Was geht, was nicht? Die Unterschiede beim Ja-Wort

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Eheringe gehören für viele dazu.

Meinerzhagen – Zu einer Traumhochzeit gehört für viele junge Menschen seit einigen Jahren wieder die kirchliche Trauung. Das belegt eine Statistik des Bistums Essen.

Vor dem Gesetz sind alle gleich. Doch wenn es nicht bei einer standesamtlichen Hochzeit bleiben soll und das Paar sich in einem Gotteshaus trauen lassen möchte, gibt es einiges zu beachten – vor allem, wenn Braut und Bräutigam verschiedenen Konfessionen angehören. 

Welche Voraussetzungen gibt es? „Heiraten darf in der evangelischen Kirche an sich jeder, der getauft und konfirmiert ist. Die Konfirmation ist in der Regel auch eine Voraussetzung, in manchen Fällen gibt es jedoch je nach Gemeinde Ausnahmen“, sagt Superintendent Klaus Majoress. In der katholischen Kirche ist das ähnlich. „Die Firmung ist keine absolute Bedingung in Deutschland, Voraussetzung ist aber die Taufe“, sagt der ehemalige Kreisdechant und Pastor Johannes Broxtermann. Gehören beide dem christlichen Glauben, aber verschiedenen Konfessionen an (evangelisch, katholisch, freikirchlich oder orthodox), kann entweder eine ökumenische, katholische oder evangelische Hochzeit stattfinden. 

Was ist, wenn Braut und Bräutigam nicht derselben Religion angehören? Bei Christen ist eine kirchliche Trauung auch möglich, wenn die Braut oder der Bräutigam einer anderen Religion angehört, zum Beispiel dem Islam oder dem Hinduismus. Das gilt auch, wenn einer von ihnen nicht getauft oder aus der Kirche ausgetreten ist. Wie oft kommt das vor? Zwei bis drei Mal im Jahr komme es vor, dass ein Moslem im Kirchenkreis vor den Altar trete und gelegentlich auch, dass eine Person konfessionslos sei. „Die Mehrzahl sind aber klassische Trauungen, also evangelisch oder ökumenisch, allerdings auch nicht immer automatisch mit zwei Pfarrern“, erklärt der Superintendent. Johannes Broxtermann berichtet, er habe auch schon Menschen, die dem hinduistischen Glauben angehören, kirchlich getraut.

Wie ist es im Islam? Mehmet Soyhun ist Theologe bei Ditib, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion. Er erläutert, dass die Trauung im Islam eher ein sozialer denn religiöser Akt sei. Natürlich sei es aber so, dass ein Imam die Trauung vornehme. Das geschehe in der Moschee, oft aber bei den Eheleuten zuhause. „In der Regel sind dann auch mindestens zwei Zeugen nötig“, sagt Soyhun. Er erläutert, dass islamische Männer christliche oder jüdische Frauen heiraten dürfen. Islamischen Frauen sei allerdings nicht gestattet, Männer, die einer anderen Religion angehören, zu heiraten. Christliche Männer, die eine islamische Frau ehelichen, müssen also vorher konvertieren. „Das sollte allerdings dann auch aus Überzeugung geschehen“, sagt Soyhun. 

Wann ist eine zweite Hochzeit möglich? Im Islam ist es kein Problem, nach einer Scheidung noch einmal zu heiraten, erklärt Mehmet Soyhun. Es sei erlaubt, aber bei Gott nicht gern gesehen, sagt er weiter. Außerdem sei zwischen der Scheidung und der neue Eheschließung von der Frau eine „Karenzzeit“ von drei Monaten einzuhalten. Auch in der evangelischen Kirche ist nach einer Scheidung eine Eheschließung übrigens möglich. Bei den Katholiken ist das anders. Wer geschieden ist, darf nicht noch einmal heiraten. „Das ist zum Beispiel ein Problem, wenn der Partner evangelisch ist und schon einmal geheiratet hat. Diese Anfragen kommen ein bis zwei Mal im Jahr vor“, erklärt Broxtermann. Das sei oft schwierig zu vermitteln. Dass die Kirche in dem Punkt so streng ist, liege aber daran, dass die kirchliche Trauung ein Sakrament ist, ein Zeichen für Gottes Handeln, seiner Treue zu den Menschen. Stattdessen habe Johannes Broxtermann in dem Fall dann mitunter einen Segensgottesdienst zur Begleitung der Paare gefeiert. 

Gibt es Ausnahmen? Ein Unterschied zur Scheidung ist in der katholischen Kirche die Annullierung. Eine Ehe kann annulliert werden, wenn sie formal nicht korrekt zustande gekommen ist, weil wesentliche Elemente fehlen. Zum Beispiel hat ein Ehepartner verschwiegen, dass er keine Kinder haben möchte, oder einer der Partner ist homosexuell und hat trotzdem das andere Geschlecht geheiratet. Wenn jemand in der katholischen Kirche verwitwet ist, ist eine kirchliche Trauung jedoch kein Problem, da die Menschen durch den Tod getrennt sind, erklärt Broxtermann.

Homo-Ehe – ist das auch möglich? Vor dem Gesetz sind gleichgeschlechtliche Ehen mittlerweile erlaubt. In der evangelischen Kirche sieht das so aus: Im letzten Sommer gab es eine große Diskussion dazu. Im November wurde im Rahmen der Landessynode eine Entscheidung getroffen, dass die Paare genauso getraut werden, wie es das staatliche Eherecht anerkennt. Bis dahin war nur eine Segensfeier möglich. In der katholischen Kirche sind gleichgeschlechtliche Ehen nicht möglich und die Debatte werde bisher auch nicht geführt. „Es tut sich etwas bezüglich der Akzeptanz, aber wir sind noch nicht so weit, dass kirchliche Eheschließungen möglich werden. Ich will jedoch nicht ausschließen, dass das irgendwann einmal kommt“, erklärt der Pastor. Im Islam sind gleichgeschlechtliche Ehen ebenfalls nicht erlaubt.

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