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Gehäuteter Tier-Kadaver schwimmt auf der Talsperre

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Von: Sarah Lorencic

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Die Fürwigge-Talsperre.
Die Fürwigge-Talsperre. © Lorencic, Sarah

Gleich zwei Rotwild-Kadaver wurden an einer Talsperre von Spaziergängern entdeckt. Deuten erste Spuren auf einen Wolfsriss hin, werfen weitere Spuren Fragen auf. Denn feine Schnitte und abgezogene Haut bringen eher den Menschen ins Visier. „Mysteriös“, sagen die Jäger. Was ist passiert?

Meinerzhagen – Es sind grausame Bilder von der friedlichen Fürwiggetalsperre. Ein Rotwild-Kadaver trieb in der Trinkwassertalsperre nah am Rand. Darauf wurde ein Spaziergänger aufmerksam, zog das Tier aus dem Wasser. An Land dann ein schockierendes Bild: Zerfetzt und hautlos lag das Tier, ein Kalb, auf den Steinen. Nicht weit von der Stelle fand man ein zweites gerissenes Stück, wahrscheinlich die Mutter des in diesem Jahr geborenen Kitzes, wie ein erfahrener Jäger unserer Redaktion erzählt.

Auch hier zeigt sich ein zerstörendes Bild: herausquellende Gedärme und Organe und kein Kopf ist mehr erkennbar. Kann das ein Wolf gewesen sein? Jäger aus angrenzenden Revieren sind sprachlos. Denn am Kalb sei definitiv jemand mit einem Messer dran gewesen. Ein fein säuberlicher Schnitt am Bein zeigt das deutlich und auch die Haut kann kein Wolf dem Kalb über den Kopf abziehen. „Mysteriös“ ist daher der Begriff, der immer wieder fällt.

Vor drei Wochen wurde ein Hirsch erschossen, der nicht freigegeben war

Auch mit Blick auf einen geschossenen Hirsch vor rund drei Wochen - nicht weit vom jetzigen Ort entfernt -, der nicht für die Jagd freigegeben war. Auch dieses Stück hatte eine Spaziergängerin gefunden. Jetzt fragt man sich einmal mehr in der Jägerschaft: „Was ist los in unserem Revier?“ Für das Gebiet rund um die Fürwigge ist der Ruhrverband verantwortlich. Jagen ist dort, wie an allen Talsperren, verboten aufgrund des Tourismus rund um die Talsperre, wie der Jäger aus Meinerzhagen erklärt, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Kann das ein Wolf gewesen sein? An der Fürwigge wurde dieser und noch ein weiterer Kadaver gefunden. Das Kalb, das aus dem Wasser gezogen werden musste, wies zwar Bissspuren auf, war aber auch fast komplett gehäutet.
Kann das ein Wolf gewesen sein? An der Fürwigge wurde dieser und noch ein weiterer Kadaver gefunden. Das Kalb, das aus dem Wasser gezogen werden musste, wies zwar Bissspuren auf, war aber auch fast komplett gehäutet. © privat

Datiert wird der Fund der zwei Rotwild-Kadaver auf den 18. November, der Tatzeitraum ist unklar. Der Kadaver, der aus dem Wasser gezogen werden musste, wies nach Angaben der Unteren Jagdbehörde des Märkischen Kreises Verletzungen im Bereich der Kehle auf, die darauf hindeuten könnten, dass es sich um einen Wolfsriss handelt. Auch das Muttertier hatte Bissspuren im Nacken- und Halsbereich, wie der Jäger erzählt. Bei der Bergung am Freitag vor zwei Wochen waren jeweils ein Vertreter des Ruhrverbandes, des Landesbetriebs Wald und Forst sowie der Unteren Jagdbehörde anwesend.

Wenig Hoffnung auf eindeutige DNA-Bestimmung

Bekannt ist der Fall auch dem Lanuv, dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW. Er liege „den Fachleuten vom Wolfsmonitoring“ vor, sagt Pressesprecher Wilhelm Deitermann. Ein Lanuv-Wolfsberater war ebenfalls vor Ort. Eine Auswertung liegt aber noch nicht vor. „Da das Tier aus dem Wasser geborgen wurde, ist ein Ergebnis der Genetik leider nicht sehr wahrscheinlich“, macht Wilhelm Deitermann wenig Hoffnung. „Daher warten wir die Ergebnisse der Genuntersuchungen ab, eventuell ergeben sich daraus noch Erkenntnisse.“

Der letzte Nachweis für einen Wolf im Märkischen Kreis stammt vom 15. September 2022, ein Nutztierriss vom 3. November 2022 aus Halver ist noch in Bearbeitung. Auch der Fall aus Meinerzhagen reiht sich in die Warteliste ein. Aber selbst wenn es ein Wolf oder ein anderes Tier waren, bleibt die Frage, wer an dem Kalb mit einem Messer war.

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