Überfall in Meinerzhagen geht daneben

Räuber waren scharf auf Marihuana

Wegen eines „versuchten“ schweren Raubes muss sich ein 22-jähriger Meinerzhagener im Amtsgericht Lüdenscheid verantworten.
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Wegen eines „versuchten“ schweren Raubes muss sich ein 22-jähriger Meinerzhagener im Amtsgericht Lüdenscheid verantworten.

Wegen eines „versuchten schweren Raubes“ muss sich ein 22-jähriger Meinerzhagener im Amtsgericht Lüdenscheid verantworten. Gemeinsam mit einem unbekannten Mittäter, dessen Namen er zum Auftakt des Prozesses nicht nennen wollte, startete er in der Nacht zum 27. Juli 2020 in Meinerzhagen eine Aktion, die völlig danebenging und geschockte Zeugen zurückließ.

Meinerzhagen – Die beiden Täter traten in den frühen Morgenstunden eine Terrassentür ein, die direkt in das Schlafgemach eines Pärchens führte. Die beiden hatten bis zu diesem Zeitpunkt tief und fest geschlafen und realisierten nun, dass sie es mitten in der Nacht mit zwei maskierten Räubern zu tun hatten. „Ich habe gar nicht wahrgenommen, dass er eine Pistole in der Hand hatte“, erklärte der Überfallene (35) im Amtsgericht. So erklärte sich seine heftige Gegenwehr, in deren Verlauf er den 22-Jährigen in den Schwitzkasten nahm.

Überfallener erkennt in Täter einen alten Bekannten

Getroffen von einem Stuhl und einem Gartentisch, mit dem der zweite Täter ihn bewarf, ließ er den so Gegriffenen aber schließlich los. Die Rangelei reichte aber aus, um dem Angeklagten die Maske vom Gesicht zu reißen und ihn als einen alten Bekannten wiederzuerkennen.

Schreckschusspistole verloren

Außerdem verlor er bei der Rangelei ein Handy, Ohrstecker und seine vermutlich ungeladene Schreckschusspistole. Kurz darauf sollen die beiden Täter auf der Suche nach ihren Brocken noch einmal wiedergekommen sein. Völlig unterschiedliche Darstellungen gab es darüber, wie die beiden Überfallenen die Täter im weiteren Verlauf vertrieben hatten. Er habe mehrere Schüsse aus einer Softairpistole abbekommen, behauptete der Angeklagte. „Hoffentlich haben wir sie erwischt“, soll die 35-jährige Freundin des Wohnungsinhabers noch gerufen haben.

Die beiden Überfallenen bestritten hingegen, auch nur einen Schuss abgegeben zu haben. Ein Nachbar gab mal den einen, mal den anderen Recht: Bei seiner polizeilichen Vernehmung wollte er noch gehört haben, wie ein ganzes Magazin dieser eher harmlosen Munition leergeschossen wurde. Vor Gericht behauptete er hingegen, keinen einzigen Schuss gehört zu haben.

Was wollten der Angeklagte und sein unbekannter Mittäter in jener Nacht? Der cannabis-abhängige 22-Jährige berichtete, dass alles mit ein paar Fotos begann: Diese zeigten offenbar Bilder einer kleinen Hanfplantage, die der Wohnungsinhaber in einem kleinen Vorratsraum betrieb – „Zelte mit Pflanzen“ und einige Gläser, die angeblich Marihuana enthielten. Stattliche anderthalb Kilo Hanf-Produkte hätten er und sein Mittäter sich als Beute erhofft, erklärte der Angeklagte. „Wir wollten ausschließlich Cannabis mitnehmen.“ Auch er wusste, dass die ganze Aktion „eine sehr blöde Idee“ war. Er berichtete vom Ende seines Drogenkonsums nach dem Schreck jener Nacht, von Entgiftung und Bemühungen um eine Entzugstherapie.

Scheitern erspart Haftstrafe

Richter Andreas Lyra machte dem Angeklagten deutlich, dass gerade das grandiose Scheitern der ganzen Aktion dem 22-Jährigen eine lange Haftstrafe ersparen könnte: Der schwere Raub mit einer scharfen Waffe hätte mindestens fünf Jahre gekostet. Doch er war im Versuchsstadium stecken geblieben, und die eingesetzte Waffe war nicht geladen. „Nach Aktenlage hatten Sie mehr Glück als Verstand!“

Unangenehm könnte die Geschichte auch für den überfallenen Wohnungsinhaber werden: Die Polizei stellte die Softairpistole und die kleine Marihuana-Plantage in seiner Abstellkammer sicher und erstattete Anzeige wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Anbaus von Betäubungsmitteln.

Am kommenden Freitag, 12. März, soll noch ein weiterer Zeuge gehört werden, bevor das Schöffengericht das Urteil gegen den verhinderten Räuber anschließend verkündet.

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