In Tokio erfüllte sich ein Traum

Stolzer Bronzemedaillengewinner: Günter Lyhs im Jahr 1964.

KIERSPE - Der Traum, ihre Laufbahn mit der Teilnahme an olympischen Spielen, geschweige denn mit einer Medaille zu krönen, geht nur für die allerwenigsten Sportler in Erfüllung.

Doch für einen Kiersper wurde dieser Traum wahr: Wie einen Schatz hortet der ehemalige Turner Günter Lyhs seit nunmehr 47 Jahren seine Bronzemedaille, die er damals unter ganz besonderen Vorzeichen gewann.

Die erfolgreiche Turnmannschaft zählte nämlich zu einem gesamtdeutschen Team, das sich aus Sportlern aus der BRD und der DDR zusammensetzte, die gemeinsam unter einer deutschen Flagge mit weißen olympischen Ringen antraten. Und das gleich zweimal: 1960 in Rom sowie 1964 in Tokio. Nachdem er bereits 1960 zur olympischen Turnerriege gezählt hatte, gelang Lyhs dann vier Jahre später gemeinsam mit seinen Teamkollegen der ganz große Wurf im Mannschaftsmehrkampf: Rang drei hinter Japan (Gold) und der Sowjetunion (Silber).

Zu dieser Zeit war Günter Lyhs bereits für den TV Jahn 04 Kierspe aktiv, nachdem er zuvor dem Turner-Club Gelsenkirchen angehört hatte. Unter den Farben des TV Jahn holte der „Allrounder“ auch den Großteil seiner insgesamt 19 Einzeltitel, die er bei Deutschen Meisterschaften am Reck, an den Ringen, am Barren, im Pferdsprung und im Bodenturnen holte.

In Kierspe lebt der inzwischen 77-Jährige gemeinsam mit seiner drei Jahre jüngeren Ehefrau Renate Lyhs nun schon seit mehr als einem halben Jahrhundert. Über Schleswig-Holstein (1945) und Gelsenkirchen (1951) zog es den 1934 in Sulimmen in der heutigen polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren geborenen Lyhs 1960 in die Volmestadt. An seiner „Zugehörigkeit“ zu Kierspe lässt das Turnsport-Ass keinerlei Zweifel. „Ich fühle mich voll und ganz als Kiersper. Ich habe ja den Großteil meines Lebens hier verbracht“, betont er.

Doch nicht nur das sportliche, auch das geschäftliche Leben vor Ort hat er über viele Jahre entscheidend mitgeprägt. „Am 15. Oktober 1968 habe ich mich mit einer eigenen Firma selbstständig gemacht“, erzählt Günter Lyhs, der zuvor für acht Jahre in der Lohnbuchhaltung der Firma Backhaus tätig war, sich fortan aber auf den Handel mit Sportartikeln verlegte. Nach zehn Jahren, in denen sich die Eheleute auf den Versandhandel und die Einrichtung von Turnhallen konzentriert hatten, erweiterten sie ihr Unternehmen in entscheidendem Maße. Am 22. Oktober 1978 eröffneten sie in der Einkaufspassage an der Friedrich-Ebert-Straße (Petz-Gebäude) ein Sportartikelgeschäft, das nicht nur bei heimischen Sportlern auf großen Zuspruch stieß: Mit einem sehr umfangreichen Angebot an Turnartikeln schloss das Ehepaar im weiten Umkreis eine Marktlücke. „Kunden aus Dortmund, Köln und Siegen kamen zu uns“, erinnert sich Günter Lyhs.

In den folgenden zwei Jahrzehnten war „Sport Lyhs“ aus dem Geschäftsleben in Kierspe nicht mehr wegzudenken. „Angefangen haben wir mit 120 Quadratmetern, am Ende waren es inklusive Lager knapp 1000 Quadratmeter. Bei uns gab es eine Textil-, eine Schuh-, eine Angel-, eine Ski- und eine Fitness-Abteilung“, sagt Günter Lyhs, der das Geschäft 1998 schloss, in den verdienten Ruhestand ging und sich seitdem viel Zeit für seine Hobbys nimmt.

Dass der Sport in Lyhs‘ Freizeit einen hohen Stellenwert einnimmt, versteht sich von selbst. Mit einem intensiven Programm aus Walken, Radfahren, Wandern, Laufen und Einheiten auf seinem Fahrrad-Heimtrainer, über das er genau Buch führt, hält sich der 77-Jährige topfit. „Pro Jahr komme ich auf insgesamt rund 4000 Kilometer“, weiß der Kiersper. Einen Ausgleich zu seinem Trainingsprogramm findet er im 800 Quadratmeter großen Garten. Dort kümmert er sich um den Rasen und pflegt die Blumenbeete. „Ich bin ein echter Gartenfreak“, lacht der Volmestädter.

Ganz besondere Highlights sind für ihn freilich die Treffen mit seinen Mannschaftskollegen der Olympia-Teams von 1960 und 1964, die alle zwei Jahre stattfinden. Zuletzt trafen sich die Turner Ende August für drei Tage in Wiehl – nicht nur für Lyhs ein tolles Erlebnis.

Zum Alltag zählt für Günter Lyhs und Ehefrau Renate auch schon seit jeher die Lektüre der Meinerzhagener Zeitung. Schon kurze Zeit nach ihrem Umzug nach Kierspe abonnierten sie die MZ. Und bis heute sind sie treue Leser. An erster Stelle seiner Lieblingsseiten stehe der Sport, betont der Anhänger des FC Schalke 04. „Dann folgen der Wirtschafts- und Börsenteil und die lokalen Seiten – nicht nur Kierspe, auch Meinerzhagen und der Lokalsport“, so Lyhs. „Ich könnte schlecht ohne Zeitung leben“, betont er. Dies werde ihm vor allem im Urlaub bewusst: „Da vermisst man dann ganz klar den Lokalteil.“

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