Trotz Ahlhaus-Abschied: Gemeinde blickt nach vorn

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Pfarrer Martin Ahlhaus wurde in Rönsahl verabschiedet. ▪

RÖNSAHL ▪ Deutlich sichtbarer und in bewegenden Worten zum Ausdruck gebrachter Abschiedsschmerz sowie tiefer, von Herzen kommender Dank für 25 Jahre in vorbildlicher Weise geleistete Arbeit in seiner Gemeinde waren das eine. Verhaltener Optimismus und der spürbar zum Ausdruck gebrachte Wille, auch in schwieriger Lage den Blick nach vorne zu richten und eben das Beste aus den gegebenen Möglichkeiten zu machen, das andere.

Dass nämlich in jedem Ende einer Ära, mag sie noch so erfolgreich gewesen sein, auch die Chance zum kraftvollen Neuanfang liegt, das wurde den vielen Gästen beim feierlichen Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrer Martin Ahlhaus bewusst.

Freilich wollten zahlreiche Rönsahler diesem Anlass am Sonntag nicht fernbleiben. Kein Platz war in der Servatiuskirche mehr frei. Entsprechend sehr gut besucht war auch der spätere Empfang im Gemeindehaus.

Pastor Martin Ahlhaus wurde mit Wirkung vom 1. November in die Leitung der Regionalpfarrstelle des Amtes für Mission, Ökumene und Kirchliche Weltverantwortung (MÖWe) in den südwestfälischen Kirchenkreisen Iserlohn, Lüdenscheid-Plettenberg, Siegen und Wittgenstein berufen (wir berichteten). Aus diesem Grund legt er sein Amt als Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Rönsahl sowie die ihm übertragenen Aufgaben im diakonischen Bereich nieder.

Kein Geringerer als Superintendent Klaus Majoress, der während des Gottesdienstes in der Servatiuskirche die so genannte „Entpflichtung“ – gleichbedeutend mit der Entbindung Ahlhaus’ von seinen bisherigen Aufgaben in Gemeinde und Diakonie – vornahm, sprach der Gemeinde Mut für die Zukunft zu. Gern vernahm diese die Botschaft, dass auch bei allen bestehenden Schwierigkeiten die weitere Selbstständigkeit der seit mehr als 450 Jahren eigenständigen evangelischen Kirchengemeinde Rönsahl nicht infrage gestellt sei. Auch sei mit Pastor Martin Spindler, der Gemeinde bereits aus voraufgegangener Tätigkeit bekannt, eine Vertretung für die nun vakante Pfarrstelle vorläufig ebenso gesichert wie auch der normale Ablauf des kirchlichen Tagesgeschäftes. Allerdings bereite die Frage der Finanzierbarkeit erhebliches Kopfzerbrechen. Majoress verwies auf eine für Anfang 2012 anberaumte Gemeindeversammlung zum gesamten Fragenkomplex.

In seiner Laudatio würdigte der Superintendent die vielschichtigen Verdienste, die sich Pfarrer Martin Ahlhaus während seiner 25-jährigen Dienstzeit in Rönsahl um Aufbau und Pflege der Gemeinde und ihrer Strukturen, um Kirche, Gemeinschaft in Dorf, Stadt und Diakonie erworben habe. Er habe Ahlhaus „als einen aufrichtigen und verbindlichen Pastor erlebt, der den Dingen mit einem hohen Maß an innerer Beteiligung und der Überzeugungskraft, die aus gelebtem Glauben erwächst und der Verkündigung von Glauben, Hoffen und Nächstenliebe ein eindrucksvolles Profil gegeben hat“, betonte Majoress.

In herzlichen Worten kam der Superintendent dabei auf etliche Details, wie den Bau des Gemeindezentrums, auch das in die Tat umgesetzte Bemühen darum, dass „Kirche auf allen Ebenen ihre Qualität behält“, zu sprechen. Mit Engagement und Fachwissen, stets offenen Ohren für Sorgen und Anliegen seiner Mitmenschen, denen er oftmals sehr persönlich zur Seite gestanden habe, gepaart mit Einsatz, Zuverlässigkeit und theologischer Kompetenz, so Majoress weiter, habe Ahlhaus Gemeinde gebaut – und für all das gebühre ihm großer und aufrichtiger Dank.

Zuvor hatte der scheidende Seelsorger in einer humorvollen und an Luthers Empfehlung „Tritt frisch auf, tu’s Maul auf, hör’ bald auf“ sowie an Römer 10 angelehnten Predigt zum letzten Mal als verantwortlicher Pfarrer in Rönsahl das Wort ergriffen. Umrahmt wurde der Gottesdienst, der mit „Standing Ovations“ der Gemeinde als Ausdruck großen Dankes in Richtung des scheidenden Pfarrers ausklang, vom Kirchen- und Posaunenchor.

Beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus nutzten viele Repräsentanten aus Kirche und Politik die Gelegenheit zu einem Dank an Martin Ahlhaus. So dankte Pastor Gregor Myrda für die katholische Gemeinde für gutes Miteinander auf dem Weg der Ökumene. Pastor Reiner Fröhlich für die Kiersper Schwestergemeinde und Pfarrer Thomas Ruffler für die Gemeinde in Klaswipper sprachen die bestehende gute Nachbarschaft an. Kierspes Stadtoberhaupt Frank Emde und Rönsahls Ortsbürgermeister Horst Becker sahen viele Berührungspunkte von Kommunalpolitik und kirchlichen Belangen. Und mehrere Sprecher aus gemeindlichen Gruppierungen nutzten die Gelegenheit, sich mit herzlichen Worten und passenden Geschenken bei Martin Ahlhaus zu bedanken und ihm zahlreiche gute Wünsche mit auf den weiteren Weg zu geben.

Rainer Crummenerl

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