Theatertruppe begeistert mit „Bitte melde Dich“

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Nach erfolgreicher Aufführung präsentierten sich die Darsteller dem begeisterten Publikum. ▪

VALBERT ▪ „Es gibt doch nichts Schöneres, als wenn ein Verlorener gefunden wird.“ Das Gleichnis vom verlorenen Sohn einmal anders, nämlich als Fernsehshow, präsentierte in diesem Jahr die Theatergruppe Valbert unter Leitung von Edelgard von Hagen. Zahlreich waren die Besucher erschienen, um dem Theaterspiel am Heiligen Abend zu später Stunde, um 23 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum zu folgen.

Die Bühne erinnerte mit ihrer überdimensionierten Leinwand an die Fernsehästhetik von Samstagabendshows. In großen Lettern war der Titel der Show zu lesen „Bitte melde Dich“, der zugleich der Name des Stückes ist. Jeder möchte Auskunft über den Verlorenen geben, ist dabei aber allzu häufig vor allem an der eigenen Darstellung interessiert. Der Bruder des Verlorenen (Jan Friedrich) konnte endlich erläutern, wie es ist, wenn man im Schatten des Älteren steht, wenn man der ist, der zu Hause bleibt, der nicht auf Abenteuer aus ist, sondern einer vom Durchschnitt, der keine Schlagzeilen macht. Bitter klingt er dabei, auch als die Moderatorin (Julia Sönnecken) ihm versicherte „Aber das ist doch großartig, nach Ihnen brauchen wir wenigstens nicht zu suchen.“

Die Kellnerin (Kirsten von Hagen) war nur daran interessiert, das Stammlokal des Verlorenen ins rechte Licht zu rücken und durch ihre dramatische Erzählung von einem, der erst alle freihält und dann immer mehr runterkommt einen möglichst großen dramatischen Effekt zu erzielen. Die Freundin (Anna-Lena Bräucker) erzählte enttäuscht, dass der Verlorene ihr nicht erlaubt habe, auf ihn aufzupassen, der er sie für spießig hielt. Und der Fernfahrer (Jan Hendrik Conrady) berichtete vom Freiheitswillen seines ehemaligen Beifahrers. Die Bäuerin (Veronika Intile) vermochte aus ihren Schweinehirten Jochen (Patrick Licht) und Paul (Felix von Hagen) nicht viel herauszubekommen, nur, dass der Verlorene ging, nachdem Jochen Besuch von seinem alten Vater erhalten hatte. Allmählich fügte sich so aus den verschiedenen Aussagen ein Gesamtbild des Verlorenen. Einsam wollte er nicht sein, er hielt die anderen frei, bis das Geld verbraucht war und er sich gegen die unerträglichen höhnischen Anspielungen der anderen mit Boxen zur Wehr setzte, was ihm schließlich zum Verhängnis wurde. Vor allem sein alter Vater, der sich noch immer nach dem Sohn sehnte, schien ihm zu schaffen zu machen. Das zeigte sich in verschiedenen der Aussagen, wie in der der Krankenschwester (Ronja Huhn), die ihn auf ihrer Station gepflegt hatte. Eine Aussage indes kam nur schriftlich, die über den Häftling 3098, der „wegen Landstreicherei und Diebstahl im Wiederholungsfall“ von der Polizei aufgegriffen wurde. Wie in einer richtigen Fernsehshow gab es auch einen Gastauftritt eines Popstars, der von Felix von der Mühlen dargestellt wurde. Cordula Huhn sorgte für die stimmungsvolle Begleitung am Klavier. Insgesamt war es wieder einmal eine sehr gelungene Aufführung zur stimmungsvollen Zeit, die einen für rund eine Stunde den Regen draußen vergessen ließ.

Alle Schauspieler unter der Leitung von Edelgard von Hagen zeigten wieder einmal beeindruckende Leistungen, auch die jüngsten Darsteller. Und dass am Schluss der verlorene Sohn (Bastian Schmale) sich doch noch in der Fernsehshow „Bitte melde Dich“ zeigte, sorgte für einen Überraschungseffekt und ein versöhnliches Ende des spannenden Stückes. ▪ hag

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