Tina Teubner verzaubert ihr Publikum

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Tina Teubner gab ein Gastspiel vor 250 Besuchern in der Stadthalle. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Im Zuschauerraum wird es dunkel, Strahler flammen auf und werfen weiße Lichtkegel auf die Bühne.

Die Gespräche verebben, erwartungsvolle Stille macht sich breit. Doch statt der zierlichen Frau, die alle erwarten, betritt der Pianist im braunen Nadelstreifenanzug die Bühne.

Verschmitzt lächelnd setzt er sich an den Flügel. Doch er spielt nicht. Aus den Lautsprechern erklingt stattdessen die gedämpfte Stimme der Kabarettistin. Sie spricht von der Schönheit des Anfangs, der alle Möglichkeiten in sich birgt. Dann ist sie da: Im eleganten schwarzen Frack betritt sie die Bühne. „Der eine fastet, der andere lässt sich was schickes drumrum nähen“, kommentiert sie ihre Garderobe etwas später, nachdem sie ihr Publikum begrüßt hat. Nach wenigen Minuten wird klar – wer beim Programmtitel „Aufstand im Ehebett“ ein Pointenfeuerwerk zum Thema Beziehung erwartet hat, wird sich zwar über einige äußerst amüsante und bissige Studien über die Spezies Mann freuen können, die Kölner Künstlerin und ihr Bühnenkollege, der Pianist Ben Süverkrüp, haben aber viel mehr zu bieten. Mal mit bissigem Spott und Ironie dann wieder ergreifend poetisch wirbeln sie den Staub der Routine und Langeweile auf, der sich wie ein grauer Schleier über das Leben legen kann, wenn man nicht aufpasst. „Man muss höllisch achtgeben, dass man nicht von der Pubertät gleich in den Altersstarrsinn durchrauscht“, stichelt die Kabarettistin.

Mit einem schalkhaften Funkeln in den Augen singt sie zur Pianobegleitung „Ich bin so klein, weil ich beim Küssen den Himmel sehen will. Dafür schaue ich sogar zu dir auf.“

Dann macht sie es sich mit einem Glas Rotwein an einem Bistrotisch gemütlich, um über das Leben, das Altwerden über „den Rotwein, die Fluppen, die schlaflose Nacht“ zu philosophieren. Sie singt Sätze, die sich geradewegs ins Herz bohren. „Wenn ich alt bin, hätt’ ich gerne ein Gesicht aus lauter Leben. Jedes Jahr soll man drin sehen und jeder der mir was gegeben, hat einen Platz in einer Falte um die Augen um den Mund“, heißt es da und Tina Teubner spielt zur Begleitung mit einem Geigenbogen auf einem Sägeblatt. Das klingt herausragend – schließlich studierte die Kölnerin Violine und erhielt 2010 den Deutschen Kleinkunstpreis „Chanson“.

So greift sie mehrmals im Verlauf des Abends zu ihren Instrumenten – mal ist es eine Miniaturgeige, mal ein herkömmliches Modell, dann ein Sägenblatt. Doch bevor sich Melancholie im Raum breitmachen kann, flüstert sie verschmitzt lächelnd: „Jetzt trau ich mich kaum weiterzumachen, aus Angst mit meinem losen Mundwerk wieder alles kaputtzumachen.“ Gut, dass nun ein Solo des brillanten Pianisten folgt, der das Publikum mit einer tollkühnen musikalischen Collage unterhält und mit stürmischem Applaus belohnt wird. Der brandet auch nach Ende des zweistündigen prallen Kabarettprogramms auf. Zu guter Letzt gönnen die beiden Kölner Bühnenkünstler, die auf Einladung des KuK-Vereins in die Volmestadt reisten, ihrem Publikum eine Zugabe und stehen schließlich im Foyer bereit, um ihre CDs an den Mann und die Frau zu bringen. ▪ ps

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