Ersatzfreiheitsstrafe für Geldstrafe

Nach Trunkenheitsfahrt: 62-Jähriger geht lieber ins Gefängnis als zu zahlen

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Ein 62-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht Meinerzhagen verantworten.

Meinerzhagen – Stolze 2,75 Promille Alkohol hatte ein 62-Jähriger im Blut, als er am 10. Juli vergangenen Jahres mit seinem Roller auf dem McDonalds-Parkplatz in Meinerzhagen beobachtet wurde.

Eine Frau berichtete der Polizei später, der Mann sei mit dem Roller gefahren. Beim Eintreffen der Beamten lag das Gefährt auf dem Parkplatz – vom Fahrer zunächst keine Spur. Sie hätten direkt eine Nahbereichsfahndung durchgeführt, erklärte einer der Polizisten im Amtsgericht Meinerzhagen.

Dort war er als Zeuge zum Prozess gegen den Rollerfahrer geladen. Dieser musste sich wegen fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr und wegen Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz verantworten. An seinem Roller befand sich zur Tatzeit nämlich das Kennzeichen des Vorjahres.

"Ich bin nicht stolz darauf"

Die Nahbereichsfahndung war von Erfolg gekrönt. Zunächst hatte der Angeklagte damals behauptet, den Roller geschoben zu haben. Auf der Polizeiwache dann die Wendung: Er gab zu, gefahren zu sein. Und auch, dass das Kennzeichen alt war, räumte er ein. Im Gericht konnte sich der Meinerzhagener nicht mehr an den Vorfall erinnern.

Er stellte sich dem Vorwurf aber auch nicht entgegen. „Ich bin nicht stolz darauf, dass ich hier sitze. Es ist mir unverständlich, dass ich mich nicht daran erinnere“, sagte der Angeklagte. Dreimal war er in der Vergangenheit bereits wegen Trunkenheitsfahrten verurteilt worden.

„Kann es sein, dass Sie ein Problem mit Alkohol haben“, wurde der Richter direkt. „Nicht mehr“, erwiderte der 62-Jährige. Er habe freiwillig eine Therapie gemacht. Seit dem 2. Januar sei er trocken. Derzeit sitze er eine Ersatzfreiheitsstrafe für eine Geldstrafe ab. 

Verminderte Schuldfähigkeit

Ende Februar stehe eine zweite an. Zwar könnte er die 60 Tagessätze bezahlen, er wollte aber lieber ins Gefängnis gehen: „Ich habe gemerkt, dass es mir gut tut. Ich will mich selbst testen, ob ich ein Alkoholproblem habe.“ 

Er wolle unbedingt etwas an seinem Leben ändern. Er habe festgestellt, dass sich Alkoholkonsum auf sein Umfeld auswirke. „Ich bin aggressiv geworden“, erläuterte der Mann. 

90 Tagessätze zu 15 Euro und damit 1350 Euro Geldstrafe sah der Richter letztlich als angemessene Strafe an. Zudem verhängte er eine Sperre zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis von 18 Monaten und ein dreimonatiges Fahrverbot. Letzteres gilt für sämtliche motorisierte Fahrzeuge, auch für Roller. Aufgrund des Promillewertes ging der Vorsitzende von verminderter Schuldfähigkeit aus.

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