Trödelmarkt unter Corona-Auflagen

Die Angst der Markthändler vor der zweiten Welle

+
„Mein Tag beginnt morgens um fünf“: Muammer Yilmaz bietet Neuware auf Märkten an. Er muss – ebenso wie seine Kollegen – natürlich eine Maske tragen.

Meinerzhagen – „Beim nächsten Lockdown können wir den Laden zumachen.“ Thomas Voss ist Leiter des Trödelmarkts, der am  Sonntag auf dem Hit-Parkplatz stattfand. Drei Monate lang musste er schon eine Corona-Zwangspause einlegen – er weiß, was weitere Monate Stillstand bedeuten würden.

„Wir müssen eigentlich in den Sommermonaten für den Winter vorsorgen, weil dann fast keine Veranstaltungen stattfinden“, erklärt er. Derzeit werden die Märkte nur von Woche zu Woche geplant, denn „es kann ja jeden Tag wieder einen Knall geben, und alles wird wieder dichtgemacht“.

Um auf dem Hit-Parkplatz das Trödeln zu ermöglichen, mussten einige Auflagen umgesetzt werden: „Es gibt eine Maskenpflicht, Hygienestationen und ein Wegekonzept. Das musste zuvor beim Gesundheits- und beim Ordnungsamt eingereicht werden“. Dadurch entstehen weitere Kosten. „Wir brauchen zusätzliche Ordner, die auf die Einhaltung achten, Desinfektionsmittel und Spender müssen gekauft und Hinweisschilder gedruckt werden“, zählt Voss auf. Auch die Händler müssen sich den neuen Gegebenheiten anpassen. „Die Kunden sind noch sehr bedeckt und trauen sich anscheinend noch nicht so raus“, hat Christian Karczewski bemerkt. Er verkauft hin und wieder Trödel, der sich im Laufe der Zeit ansammelt. Die Maskenpflicht mache einiges schwieriger. „Man muss sich anders artikulieren, wenn das Gesicht verdeckt ist. Ich erkenne meine Bekannten manchmal gar nicht unter den Masken.“ Die Verkaufsschlager an seinem Stand sind Bücher und Puzzles. „Wahrscheinlich, weil die Leute schon mal für die zweite Welle vorsorgen“, mutmaßt er. 

Sachen für den Garten gesucht

Petra Möllenberg ist das Tragen einer Maske gewöhnt. „Ich bin Krankenschwester, und mein Mann ist Arzt“, verrät die Besucherin. „Die Masken schützen nicht wirklich, können das aber zumindest etwas eindämmen.“ Sie war auf der Suche nach alten Sachen, die sie für ihren Garten nutzen kann. Gefunden hatte sie bis dahin nur Kabelbinder. Der wird für das Spielgerät der kleinen Juleen benutzt, die sie heute begleitet. „Sonst gehe ich gerne mit meiner Freundin zum Trödel. Vier Augen sehen ja mehr als zwei. Sie kann auch sehr gut handelt“, lächelt die Meinerzhagenerin. 

Muammer Yilmaz ist einer der gewerblichen Verkäufer auf dem Markt. Sein Tag beginnt morgens um fünf. „Dann stehen wir auf und machen uns auf den Weg. Auf dem Markt wird alles ausgeladen und aufgebaut, nach Marktende müssen wir alles wieder verstauen und machen uns auf den Rückweg.“ Momentan wird Muammer von seiner Frau Ayse begleitet, die durch die Corona-Pandemie ihren Job verloren hat. „Damit mein Mann nicht so alleine ist“, sagt sie. Die beiden wissen, wie ein langer Markttag gut überstanden werden kann: „Bei dieser Hitze ist es wichtig, dass man Schatten hat. Wir haben immer unser Zelt dabei“, erklärt Ayse. Aber auch für die kalten Markttage sind sie gerüstet: „Man braucht dann die passenden Schuhe und am besten einen Schneeanzug. Man erkältet sich sonst schnell.“

Kein Wetter für die Blumen

Auch Alois Müller hat an seinem Blumenstand so seine Tricks für die tropischen Temperaturen. „Das Wetter ist tödlich – auch für die Blumen“, stöhnt er und verrät: „Lauwarmes Mineralwasser hilft. Von kaltem Wasser bekommt man nur noch mehr Durst.“ Ihm habe der Lockdown Einbußen von fast 50 Prozent beschert. „Ich hoffe, alle halten sich an die Spielregeln, damit es keine zweite Welle gibt. Bei der ersten Welle mussten schon Millionen Blumen vernichtet werden, weil sie nicht mehr verkauft werden konnten.“ Meistens steht er mit seinem Blumenstand auf holländischen Märkten, denn „da gibt es keine Maskenpflicht“. 

Einen Familienausflug zum Trödelmarkt haben Ann-Kathrin Halbfas und ihre Kinder Louis und Lias mit Jannis Alberts gemacht. „Wir gehen gerne auf solche Märkte und sehen uns mal um“, sagt Ann-Kathrin. Auch für die Kinder sei das eine schöne Abwechslung. Louis sucht hier nach Spielzeug, Jannis hält nach anderen Dingen Ausschau: „Ich brauche noch etwas Werkzeug.“

Mit einem Eis kühlt sich Marietta Wede ab. Die Hobby-Händlerin findet es nicht nur wegen der Temperaturen anstrengender als sonst. „Der Spaß-Faktor fehlt. Es ist alles etwas ernster, nicht nur auf den Märkten“. Sie arbeitet im Einzelhandel und bemerkt die etwas angespanntere Lage auch dort, hat aber auch ein Rezept dagegen. „Ich begegne den Leuten immer fröhlich und führe gerne gute Gespräche“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare