Überprüfung des Kanalnetzes

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Spülfahrzeug und Kamerawagen waren dieser Tage in Valbert Am Sonnenhang im Einsatz. ▪

VALBERT ▪ Wer derzeit durch Valbert geht oder fährt, sieht sie in nahezu allen Straßen herumstehen: Einen kleinen, blauen Kastenwagen und seinen, in grellem Orange leuchtenden, großen „Bruder“. Beide, von ihrer technischen Ausstattung her völlig unterschiedlichen Fahrzeuge, dienen dennoch einem gemeinsamen Zweck: Der Überprüfung des öffentlichen Kanalnetzes.

Mit Hilfe der technischen Ausrüstung des dreiachsigen Pump-, Saug- und Spülfahrzeuges der Firma Treude aus Bad Berleburg, erhalten die Kanäle eine „Frühjahrsreinigung“. Bei der werden mit Hochdruck Laub, Streugranulat und andere kleinere Abfälle aus den Leitungen gespült und diese dadurch für einen ungehinderten Abfluss der nächsten Regenschauer vorbereitet.

Technik der anderen Art befindet sich im blauen Kastenwagen der Firma Pröpper aus Bad Fredeburg . Ein Computer und mehrere Monitore, verbunden mit einer fahrbaren „Rohr-Kamera“, ermöglichen es Thorsten Gerke im Untergrund nach Schäden im Kanalnetz zu suchen. Alles, was er dabei feststellt, wird im Rahmen einer Dokumentation in Text und Bild festgehalten. „Bislang habe ich nichts Dramatisches entdeckt, alles Routine“, so Thorsten Gerke.

„Wir haben für unsere Untersuchungen in Valbert keinen konkreten Anlass, sondern erfüllen unsere Verpflichtung nach der SüwV - Kan“, erläutert Michael Deppe vom Tiefbauamt der Stadt Meinerzhagen auf Nachfrage der MZ. Dabei weist er auch darauf hin, dass im gesamten Stadtgebiet weitere Kontrollen durchgeführt werden.

Die Verordnung zur Selbstüberwachung von Kanalisationen und Einleitungen von Abwasser im Mischsystem und im Trennsystem – von „Kennern“ der Materie kurz SüwV-Kan genannt, schreibt den Betreibern von Abwassernetzen deren regelmäßige Kontrolle und die kontinuierliche Protokollierung der festgestellten Zustände vor.

Gerade letztere Tatsache, kann im Falle eines defekten Kanals und den daraus möglicher Weise entstehenden Umweltschäden, äußerst wichtig bei der Beurteilung der Schuld- und Haftungsfrage sein.

Im Regelfall sind diese Untersuchungen alle zwei Jahre durchzuführen. Für Meinerzhagen und andere Kommunen bedeutet das im Klartext: Irgendwo fährt immer eine Kamera im Untergrund durch die Kanäle und inspiziert deren Zustand.

Im Hinblick auf das gesamte Kanalnetz müssen jährlich zehn Prozent der Leitungen kontrolliert werden, so dass rein rechnerisch nach zehn Jahren eine komplette Begutachtung erfolgt wäre.

Das die Kanalnetze trotz „millionenschwerer“ Investitionen der vergangenen Jahre einen erheblichen Sanierungsbedarf aufweisen, zeigen Berechnungen des „Kommunalen Netzwerks Grundstücksentwässerung – KomNetGEW “ auf.

In diesem Netzwerke haben sich eine Vielzahl von Kommunen zusammengeschlossen, um die neuen gesetzlichen Anforderungen gemeinsam besser und bürgerfreundlicher umzusetzen.

Von den insgesamt 87 591 Kilometern Abwasserkanälen in NRW befinden sich 50 982 Kilometer im Eigentum von kommunalen Betreibern. Rund 41 000 Kilometer davon sind bereits untersucht worden. Für die dabei festgestellten Schäden an etwa 12 000 Kilometern des Kanalnetzes, werden in den kommenden Jahren circa sechs Milliarden Euro an Sanierungskosten aufzubringen sein.

Nicht eingerechnet sind dabei die Kosten, die noch für andere Abwassereinrichtungen, wie Schachtbauwerke, Rückhaltebecken et cetera aufzubringen sind.

So sinnvoll und rechtlich notwendig der betriebene Aufwand auch sein mag, ist es müßig, sich die Frage zu stellen, wer letztendlich die Kosten dafür zahlt. ▪ jjh

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