Tourismus-Debatte mit Hindernissen

Krause nur als "Privatmann" bei SPD-Fraktion zu Gast, Leonidas gar nicht

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SPD-Fraktionsvorsitzender Rolf Puschkarsky (Zweiter von links) zeigte sich mit seinen Fraktionskollegen sehr verärgert darüber, dass Stadtmarketing-Geschäftsführer Bernd-Martin Leonidas nicht an der Tourismusdebatte teilnehmen durfte.

Meinerzhagen - Im Rahmen einer öffentlichen Fraktionssitzung wollte sich die SPD mit dem Thema Tourismus beschäftigen und hatte dazu Diplomkommunikationswirt Michael Krause und Bernd-Martin Leonidas, Geschäftsführer Stadtmarketing, eingeladen. Begrüßen konnte Fraktionsvorsitzender Rolf Puschkarsky am Montagabend im Sitzungsaal des Rathauses aber nur Krause, der, wie er mehrfach betonte, als Privatmann gekommen war. Bernd-Martin Leonidas hatte vom Vorstand des Stadtmarketings kein grünes Licht zur Teilnahme bekommen.

Leonidas auf MZ-Anfrage: „Man wirft mir vor, dass ich den Termin nicht im Vorfeld dem Vorstand genannt habe. Allerdings habe ich die Brisanz des Themas für solch eine Information nicht gesehen“, sagte der Geschäftsführer. Auch in der Vergangenheit habe er mehrfach Fraktionen besucht, um über die Arbeit des Stadtmarketingvereins zu informieren. „Das sieht auch die Satzung des Vereins so vor“, betonte Bernd-Martin Leonidas. 

Am Veranstaltungsabend selbst hatte Michael Krause das Nichterscheinen des Geschäftsführers als „politischen Entscheidung“ bezeichnet. Aus Vereinssicht liegen die Gründe aber woanders. Stefan Thomas, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins, erklärte gegenüber der MZ: „Der Geschäftsführer Bernd-Martin Leonidas genießt das volle Vertrauen des Vereins und des Vorstandes.“ 

Generell genüge es, wenn der Vorstand im Rahmen seiner Sitzungen über anstehende Termine informiert wird. „In der Vergangenheit wurden aber Themen – wie zum Beispiel das Tourismuskonzept für Meinerzhagen, das im Wesentlichen von Herrn Michael Krause mit Unterstützung von Herrn Leonidas konzipiert wurde – vielfach diskutiert und zwar mit den unterschiedlichsten Reaktionen. Der Politik ist dieses Konzept ebenso bekannt wie der Verwaltung der Stadt.“

Es sei im Vorstand beschlossen worden, dass – soweit der Stadtmarketingverein rechtlich oder faktisch in Angelegenheiten involviert scheint, die nicht lediglich Tagesgeschäft sind – der Vorstand von geplanten Aktionen und Terminen vorab zu informieren ist, was insbesondere für die Thematik Tourismus gelten sollte. Dass sowohl Leonidas als auch Krause der SPD zugesagt haben, sei „sicherlich unbedacht und ohne böse Absicht“ geschehen. 

Leonidas-Zusage war vom Vorstand nicht autorisiert

Da diese Zusage vom Vorstand aber nicht autorisiert wurde, sei der Geschäftsführer gebeten worden, seine Teilnahme abzusagen, „womit nicht zum Ausdruck gebracht werden sollte, dass dies zu einem späteren Zeitpunkt nicht hätte nachgeholt werden können“, wie es vom Vorsitzenden des Stadtmarketings heißt. 

Äußerst verärgert reagierte SPD-Fraktionschef Rolf Puschkarsky am Montag auf das „Redeverbot“ für den Geschäftsführer: „Das veranlasste Fernbleiben des Stadtmarketing-Geschäftsführers ist ein Affront gegen die Vertreter im Rat der Stadt und gegen die sachkundigen Bürger in den Gremien. Diese Sache ist so nicht hinnehmbar.“ Am Donnerstag soll das Thema erneut besprochen werden.

