausgewichen sei und den Fußgänger nicht berührt haben könne. Außerdem sei er sofort zur Unfallstelle zurückgekehrt, als er per Handy darüber informiert wurde, dass er für die Verletzungen des 56-Jährigen verantwortlich sei. Dieser hatte nämlich den nächsten Wagen auf dem Weg angehalten. Wie es der Zufall wollte, war das der Vater des Angeklagten. Und als dieser von dem Verletzten das Kennzeichen des Verursachers mitgeteilt bekommt, greift er sofort zum Mobiltelefon und beordert den Filius zurück.

Nach dem Anhören der beiden Schilderungen sehen Staatsanwältin und Richter den Strafbefehl ebenfalls für übertrieben – vor allem das dort verhängte dreimonatige Fahrverbot. Doch ganz ohne Strafe wollen sie den jungen Mann nicht davonkommen lassen, denn an der Berührung mit dem Außenspiegel haben sie keinen Zweifel. Allerdings daran, dass der junge Mann das zwingend bemerkt haben müsste.

Letztlich wird das Verfahren gegen die Zahlung von 900 Euro eingestellt. Das ist genau die Summe, der der Auszubildende im Monat netto verdient.

Rubriklistenbild: © dpa

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