Mit 19 PS und 19 km/h nach Nordhorn

Björn Imig mit seiner Zugmaschine Hanomag Granit. Der „Schnellläufer“ bringt es auf 30 km/h – auch mit angehängtem Bauwagen. - Foto: Beil

Meinerzhagen - Zeit spielt keine Rolle. Der Weg ist das Ziel. Eindrücke sammeln, die Seele baumeln lassen. Was sich anhört wie Werbung für den Sauerländischen Gebirgsverein, ist die Lebensphilosophie von Frauen und Männern, die in ihrer Freizeit oft hinter dem Lenker tonnenschwerer Schlepper sitzen. Doch sie pflügen nicht und wenden auch kein Heu, sie nutzen die Trecker als „Reisemobile“.

Von Jürgen Beil

So auch zurzeit, denn am 9. und 10. August findet in Nordhorn der „22. Historische Feldtag“ statt, zu dem mehr als 7000 alte Schlepper erwartet werden. Deren Besitzer reisen aus dem ganzen Land an, mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von 25 km/h und über Hunderte von Kilometern. Mit von der Partie sind dann auch die Schlepperfreunde Ihnetal. Eine Gruppe um deren 1. Vorsitzenden Björn Imig aus Valbert und seinen „Vize“ Andreas Schulte aus Lüdenscheid machte sich am Dienstag auf die Reise ins etwa 220 Kilometer entfernte Nordhorn, um dort mit gleichgesinnten zu feiern und sich über das gemeinsame Hobby auszutauschen.

Nicht nur die beiden Vereinsfunktionäre sind in diesem Jahr in Nordhorn mit von der Partie, sie werden begleitet von Freunden und Familie. Andreas Schultes Eltern Arno und Adelheid sind beispielsweise dabei. Die beiden Herscheider vertreten den Verein „Schlepperfreunde Plettenberg“. Wohnen werden sie während der Tour in einem roten Wohnwagen aus dem Jahr 1974. „Der wurde noch in der DDR gebaut“, sagt Adelheid Schulte. Gezogen wird das „Schätzchen“ übrigens von einem Deutz D 25, der 1964 vom Band lief. Stolze 19 PS „katapultieren“ das Gespann auf eine Höchstgeschwindigkeit von 19 km/h. „Deshalb brauchen wir auch kein Bremslicht“, erklärt Arno Schulte, denn das sei erst ab ab Tempo 20 vorgeschrieben. Das ungewöhnliche Gespann lockte sogar schon das Fernsehen an. „Einmal waren wir damit an der Nordsee. Da hat der NDR einen Beitrag über uns gedreht“, erinnert sich Adelheid Schulte.

Wer glaubt, Trecker seien nur etwas für „ältere Semester“, der irrt. Der Gegenbeweis: Yasmin Imig, Tochter von Björn Imig und Enkelin von Hans Imig. Zusammen mit Papa und Opa ist sie ebenfalls in Nordhorn mit von der Partie – und das natürlich mit dem eigenen Gespann. Die 24-Jährige, die inzwischen in Dortmund wohnt, fährt einen Güldner D10 mit zwei Zylindern und 17 PS. „Wieso ich ausgerechnet dieses exotische Hobby habe? Natürlich weil ich durch meine Familie vorbelastet bin“, lacht die junge Frau. Neben der Technik begeistert sie aber auch die familiäre Atmosphäre bei den Treffen.

„Wir fahren mit Spaß und lassen im Konvoi immer etwa vier bis fünf Autolängen Abstand. Während der Tour stehen wir über Funk in Kontakt. So können die Vorausfahrenden den anderen Tipps geben. Und wenn wir eine Tour wie die nach Nordhorn unternehmen, ist eine gründliche Vorplanung nötig. Dann fahren wir die Strecke vorher mit dem Auto ab“, erklärt Björn Imig. Tankstellen müssen sich die Schlepperfreunde diesmal aber nicht in der Karte markieren. Denn: Vor der Abfahrt vom Lüdenscheider Treffpunkt an der Aral-Tankstelle Volmestraße/Talstraße tankten die Tourenfahrer noch einmal voll – im Schnitt etwa 65 Liter Diesel. „Das reicht locker bis nach Nordhorn“, erläuterte Björn Imig.

Über Meinerzhagen, Lüdenscheid und Hagen ging es am Dienstag nach Witten, wo in den eigenen Wohnwagen übernachtet wurde. Die zweite Etappe führte dann am Mittwoch über Dortmund, Olfen und Coesfeld nach Nordhorn. Dabei produzierte der Konvoi oft lange Staus auf den Landes- und Bundessstraßen. Ziehen sich die Sauerländer auf Reisen dadurch nicht häufig den Unmut der Auto- und Lastwagenfahrer zu? Björn Imig winkt ab: „Eigentlich nicht. Nur ganz wenige schimpfen oder zeigen beim Überholen den Stinkefinger. Die überwiegende Mehrheit winkt und freut sich über den Anblick, der ja auch wirklich nicht alltäglich ist.“

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