Nur noch in Notfällen werden Tiere aufgenommen

Carola Ulfers mit einem der sechs Wochen alten Hunde. Einen Namen hat das „Wollknäuel“ noch nicht. - Fotos: Beil

Meinerzhagen - „Wir können und dürfen keine weiteren Tiere mehr aufnehmen, denn es ist kein Käfig, kein Kämmerchen und auch kein Hundezwinger mehr frei.“ Carola Ulfers vom heimischen Tierschutzverein zieht die „Notbremse“. Die Auffangstation in Listerhammer platzt aus allen Nähten. Seit Freitag vergangener Woche gilt dort jetzt ein Aufnahmestopp für neue Tiere.

Von Jürgen Beil

Doch was passiert nun mit herrenlosen Streunern? „In Notfällen werden die weiter angenommen. Dann helfen wir natürlich“, verspricht Vorsitzende des Tierschutzvereines Meinerzhagen-Kierspe, Pia Sperber.

Die TSV-Verantwortlichen weisen allerdings darauf hin, dass das ausdrücklich nicht für so genannte Abgabetiere gilt. Carola Ulfers sieht in dieser Notsituation nun auch die Ordnungsämter „am Zug“: „Wir als Tierschutzverein haben inzwischen etwa 40 Katzen zu versorgen und es kommen bald noch ein paar Katzenbabys dazu von einer verwilderten Katze. Unser Tierheim bleibt vorerst wegen Überfüllung geschlossen. Um alle weiteren Katzen müssen sich nun die Ordnungshüter kümmern“, erläutert Carola Ulfers.

Ute Otto, Leiterin des Meinerzhagener Ordnungsamtes, ist mit dieser Ankündigung allerdings nicht glücklich: „Wir als Ordnungsamt müssen uns nur um Fund- und nicht um verwilderte Tiere kümmern. Außerdem bekommt der Tierschutzverein Geld von der Stadt, das sind 1500 Euro jährlich. Andererseits überstellen wir aber wohl die wenigsten Tiere an die Auffangstation.“

Wann sich die Situation in der Einrichtung in Listerhammer wieder entspannt, kann zurzeit auch Pia Sperber nicht sagen. Das hängt auch davon ab, wie viele Tierfreunde sich jetzt bereiterklären, einem Vierbeiner aus der Auffangstation ein neues Zuhause zu geben. Und erfahrungsgemäß entspannt sich die größte Platznot etwa vier bis fünf Wochen nach den Sommerferien wieder – darauf verlassen kann sich Pia Sperber allerdings nicht.

Die wenigsten Sorgen bereiten noch die „Tierkinder“, so wie die sieben sechs Wochen alten Pudel/Malteser-Mischlingshunde. Die haben alle bereits ein Zuhause gefunden, anders als die älteren „Semester“, wie die Schäferhund-Mischlingshündin Mona (13 Jahre) oder der Deutsch-Kurzhaar-Rüde Wacker (8).

Generell problematisch ist die Lage bei den Katzen – etwa 40 an der Zahl. Die besten Chancen haben die jungen Tiere, ältere sind ganz schwer zu vermitteln. Und eines regt Carola Ulfers ganz besonders auf: „Viele Tiere sind nicht kastriert. Das ist unverantwortlich von den Besitzern. Wenn es nach uns ginge, würde die Stadt eine Kastrationspflicht einführen. Wir würden uns in einem solchen Fall sogar verpflichten, stichprobenartige Kontrollen durchzuführen, ob diese Vorschrift auch eingehalten wird. Viele Halter lassen ihre Katzen nicht kastrieren und diese verpaaren sich dann auch noch zusätzlich mit Streunerkatzen. Vielen Menschen ist die Kastration zu teuer oder sie finden die Katzenbabys ja so süß. Wer sich aber ein Tier anschafft, muss die Verantwortung und die Kosten übernehmen, auch für die medizinische Versorgung. Dieser Kreislauf lässt sich nur durchbrechen, wenn endlich für eine bundesweite gesetzliche Regelung zur Kastration, Kennzeichnung und Registrierung von Hauskatzen mit Freigang gesorgt wird.“

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