„Der Rotwildbestand ist zu groß“

Die Mitglieder der Rotwildhegegemeinschaft verfolgten mit Interesse den Vortrag der Diplom-Biologin zum Thema „Wisente im Rothaargebirge – ein Jahr nach der Freilassung.“

Valbert - Die Rotwildhegegemeinschaft Ebbegebirge hat Zuwachs bekommen: Mit dem Eigenjagdbezirk Fernhagen von Alhard Graf von dem Bussche-Kessell sowie dem Bezirk Belkenscheid sind zwei neue Mitglieder und eine Erweiterung des Bewirtschaftungsraumes zu verzeichnen. Der Vorsitzende, Forstdirektor Klaus Lomnitz, wartete bei der Jahreshauptversammlung im Rebliner Jagdhaus Weber mit der Erfolgsmeldung auf.

Von Erna Schmidt

Der Zuwachs beim Rotwildbestand, und hier insbesondere beim weiblichen Wild, zeitige inzwischen eine Ausdehnung der Wildart in der Fläche; es dränge über die Randgebiete hinaus. Ursächlich dafür sei, dass die vorgegebene Anzahl zu erlegender weiblicher Tiere seit Jahren nicht erreicht wird.

„Die Population wächst. Hier hinkt der Vollzug der Planung deutlich hinterher; der Bestand muss dringend abgesenkt werden“, mahnte der Rotwildsachverständige Matthias Borgmann. An den 17 ausgestellten Trophäen werde ein hoher Anteil sogenannter Spießer und mittelalter Hirsche am Gesamtbestand erkennbar. Aus wildbiologischer Sicht seien daher auch in dieser Altersklasse verstärkte Entnahmen sinnvoll, um die Entwicklung zukunftsträchtiger Hirsche zu begünstigen und diese alt werden zu lassen. Grobe Fehlabschüsse indes sollen auch künftig sanktioniert werden. Insgesamt wurden im Berichtszeitraum 62 von 73 freigegebenen „Individuen“ erlegt.

Das aktuell anvisierte Bejagungs-Soll entspricht dem des Vorjahres. Es gilt, dies mittels kurzzeitigen Intervalljagden und revierübergreifenden Bewegungsjagden im Herbst zu erfüllen. Daran beteiligen sollen sich auch entsprechend organisierte, angrenzende Jagdbezirke. „Im Vorjahr waren zwei solcher Reviere involviert; es könnten mehr sein“, gab Lomnitz in seinem Jahresbericht bekannt. Um das Zusammenwirken in der Hegegemeinschaft zu fördern, werde der Vorstand noch zu einem geselligen Pächtertreffen einladen.

Interessante Details in Sachen Wildtiermanagement erfuhren die Waidleute von Diplom-Biologin Coralie Herbst. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Tierärztlichen Hochschule Hannover begleitet das Auswilderungsprojekt der Wisente im Wittgensteiner Land. „Wisente im Rothaargebirge – ein Jahr nach der Freilassung“ titelte ihr Vortrag. In der historischen Betrachtung zeigte sich, dass der letzte freilebende Vertreter der Wildart, die einst, unterteilt in Flachland-, Berg- und Karpatenwisent, europaweit vorkam, 1927 erlegt wurde.

Trotz früher Schutzbemühungen zur Zeit der Feudaljagd überlebten nur 54 Tiere in Gehegen. Auf nur zwölf davon basiert der Genpool des heutigen Bestandes mit rund 5000 Tieren, wovon rund 60 Prozent, zumeist in Osteuropa, frei leben. Von der Machbarkeitsstudie über die Vorbereitungsphasen zur Auswilderung, die „Besenderung“ von Leitkuh und Bulle und die Methoden der Kontrolle erstreckte sich der Bericht. Auswirkungen auf Verkehr, Landwirtschaft, Forsten und die Jagd sowie Begegnungen mit Mensch und Hund werden in Datensätzen erfasst. Acht Tiere gingen 2013 zur Freilassung an den Start, darunter zwei Bullen. Einer davon überlebte den Kampf um die Rangordnung nicht. Inzwischen wurden dort zwei Bullenkälber in Freiheit geboren.

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