Sommerzeit ist oft auch Leidenszeit

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Im Tierheim Meinerzhagen warten auch 35 Katzen auf ein neues Zuhause. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Für die meisten Menschen ist die Urlaubszeit die schönste Zeit des Jahres. Entspannung, Urlaub, Nichtstun. Für viele Haustiere beginnt jedoch gerade im Sommer eine Leidenszeit.

Jährlich werden in der Haupturlaubssaison deutschlandweit rund 70.000 Hunde, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen ausgesetzt. Viele werden im Straßenverkehr und von Wildtieren verletzt oder getötet. Manche haben Glück im Unglück und kommen in ein Tierheim.

Auch der Tierschutzverein Meinerzhagen/Kierspe bekommt vor allem in den Sommermonaten tierischen Zuwachs. „Meist werden die Tiere kurz vor den Sommerferien ausgesetzt. Das ist für die Tierhalter billiger und einfacher, als sich schon im Vorhinein um einen Platz im Tierheim zu kümmern“, weiß die erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Pia Sperber. In diesem Jahr wurden überwiegend Kaninchen ausgesetzt, die jedoch gut vermittelbar sind.

Doch auch Katzenhalter entledigen sich ihrer Tiere gerne in den Sommermonaten. „Meist wird sich um die Tiere einfach nicht mehr gekümmert, obwohl sie noch auf dem Grundstück des Besitzers leben. Dies geschieht vor allem dann, wenn die Katzen Nachwuchs erwarten. Man nennt das: Aussetzen auf eigenem Grund und Boden.“

Dass dies mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro bestraft werden kann, wissen viele nicht. Für die Tiere sind die Folgen jedoch um einiges schlimmer. Die ausgesetzten Hunde und Katzen können sich nämlich nicht nur körperlich verletzen. Meist sind sie ausgehungert und verängstigt. „Es dauert lange, bis sie ihr Vertrauen in die Menschen wiedergefunden haben.“

Im Tierschutzverein Meinerzhagen/Kierspe leben momentan 35 Katzen. Viele davon suchen ein Zuhause. Doch auch einige Chinchillas, Degus, Hängebauchschweine, Nymphensittiche und der Husky-Schäferhund-Mix Jack, würden sich über einen neuen, liebevollen Besitzer freuen.

Pia Sperber empfiehlt, sich schon vor der Anschaffung eines Haustieres über Unterbringungsmöglichkeiten während des Urlaubs zu informieren. Da sich viele Tierhalter dessen aber nicht bewusst sind, werden die Tiere ausgesetzt. Manche melden sich zwar beim Tierschutzverein, aber erst kurz vor Reiseantritt. „Ein Haustier kurzfristig bei uns unterzubringen ist sehr schwierig. Momentan sind unsere Kapazitäten voll ausgeschöpft.“

Besonders traurig findet Pia Sperber die Momente, in denen Tiere trotz intensiver Pflege sterben. Vor kurzem wurde eine Katze mit einem großen Nasentumor gefunden. Eine Heilung war nicht abzusehen und so konnte das Tier nur noch eingeschläfert werden. „Für das Tier war es eine Erlösung. Trotzdem macht man sowas nicht gerne.“

Bei ihrer Arbeit im Tierschutzverein erleben die Mitarbeiter aber auch immer wieder schöne Augenblicke. Wenn ein Besitzer nach langer Suche sein vermisstes Haustier wiedergefunden hat, sei das ein „echter Gänsehautmoment“. Außerdem sind vor einigen Wochen fünf Entenküken in die Freiheit entlassen worden, nachdem sie von den Tierschützern aufgepäppelt und gepflegt worden sind. Wer nun Interesse hat, ein Tier aus dem Tierschutzverein bei sich aufzunehmen oder sich in seiner Freizeit gerne mit den Hunden, Katzen und Kleintieren beschäftigen würde, kann sich auf der Homepage http://www.tierschutz-meinerzhagen.de oder telefonisch unter der Nummer (0 23 54) 70 65 97 informieren. ▪ jh

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