Sauerland – „heißes Pflaster“ für Motorradfahrer

Polizeikontrollen haben die Situation in den Aggerkurven offensichtlich entschärft. - Foto: van de Wall

Meinerzhagen - Ein Motorradfahrer aus Essen startete am Sonntag zu einem Ausflug ins Sauerland – er war damit einer von Hunderten, die es mit ihren Maschinen aus dem „Ruhrpott“ ins Land der tausend Berge zog. Die Ausfahrt endete mit einem Unfall, bei dem der Kradfahrer und seine Beifahrerin schwer verletzt wurden.

Von Jürgen Beil

In diesem Fall trifft den Essener Motorradfahrer keine Schuld, ihm wurde die Vorfahrt genommen. Dass Tagesausflügler aus dem Münsterland oder dem Ruhrgebiet die kurvenreichen und daher bei Zweiradfahrern sehr beliebten Straßen im Sauerland manchmal unterschätzen, ist allerdings bekannt – auch bei der Polizei. Das bestätigt Michael Stumpe, Leiter der heimischen Polizeiwache: Werden Kurven im Münsterland etwa mit 70 Stundenkilometern durchfahren, sind hier oft schon 50 km/h zu viel, weil sich einige Kurven zum Ausgang hin immer mehr zuziehen.“ Die auswärtigen Fahrer sollten sich nach Ansicht der Polizei daher erst langsam an das „Gelände“ im Sauerland „herantasten“.

Eine weitere Fahrergruppe bereitet den Ordnungshütern ebenfalls oft Sorgen: „Das betrifft die so genannten Wiedereinsteiger aus der Gruppe der über 40- bis 50-Jährigen, die zuletzt vor 20 oder 30 Jahren Motorrad gefahren sind und jetzt wieder anfangen“, erläutert Stumpe. Das Problem liegt für ihn auf der Hand: „Erstens fehlt in diesen Fällen oft die Fahrpraxis und zweitens waren die Motorräder vor mehreren Jahrzehnten weit wenig leistungsfähig als heute.“ Das lässt sich durch technischen Daten belegen: Eine in „Motorradkreisen“ beispielsweise sehr beliebte handelsübliche Maschine der Marke Suzuki „Bandit“ 1200 beschleunigt in etwa 3,3 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht damit beinahe Werte wie ein Formel 1-Rennwagen. Ein „Wiedereinsteiger“, der im Besitz der alten Führerschein-Klasse 1 ist, darf sich ein solches „Geschoss“ kaufen und sofort auf öffentlichen Straßen bewegen. Auch ein Fahrertraining – das in solchen Fällen mehr als sinnvoll wäre – ist nicht vorgeschrieben.

Jugend gepaart mit Leichtsinn – diese brisante Mischung ist häufig ein weiterer Grund für schwere Motorradunfälle. „Da ist dann oft auch Imponiergehabe mit im Spiel“, berichtet Michael Stumpe und fügt hinzu: „Oft versuchen solche ,Schönwetterfahrer’, ihre Grenzen auszutesten – und das geht dann manchmal schief.“ Diese Risikogruppe beherrscht nach Stumpes Erfahrung die Maschinen, was den Youngstern zum Verhängnis wird, ist schlicht und einfach die viel zu hohe Risikobereitschaft, die gerade beim Motorrad absolut fehl am Platze ist.

Fahrer, die auf zwei Rädern unterwegs sind, können selbst viel dazu tun, um Unfällen vorzubeugen. Beim Zusammenstoß am Sonntag in Kierspe wurde der Motorradfahrer schlicht und einfach von einer Autofahrerin übersehen. Ob der Mann aus Essen auf seinem Motorrad eine Warnweste trug, wurde nicht mitgeteilt. Für Michael Stumpe steht aber fest: „Eine solche Sicherheitsbekleidung kann dazu beitragen, dass Zweiradfahrer leichter bemerkt werden. Aus das senkt das Risiko.“

Immerhin scheint eine unfallträchtige Motorradstrecke in Meinerzhagen inzwischen entschärft zu sein: „Viele Polizeikontrollen im Bereich der Aggerkurven, wo es vor Jahren sogar tödliche Unfälle gab, haben Erfolg gehabt“, bilanziert Stumpe.

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