Der letzte Akt des Trocken-Sommers: Landwirt muss Winterfutter zukaufen

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Der trockene Sommer verhinderte, dass auf den eigenen Wiesen genügend Futter für den Winter geerntet werden konnte.

Meinerzhagen - Noch vor gut einem Monat hatte Ortslandwirt Karl-Wilhelm Biewald die Hoffnung nicht aufgegeben. „Der letzte und noch ausstehende Grasschnitt könnte die Situation nach dem viel zu trockenen Hitze-Sommer noch entspannen“, sagte er damals.

Und heute? Vor zwei Tagen hat Biewald noch einmal auf seinen Wiesen nachgesehen – und er muss nun feststellen: „Das wird nichts.“ Trotzdem wird Biewald das letzte Gras des Jahres ernten, auch wenn es nicht viel bringt. Er muss damit in diesem Jahr zwei komplette Schnitte von bis zu fünf „Durchgängen“ abhaken. Was jetzt noch dazukommt, das sind keine Massen, das wird uns nicht retten“, konstatiert der Landwirt.

In Schwierigkeiten wird ihn die trostlose Lage auf den eigenen Wiesen aber nicht bringen, auch wenn der außergewöhnliche Sommer massive finanzielle Einbußen bedeute: „Erst kürzlich habe ich 105 Tonnen Mais-Silage bekommen. Das waren vier Lastwagen voll. Normalerweise haben wir genug eigenes Futter für den Winter. Das war diesmal nicht so.“

80 Milchkühe und 50 Stück Jungvieh stehen in Biewalds Ställen in der Grünenbecke. Einige dieser Tiere wird der Ortslandwirt vielleicht früher verkaufen, als geplant. Auch das eine Auswirkung der Trockenheit und der dadurch bedingten Missernte beim Gras. Und eventuell muss Biewald auch im Winter noch Futter nachkaufen. 

Wie und ob das dann funktioniert, weiß der heimische Landwirt noch nicht. Denn es gibt durchaus Unsicherheiten, was die Futtermittel betrifft. Biewald erläutert: „Ostdeutschland war von der Trockenheit besonders betroffen und viel stärker als wir hier. Ich habe gehört, dass viele ostdeutsche Landwirte noch kein Futter nachgekauft haben.“ Sollten diese Kollegen jetzt massiv auf den Markt drängen, könnte es durchaus sein, dass im Herbst und Winter die Preise für Futter weiter anziehen oder es sogar knapp wird. „Deshalb höre ich mich weiter um und lege mir, wenn sich die Gelegenheit ergibt, weitere Futterreserven zu“, plant Biewald.

Immerhin: Mit dem Milchpreis kann Karl-Wilhelm Biewald im Moment leben. „Knapp 40 Cent pro Liter bekommen wir augenblicklich. Das ist in Ordnung. Es gab schon Zeiten, in denen der Milchpreis bei weniger als 30 Cent pro Liter lag“, erinnert er sich. Jammern mag der Ortslandwirt ohnehin nicht, er sieht die außergewöhnliche Situation durch den Hitze-Sommer eher pragmatisch: „Daran werden wir nicht pleite gehen. Man muss sich halt in guten Jahren etwas zurücklegen, um über die Runden zu kommen, wenn es einmal nicht so gut läuft.“ 

Dass künftige Sommer allerdings in Sachen Grasernte nun regelmäßig so schlecht ausfallen wie dieser, das hofft Karl-Wilhelm Biewald nicht. Denn dann könnte es wirklich ans „Eingemachte“ gehen...

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