Enorme Einnahmeausfälle

Corona macht Schaustellern Angst

Sandra, Lorena und Jörg Aufermann müssen den Gürtel wegen der Corona-Pandemie enger schnallen.
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Sandra, Lorena und Jörg Aufermann müssen den Gürtel wegen der Corona-Pandemie enger schnallen. Den Mut verlieren die Schausteller aber trotz der bescheidenen Situation nicht.

„Nur nicht den Mut verlieren.“ Schausteller Heiner Aufermann hat seine „Zelte“ am Wochenende in Meinerzhagen wieder abgebaut, die dritte Pop-up-Kirmes, der „Familien- und Kinderspaß“ an der Stadthalle, ist Geschichte.

Meinerzhagen – Und wie ist es gelaufen? „Über die Tage hat es sich geläppert, aber so eine kleinere Veranstaltung in Zeiten von Corona kann eine reguläre Kirmes natürlich nicht ersetzen“, zieht Heiner Aufermann eine durchwachsene Bilanz. In der ersten Woche war auch das schlechte Wetter schuld daran, dass nicht so viele Besucher kamen wie erhofft.

Oktober-Kirmes in Meinerzhagen

Dennoch hat Heiner Aufermann Meinerzhagen nicht unzufrieden verlassen, er blickt aber mit einiger Sorge in die Zukunft: „Größere Kirmesveranstaltungen in diesem Jahr – daran glaube ich momentan nicht. Also werden wir versuchen, am zweiten Oktober-Wochenende in Meinerzhagen wieder eine Pop-up-Veranstaltung auf die Beine zu stellen“, kündigt der Schausteller an.

Mit von der Partie – zumindest am ersten Kirmes-Wochenende – war in Meinerzhagen auch Heiner Aufermanns Bruder Jörg samt Ehefrau Sandra und der 20-jährigen Tochter Lorena. Sie hatten ihren Entenangel-Wagen im kleinen Kirmes-Park aufgebaut. Die Familie freute sich darüber, dass sie zunächst in der Volmestadt und anschließend in Troisdorf gleich zweimal Gelegenheit hatten, wieder Einnahmen zu erzielen.

Zeitweise keine Einnahmen

Das war in den vergangenen etwa eineinhalb Jahren beileibe nicht immer so. „Vom März 2020 bis Juni hatten wir 100 Prozent Einbußen“, zieht Jörg Aufermann eine bittere Bilanz und fügt hinzu: „Auch danach gab es keine größeren Kirmesveranstaltungen mehr. Unsere Hoffnung lag dann auf den Weihnachtsmärkten, die aber auch komplett abgesagt wurden.“

Die Familie schnallte den Gürtel notgedrungen enger. „Ich habe zwei Töchter, deren Autos wir abmelden mussten. Und von meinen insgesamt acht Fahrzeugen – Transporter, Zugmaschinen, Autos und Anhänger – mussten wir einige ebenfalls stilllegen. Die Versicherung und den Unterhalt konnten wir uns durch die fehlenden Einnahmen nicht mehr leisten“, berichtet Jörg Aufermann.

450-Euro-Jobs

Doch damit nicht genug: Um den Lebensunterhalt weiter finanzieren zu können, nahmen Mutter Sandra, Tochter Lorena und der Familienvater 450-Euro-Jobs an. „Ich habe zum Beispiel als Lastwagenfahrer gearbeitet“, berichtet Jörg Aufermann, der auch von staatlichen Hilfen profitierte. 9000 Euro Soforthilfe, Überbrückungshilfe und November- und Dezemberhilfe waren willkommen und trugen dazu bei, dass das Geschäft nicht aufgegeben werden musste.

Hoffnung auf eine baldige Besserung der Corona-Lage hat Jörg Aufermann im Moment aber eher nicht: „Es wäre sehr schön, wenn es in diesem Jahr wenigstens wieder die Weihnachtsmärkte geben würde. Aber daran mag ich momentan auch noch nicht so recht glauben. Ansonsten gilt unsere ganze Hoffnung dem Jahr 2022. Dann könnten die ersten größeren Kirmesaveranstaltungen vielleicht endlich wieder stattfinden.“ Voraussetzung ist für Jörg Aufermann eine hohe Impfquote, die nicht nur Menschen vor Covid-19 schützt, sondern auch größere Veranstaltungen wieder möglich machen und Existenzen sichern würde. „Deshalb sollten sich alle Menschen impfen lassen“, appelliert Jörg Aufermann eindringlich.

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