Weit weg von der Traumhochzeit

Trauung in der Pandemie: Der schönste Tag ist anders

Eheschließungen in Nordrhein-Westfalen
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Brautpaare erleben durch Corona viele Einschränkungen, so etwa bei den kirchlichen Trauungen.

Es soll der schönste Tag im Leben werden, doch Brautpaare, die in diesem Jahr – während Corona den Lebensrhythmus bestimmt – heiraten möchten, beschäftigt nicht (nur) die Frage nach dem schönsten Kleid, der Farbe des Braustraußes oder dem Hochzeitsmenü.

Meinerzhagen - Die große Unsicherheit ist: Kann die kirchliche Hochzeit überhaupt stattfinden? „Viele Brautpaare sind zurückhaltend“, weiß auch Pfarrer Klaus Kemper-Kohlhase. Kirchliche Trauungen könnten in seiner Gemeinde derzeit nicht durchgeführt werden. „Derzeit finden keine Präsenzgottesdienste statt. Entsprechend sind auch keine Trauungen möglich.“ Geplant seien in der evangelischen Gemeinde im April aber ohnehin keine.

Augenblicklich seien die Infektionszahlen zu hoch, Klaus Kemper-Kohlhase hofft jedoch, dass sich die Situation im Sommer und Spätsommer entspannt. Die Sommermonate seien generell eher die Zeiten, in der kirchlich geheiratet würde. „In welchem Rahmen das dann möglich sein wird, muss man abwarten.“

Ein Fest, dass von den eigenen Vorstellungen abweicht

Mit den kirchlichen Trauungen sei in der Regel auch meist ein größeres Fest verbunden. „Manche heiraten mit 20, andere mit 150 Gästen“, weiß der Pfarrer. Größere Feiern – derzeit undenkbar, und aktuell auch verboten. Die Frage, welche Einschränkungen es noch im Sommer geben wird, beschäftige die Paare natürlich, sagt Kemper-Kohlhase. Die meisten wüssten, dass ein Fest vermutlich nicht den eigentlichen Wünschen und Vorstellungen entsprechen können wird. Manche Paare, die bereits im vergangenen Jahr standesamtlich getraut worden seien, hätten die kirchliche Hochzeit auf dieses Jahr verschoben. Sie erleben nun, dass sich die Pandemie-Situation nicht gravierend geändert hat.

Während manche Brautpaare bezüglich der kirchlichen Trauung noch abwarten möchten, stehe die Entscheidung hinsichtlich der standesamtlichen Zeremonie meist fest: „Die soll auf jeden Fall stattfinden.“ Doch auch im Standesamt ist der Ablauf der Trauungen von Corona bestimmt.

Standesamt weist auf besondere Regeln hin

Erst vor Kurzem hatte eine Trauung in Werdohl für Aufregung gesorgt, weil mehr als 50 Gratulanten draußen auf die Frischvermählten warteten. Wie sieht es in Meinerzhagen aus? „Bei der Anmeldung der Eheschließung wird das Brautpaar auf die geltenden Vorschriften der Coronaschutzverordnung hingewiesen“, erklärt die Meinerzhagener Standesbeamtin Yvonne Rautenberg. Insbesondere richten sie und ihre Kolleginnen und Kollegen die Bitte an die heiratswilligen Paare, bei Gratulationen vor dem Standesamt auf die Einhaltung der Abstandsregelungen und Maskenpflicht zu achten. „Bisher verhielten sich die Brautleute und Gäste vorschriftsmäßig“, lautet das Resümee.

Normalerweise ist im Trauzimmer Platz für mehrere Gäste. Trauzeugen, Eltern, Verwandte oder Freunde können den besonderen Moment miterleben. Zurzeit dürfen sich allerdings insgesamt nur sieben Personen im Trauzimmer aufhalten – ein kleinster Kreis.

Die Personenzahl, die sich draußen vor dem Standesamt aufhalte, lasse sich pauschal nicht einschränken. Gemäß der aktuellen Verordnung dürfe der Mindestabstand zwischen nahen Angehörigen bei standesamtlichen Trauungen sowie Zusammenkünften unmittelbar vor dem Ort der Trauung unterschritten werden. Eine Beobachtung des Geschehens durch die örtliche Ordnungsbehörde sei aufgrund der örtlichen Gegebenheiten jederzeit gewährleistet.

Sollte der Verdacht bestehen, dass ein Verstoß gegen Regelungen zu erwarten ist, werden entsprechende Maßnahmen getroffen.

Yvonne Rautenberg, Standesbeamtin

„Sollte der Verdacht bestehen, dass ein Verstoß gegen Regelungen zu erwarten ist, werden entsprechende Maßnahmen getroffen.“ Nicht nur im Standesamt an der Bahnhofstraße, sondern auch in unmittelbarer Nähe, in der Villa im Park, können standesamtliche Trauungen vollzogen werden. „Zurzeit finden Trauungen aufgrund der Begrenzung der Teilnehmerzahl aber vorwiegend im Trauzimmer des Rathauses statt“, so Yvonne Rautenberg.

Und wie gehen die Hauptpersonen mit der derzeitigen Situation um? Gibt es Verunsicherungen? Oder sogar Absagen? „Die Paare möchten sich an die geltenden Vorschriften halten, aber dennoch ihre Traumhochzeit verwirklichen“, so die Erfahrung der Standesbeamtin. Die Problematik liege hier nicht alleine an der standesamtlichen Trauung als solche, sondern vielmehr an den zurzeit nicht möglichen Feierlichkeiten im Anschluss, weiß sie und betont, dass sich Brautpaare jederzeit bei Fragen mit den Standesbeamten und den Mitarbeitern des Ordnungsamtes in Verbindung setzen können.

Die klassischen Hochzeitsmonate stehen noch bevor. „Dass Trauungen verschoben werden, kommt vor“, berichtet die Hochzeitsexpertin, die im Kalender eine Reihe von Trauungsterminen notiert hat. Die komplette Absage einer Hochzeit sei bisher noch nicht erfolgt. Den schönsten Tag soll es geben – auch wenn er etwas anders sein wird.

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