Staatswald in und um Meinerzhagen herum etwa 5000 Hektar groß

Totholz wird bewusst liegen gelassen: Zurück zur Natur – mit "Xylobius"

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Totholz spielt eine wichtige Rolle im Wald. Deshalb setzt der Landesbetrieb Wald und Holz.NRW auch in Meinerzhagen auf „Xylobius“.

Meinerzhagen - Totholz - da sind sich die Experten vom Landesbetrieb Wald und Holz.NRW sicher - erfüllt eine sehr wichtige Funktion in der „Wildnis“.  Auch in Meinerzhagen gibt es abgestorbene Bäume, die im Staatswald bewusst liegen gelassen werden. Die Gründe erläutert Matthias Borgmann vom Revier Beckerhof.

Aus Samen wird ein Baum. Der wächst und irgendwann segnet er das Zeitliche. Der älteste Baum Deutschlands soll in Hessen stehen. Das Alter der Sommerlinde wird auf 1250 Jahre geschätzt. Doch auch dieser Methusalem wird irgendwann absterben, im besten Fall umkippen und als Totholz enden.

Das Stichwort heißt „Xylobius“. Mit dieser Biotopholzstrategie rief der Landesbetrieb ein Programm ins Leben, das vermehrt auf den Lebensraum „Totholz“ setzt. „Jahrhundertelang wurde Alt- und Totholz geschäftig aus den Wäldern gekarrt. Gefragt als Baumaterial. Verwertet als Brennholz. Oder dem puren Ordnungssinn folgend. Dabei gehört Totholz zum natürlichen Kreislauf im Wald“, stellt Wald und Holz klar.

Matthias Borgmann vom Revier Beckerhof hat seit Bestehen des Xylobius-Programms bereits Hunderte von toten Bäume erfasst. Dabei gilt für ihn und seine Kollegen die Faustregel: Je älter und größer der abgestorbene Baum, desto bedeutender für die Natur. 

Ganz besondere Exemplare erhalten dabei die Bezeichnung „Biotop-Baum“. Sie weisen Besonderheiten auf wie beispielsweise Höhlen, die von Vögeln genutzt werden. 

Grundsätzlich werden dabei tote Bäume erfasst und digitalisiert, die einen Stamm-Durchmesser von mehr als 35 Zentimetern haben. Das passiert im Staatswald, der in und um Meinerzhagen herum etwa 5000 Hektar groß ist. 

Viele, insbesondere seltene Arten, seien auf diesen Lebensraum spezialisiert, informiert Wald und Holz.NRW. „Pilze, Flechten, Insekten und Vögel leben vom oder am Totholz und finden hier Nahrung, Unterschlupf und Brutgelegenheit. Allein 2500 Pilz- und gut 1500 Käferarten hängen von absterbenden oder toten Bäumen ab“, konkretisieren die Experten. 

Bevor der Förster die Biotopholz-Bäume einzeln oder in Gruppen nach Xylobius auswählen, farblich markieren und digital erfassen kann, muss die Natur selbst aktiv geworden sein. „Denn ein Biotop-Baum weist im Regelfall Rinden-, Kronen- und Stammschäden auf. Meist sind es Insekten, Wind und Sturm, die Risse, Rinnen und Rindenschäden hinterlassen haben. Welche und wie viele Bäume die Förster von Wald und Holz.NRW auswählen, hängt unter anderem von naturschutzfachlichen und regionalen Erkenntnissen ab. Verkehrssicherungspflicht und Schutz der menschlichen Gesundheit genießen oberste Priorität“, heißt es.

Das ausgewählte und markierte Biotopholz im nordrhein-westfälischen Staatswald soll also künftig verstärkt geschützt beziehungsweise dem natürlichen Zerfall überlassen werden. Bei „Wald und Holz“ ist man sich sicher: „Es gilt nicht mehr als ein Anzeichen mangelnder Pflege, sondern entspricht einer fortschrittlichen, ordnungsgemäßen Waldwirtschaft, die auf ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit ausgerichtet ist.“

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