Trockener Wald - "Es ist drei Sekunden vor Zwölf"

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Auch diese im Frühjahr gepflanzte Rotbuche zeigt Trockenschäden. Ob sie noch einmal austreibt, wird sich zeigen. 

Meinerzhagen - Endlich! Es hat geregnet, wenn auch in Millimetern Niederschlag gemessen noch nicht viel. Entwarnung für den ausgetrockneten Wald? Nein!

„Es ist nach wie vor drei Sekunden vor Zwölf“, meint Matthias Borgmann, Revierförster für den Bezirk Beckerhof des Landesbetriebes Wald und Holz.NRW. Borgmann will allerdings nicht klagen, wenn er einen Blick auf extreme Trockengebiete wie Mecklenburg-Vorpommern oder den Niederrhein wirft. „Dagegen sind wir im Sauerland trotz der monatelangen Dürre noch relativ gut dran!“, findet er bei einem Blick in den heimischen Wald. Und dennoch: Schäden sind auch im Ebbe und drumherum nicht wegzudiskutieren. Besonders betroffen sind die Frühjahrs-Anpflanzungen.

Stichwort „Mischwald“: „Wir sind bemüht, resistentere Bäume wie Douglasie, Weißtanne , Eiche und Buche anzupflanzen, um im Staatswald für die Zukunft gerüstet zu sein. Doch die vielen jungen Pflanzen, die wir im Frühjahr ausgebracht haben, zeigen inzwischen Reaktionen auf die Trockenheit. Die Blätter verfärben sich und werden stellenweise braun. Das bedeutet aber nicht, dass sie absterben oder bereits tot sind“, berichtet Borgmann. Und er beweist bei einem Ortstermin auch gleich, dass noch Leben in den meisten Pflänzchen ist: „Wenn man die Rinde mit dem Fingernagel etwas ankratzt, sieht man häufig, dass die Stämmchen noch grün sind. Aber jetzt muss endlich Wasser her“, weiß Borgmann. 

Damit meint er nicht den ein oder anderen Gewitterschauer, sondern „am besten einen mindestens dreitägigen Landregen – und das lieber heute als morgen“. Denn so Borgmann weiter, Starkregen würde erst einmal oberflächlich abfließen, weil die Böden ausgetrocknet und hart seien.

Am stärksten von der Trockenheit betroffen sind inzwischen die Rotbuchen, bei denen er auch mit Ausfällen rechnet. Borgmann: „Endgültig ist aber erst im nächsten Jahr zu sagen, welche Schäden das Wetter angerichtet hat. Die ein oder andere geschädigte Pflanze könnte im Frühjahr 2019 auch wieder austreiben.“ 

Zumindest für das Wild in den heimischen Wäldern kann Borgmann Entwarnung geben, auch wenn die Hitze noch einige Zeit anhalten würde: „Das Rehwild zum Beispiel hat keine Probleme damit, genügend Trinkwasser zu finden. Es bewegt sich ohnehin weniger. Und in der Natur sind immer noch wasserführende Bäche oder Tümpel zu finden. Die Tiere können das Wasser wittern.“ Fortpflanzung bei 35 Grad Celsius? Das kommt dem Rehwild in diesem Sommer allerdings wohl nicht in den Sinn. „Davon habe ich diesmal tagsüber überhaupt nichts mitbekommen. Die Tiere verlagern das offensichtlich in die kühlere Nacht“, stellt Matthias Borgmann fest.

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