Ebbemoore: Jetzt hilft nur noch ein Regentanz

+
Die Ebbemoore bilden einen besonders schützenswerten Naturraum. Sie sind in ihrer Existenz bedroht.

Meinerzhagen - Mit einem mulmigen Gefühl wird Biologe Klaus Kraatz am vergangenen Montag seine jüngste Kontrollfahrt durch einige Ebbemoore angetreten haben. Und seine Befürchtungen bestätigten sich: Der Wassermangel dauert an.

Wenn sich dieser Trend aus den vergangenen beiden Jahren fortsetzt, könnten die Ebbemoore sogar ganz verschwinden.

Wird Klaus Kraatz auf die dramatische Lage angesprochen, reagiert er inzwischen mit Galgenhumor: „Wir belegen zurzeit alle einen Kursus ,Regentanz’.“ Doch das Lächeln verging ihm spätestens am Montag, als für den Mitarbeiter des Märkischen Kreises wieder eine Kontrollfahrt im Ebbe auf dem Programm stand. Die führte ihn unter anderem in die Grundlose – die ihrem Namen momentan keine Ehre mehr macht – und in den Wolfsbruch auf der Nordhelle. Beide Moore sind, wie sechs weitere, mit Messtechnik bestückt. Und die liefert Beweise für die Austrocknung, die nicht zu ignorieren sind.

Klaus Kraatz erläutert, wie es um die Ebbemoore wirklich steht: „Die Pegel sind trockengefallen – selbst im Wolfsbruch. Und das war eigentlich immer das am besten mit Wasser versorgte Moor. Teilweise sind die Torfmoose an der Oberfläche irreparabel geschädigt. Die Trockenheit hinterlässt also deutliche Spuren.“ Die Diagnose ist niederschmetternd, könnte es sogar sein, dass die für das Ebbe landschafstypischen Moore ganz verschwinden? Möglich, aber nicht vorherzusagen, glaubt Kraatz. „Wie es in früheren Jahrhunderten war, können wir nicht nachvollziehen“, erläutert der Biologe, der deshalb auch nicht über Vergleichswerte aus zurückliegenden Trockenzeiten verfügt. 

Die Überwachungs-Aktivitäten hat der Fachmann auf jeden Fall noch einmal intensiviert: „Ich habe nun zu den Sonden im Boden zusätzlich Regenmesser aufgestellt“, erläutert Kraatz. Er hofft jetzt, dass es sich bei den beiden trockenen Jahren 2018 und 2019 um Ausrutscher handelt. Wenn sich dieser Trend verstetigt, seien die Folgen nicht absehbar, so der Biologe. Eingreifen kann er jedenfalls nicht. „Das muss die Natur nun selbst regeln“, hofft er auf baldige und andauernde Niederschläge. Starkregen ist dabei eher zu vernachlässigen, was dessen „heilende“ Wirkung für die Moore angeht: „Gefühlt hat es ja in den vergangenen Wochen durchaus geregnet, teilweise heftig. Allerdings sind diese Regenmengen kaum nachweisbar, was den Wasserstand im Moor angeht“, hat Kraatz festgestellt. 

Seine Bestandsaufnahme vom Montag fällt deshalb in jeder Hinsicht negativ aus: „Der in unseren Mooren bis zu einen Meter dicke Torfkörper ist trocken. Und wenn es so weitergeht, würde er ganz verschwinden.“ Wenn es so weit kommt, würden sich die einstigen Moore in eine ganz normale Waldfläche verwandeln. „Das Moor ist noch prägend für das Ebbe und hier wirklich typisch, auch wenn es sich um eher kleinere Flächen handelt. Aber momentan können wir wirklich von einer gravierenden Veränderung sprechen“, ist Kraatz sicher. 

Was die Zukunft bringt, kann Kraatz also nicht vorhersagen. Dass die heimischen Moore auf der Strecke bleiben, diese Befürchtung bleibt. Kraatz: „Die Moore leben hier vom sogenannten westlichen Steigungsregen, der eigentlich regelmäßig niedergeht. Wenn der künftig fehlt...“, spricht der Biologe den Satz nicht zu Ende.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare