Savas Sahin drückt Deutschland die Daumen

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In der Teestube drücken alle Besucher Deutschland fest die Daumen – auch Savas Sahin (Dritter von rechts). Nur Drazen Ritter (links) glaubt nach dem Ausscheiden seiner Kroaten an einen Turniersieger, der „zu 100 Prozent eine Überraschung ist“.

Meinerzhagen -  Die Stimmungslage in der türkischen Teestube an der Teichstraße ist eindeutig: „Nach 24 Jahren muss der Weltpokal endlich wieder nach Deutschland, in unser zweites Heimatland“, meint Münür Kursunlu. Und Lokal-Besitzer Cemal Karaman fügt hinzu: „Das ist für uns doch normal. Wir beten dafür, dass der Pokal nach Deutschland kommt.“

Von Jürgen Beil

Die hier versammelten Meinerzhagener, ob mit oder ohne deutschen Pass, sind sich jedenfalls einig: „Wenn Deutschland den Pokal holt, tröstet das auch darüber hinweg, dass die Türkei in Brasilien nicht dabei ist.“

„Zu wem ich bei der Fußball-WM halte? Keine Frage. Zu Deutschland natürlich.“ Savas Sahin, Vater des Meinerzhagener Fußballprofis Nuri Sahin von Borussia Dortmund, macht keinen Hehl daraus, wem bei dem Mega-Turnier in Brasilien seine Sympathien gehören. Und damit liegt er auch in der Teestube im Trend.

Seit 36 Jahren lebt der 50-jährige Sahin in Deutschland, zurzeit verfolgt er viele Begegnungen der WM vor dem Fernseher in Meinerzhagen. Gast im Elternhaus ist dabei manchmal auch Sohn Nuri, der das Turnier nicht selbst spielen kann, weil sich die türkische Nationalmannschaft – zu der er gehört – nicht qualifiziert hat. Auch der Mittelfeldspieler der Borussia schaut aber noch genauer hin, wenn Deutschland spielt. Denn: Einige seiner Mannschaftskollegen sind im Aufgebot von Jogi Löw. Und regelmäßig steht Mats Hummels in der Anfangself. „Einmal hat Mats einen kleinen Fehler gemacht. Da hat Nuri so mitgelitten, als ob ihm dieser Ausrutscher selbst passiert wäre. Und gerade das ist die Stärke der deutschen Nationalmannschaft und auch von Borussia Dortmund. Der Zusammenhalt und die mannschaftliche Geschlossenheit“, meint Savas Sahin. Sohn Nuri selbst, fügt der 50-Jährige an, sei sicherlich auch selbst als Zuschauer in Brasilien dabei, wenn er sich nicht bereits jetzt intensiv auf die kommende Bundesliga-Saison vorbereiten müsste.

Daumen drücken für die deutsche Mannschaft ist gut, doch wer wird am Ende das Rennen um die bedeutendste Fußballkrone der Welt machen? Auch hier ist Savas Sahin recht sicher: „Deutschland. Zu 95 Prozent glaube ich daran, dass diesmal der Titel herausspringt. Und wenn Deutschland das packt, dann feiern wir alle zusammen und ich fahre zum Flughafen nach Frankfurt, um das Team zu empfangen“, ist bei ihm bereits eine gewisse Vorfreude zu spüren. Dass sich die Europäer allerdings mit der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit schwer tun, das hat Savas Sahin bereits beobachtet: „Im dritten Gruppenspiel sind viele schon fix und fertig. Und hinsichtlich der übernächsten WM im Wüstenstaat Katar schwant ihm deshalb nichts Gutes: „Das in Brasilien ist schon einmal ein kleiner Vorgeschmack.“ Nuri Sahin selbst hofft dann, mit der Türkei dabei zu sein. Bis dahin heißt es aber „fit halten“. „Urlaub ist deshalb für ihn auch in der Sommerpause kein Thema. Heute ist er hier im Wald noch gelaufen, danach geht es gleich weiter zum Flugzeug in die Türkei, wo er sich weiter fit halten wird“, erläuterte Vater Savas. Manchmal besucht er auch den Radeberger Treff. Inhaber Drazen Ritter hat kroatische Wurzeln und drückte dieser Mannschaft auch bis zum Ausscheiden die Daumen. Er setzt den Deutschland-Fans eine gewagte Prognose entgegen: „Weltmeister wird eine Mannschaft, mit der noch keiner rechnet.“

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