Was derzeit so pikant an der Meinerzhagener Tourismusförderung ist, blieb beim allgemein gehaltenen Vortrag von Michael Krause ebenso verborgen, wie bei den zwischendurch gestellten Fragen zum Thema. Aktuelle Entwicklungen, die in dem Bereich offenbar anstehen, kamen nicht zur Sprache. 

Die Tourismusförderung vor Ort sei angeschoben, aber es gebe noch viel zu tun, so Michael Krause. So seien 2009 das Konzept des Märkischen Kreises, 2013 die Regionale, 2014 das Tourismuskonzept „Oben an der Volme“ und 2015 die Nationalparkgründung wesentliche Schritte gewesen. Doch jetzt müsse es weitergehen, so der seit Jahren auf diesem Gebiet tätige Experte. 

„Gute Basis“ für erfolgreichen Tourismus

Die touristische Tradition, gute Verkehrsanbindungen, die bevorzugte Lage im Grünen, die vorhandenen Freizeiteinrichtungen, die Gründung des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge und die Anbindung an den hervorragenden Wanderweg Sauerland Höhenflug: All das stellt laut Michael Krause eine sehr gute Basis für die erfolgreiche Tourismusförderung dar. 

Hinzu komme die zu begrüßende Aufwertung der Innenstadt durch die laufenden Arbeiten zur Neugestaltung. Als aktuelle Schritte nannte Krause den Ausbau des Meinerzhagener Bahnhofs zum Wanderbahnhof, die Bündelung der Tourismus- und Stadtmarketingaktivitäten an zentraler Stelle und die Schaffung eines Alleinstellungsmerkmals, das Touristen anzieht – beispielsweise im Bereich der Sprungschanze. 

Das Projekt Burgaufzug in Altena, der Sauerlandpark in Hemer, das Aqua-Magis in Plettenberg, die Phänomenta mit dem neuen Wahrzeichen in Lüdenscheid, die Attahöhle in Attendorn: Der Tourismusexperte sparte nicht mit Beispielen, für deren Realisierung und Betrieb die Städte erhebliche Anstrengungen auf sich nehmen. Ziel sei es, für Touristen aus nah und fern interessant zu werden. 

„Klein-klein ist der falsche Weg“

„Solche Attraktionen beleben die Innenstädte, fördern die Wirtschaft und wirken sich positiv auf die Stimmung der Anwohner aus, die ja auch vom Zuwachs an Betrieb und Angeboten vor Ort profitieren“, erklärte Michael Krause. „Klein-klein“ sei da der falsche Weg. Die Qualität, beispielsweise beim Wanderangebot, müsse stimmen und den Gästen dazu noch etwas Besonderes geboten werden. Dafür brauche es Ideen, die im ersten Moment durchaus etwas verrückt erscheinen könnten. 

Aktuell ist für die Stadt die Ernennung zu einer von sechs Portalkommunen für den Naturpark Sauerland-Rothaargebirge von sehr großer Bedeutung. Mit Altena gibt es einen starken Mitbewerber. Daher gelte es, so Krauses Aufruf, von der städtischen Touristik über das Projekt „Oben an der Volme“ bis zum Stadtmarketing alle Kräfte für die Tourismusförderung zu bündeln. 

Das wollte die SPD-Fraktion mit ihrem Informations- und Gesprächsabend unterstützen und entsprechende Impulse geben. „Wir setzen unsere Themen und erwarten, dass Vertreter der zuständigen Gremien hier teilnehmen können. Mich ärgert das Fehlen von Bernd-Martin Leonidas sehr. Das kann man so nicht stehen lassen“, kritisierte der zweite stellvertretende Bürgermeister Rainer Schmidt das Verhalten des Stadtmarketing-Vorstandes.

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