Tradition und Fortschritt unter einem Dach

Bäckermeister Rasmus Berghaus mit der Original-Bauzeichnung des Ofens aus dem Jahr 1932.

VALBERT ▪ In der Valberter Dorfbäckerei, mitten im Ortszentrum am Denkmalsplatz und dem einstigen Standort der ersten Kirche gelegen, wird in der nunmehr vierten Familiengeneration eines der ältesten Handwerke betrieben.

Traditionelle Fertigungsarten von Brot- und Backwaren aller Art werden hier heute noch gepflegt. Anstelle industrieller Massenfertigung wird hier noch mit sehr viel Handarbeit großer Wert auf Qualität gelegt. Dass sich Tradition und technischer Fortschritt nicht ausschließen müssen, wird gerade deutlich beim Bau eines neuen Backofens – zufälligerweise genau 80 Jahre, nachdem Bäckermeister Adolf Lüsebrink, Urgroßvater der heutigen Betreiber Rasmus und Axel Berghaus, den ersten Dampfbackofen in seiner Backstube bauen ließ und in Betrieb nahm.

Damals löste dieser Ofen den seit der Firmengründung im Jahr 1897 betriebenen ersten Ofen ab, einen sogenannten „Königswinter-Ofen“. Das war seinerzeit sozusagen das technische Nonplusultra. Öfen dieser neuen Bauart lösten die bisherigen direkt mit Holz befeuerten Öfen ab. Es erfolgte nunmehr eine Trennung von Back- und Heizraum. Die neuen Öfen konnten sowohl mit Holz als auch Kohle befeuert werden. Durch den Einbau von Schwadenapparaten zur Erzeugung von Ofendampf beseitigte man das Problem der trockenen Luft. Der Einbau von Zügen ermöglichte den Rauchabzug und durch Schieber konnte die Beschickung des Ofens verbessert werden.

Vom ersten Ofen dieses Systems fand die Familie Berghaus im Zusammenhang mit der aktuellen Planung noch in alten Unterlagen die Original-Bauzeichnung, datiert vom 22. April 1931, angefertigt von der bauausführenden Firma Robert Zapp aus Hilden.

Ersetzt werden sollen jetzt nach rund 25-jähriger Betriebszeit zwei Heißluft-Umwälzöfen. Die wurden noch mit Öl befeuert. Die Energiekosten sind seit deren Inbetriebnahme ein immer wichtigerer Faktor in der Gesamtkalkulation geworden und waren bei der Neuplanung somit besonders bedeutsam. Von der Umstellung auf Erdgas in Verbindung mit der gewählten Bauart eines sogenannten Ringrohrofens mit gemauerter Thermosteinfeuerung und echten Steinherdplatten verspricht man sich eine Energieeinsparung, die nach Angaben des Herstellers zwischen 40 und 50 Prozent liegen dürfte.

Geplant und ausgeführt wird der Neubau in der Backstube der Valberter Dorfbäckerei von einem renommierten deutsch-luxemburgischen Fachunternehmen, der Firma Hein mit Hauptsitz in Strassen/Luxemburg. In dem Unternehmen gibt es noch Mitarbeiter, die das fortsetzen, was in früheren Zeiten durch gelernte Ofenmaurer ausgeführt wurde. Sie fügen die Schamott-Tuffsteine in die Gesamtkonstruktion des Ofens mit insgesamt vier Etagen passgenau ein.

Die Arbeiten begannen in dieser Woche mit dem Abbruch der beiden ausgedienten Öfen. Spätestens ab der kommenden Woche sollen dann hier im neuen Ofen die ersten Back- und Brotwaren hergestellt werden können.

Um die Kunden auch in der Zwischenzeit versorgen zu können, musste mit dem einzigen noch verbliebenen kleineren Ofen und reichlich Improvisation gearbeitet werden. Weiter in Betrieb bleiben wird in der Dorfbäckerei Valbert, so versichert es Bäckermeister Rasmus Berghaus, auch der nach wie vor für besondere Spezialitäten vorgehaltene Holzbackofen – der noch ganz nach alter Art der „Backeshäuser“ direkt befeuert wird.

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