Thomas Wördehoff hat keine Erinnerung an seine Geburtsstadt

+
An seine Geburtsstadt Kierspe hat Thomas Wördehoff keine Erinnerung. Doch bereits in Kürze will der Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele der Volmestadt einen Besuch abstatten.

KIERSPE - Es gibt wohl nicht viele gebürtige Kiersper, die weniger Bezug zu ihrer Heimatstadt haben als Thomas Wördehoff.

„Ich weiß bis heute nicht, warum ich in Kierspe geboren wurde, und ich bin auch nie wieder in dieser Stadt gewesen. Bis jetzt, denn mittlerweile bin ich neugierig geworden auf meine Geburtsstadt“, erklärt Wördehoff im Gespräch mit der Meinerzhagener Zeitung.

In der Internet-Enzyklopädie Wikipedia wird Wördehoff unter dem Kierspe-Eintrag als Sohn der Stadt geführt – und reiht sich damit in eine kurze Reihe von gebürtigen Kierspern ein, die es zu Ruhm und Ansehen gebracht haben, zumindest nach Ansicht der Autoren, die diesen Beitrag verfasst haben.

Der studierte Musikwissenschaftler, der aber auch noch die Fächer Deutsch und Anglistik an der Universität Frankfurt am Main belegt hatte, ist derzeit Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele. Zuvor prägte er von 2001 bis 2008 als Chefdramaturg das Programm der nordrhein-westfälischen Ruhr-Triennale.

In früheren Jahren arbeitete Wördehoff an der Hamburgischen Staatsoper, der Staatsoper Stuttgart, an der Oper Frankfurt, der Deutschen Oper Berlin, der Pariser Oper sowie bei den Bregenzer und Salzburger Festspielen.

Danach folgte 1986 eine „Krise mit dem Theater“, wie er es nennt, und eine Heirat. Da die Auserwählte Schweizerin war, verlagerte Wördehoff seinen Wohnsitz ins Land der Eidgenossen.

Dort näherte er sich dann dem Journalismus. Als freier Mitarbeiter begann er seine Arbeit im Feuilleton der Weltwoche – der renommiertesten Wochenzeitung der Schweiz. Später wurde er bei der Weltwoche festangestellt und schließlich auch Leiter des Feuilletons. In dieser Eigenschaft erhielt er 1995 den Kritikpreis des Kulturfonds der Landeshauptstadt Salzburg.

Rückblickend sagt Wördehoff heute: „Die Jahre bei der Zeitung war mit die schönste berufliche Zeit meines Lebens.“ Bis zu seiner eigenen Tätigkeit bei der Weltwoche begegneten ihm Journalisten vor allem als Kritiker – und natürlich auch dann wieder, als er bei der Ruhr-Triennale in Bochum und bei den Schlossfestspielen beschäftigt war. Nur mittlerweile kennt der Intendant beide Seiten – und die Kritiker, die keine eigene Haltung haben oder sie verstecken, wie er es nennt, sind ihm ein Graus. „Wer eine Haltung hat und mich und meine Arbeit verreißt, den kann ich voll anerkennen. Albern wird es nur, wenn sich die Journalisten an Äußerlichkeiten festhalten“, so Wördehoff, der ergänzt: „Allerdings werden Lob und Verriss in ihrer Wirkung meist überschätzt. Das habe ich so auch in der Zeit als Journalist erfahren. Wichtig ist vielmehr, dass die Leser durch die Kritik überhaupt von der Aufführung erfahren.“ Und darin sieht Wördehoff auch ein Problem. Nach seiner Erfahrung würden immer mehr Verlage aus Desinteresse und dem Wunsch, Kosten zu sparen, die Rezensionen zurückfahren. „Dadurch gerät letztlich die Kultur in Gefahr. Meiner Meinung ist es aber auch die Aufgabe der Zeitungen, für die Kultur zu kämpfen“, so der Intendant, der wohl als einziger seiner Zunft immer noch an maßgeblicher Stelle journalistisch tätig ist. So verfasste er vor einigen Wochen in der Weltwoche einen viel beachteten Nachruf auf die Sängerin Amy Wine-house.

Im Gespräch mit der MZ kommt Wördehoff aber auch noch einmal auf seine Geburtsstadt zu sprechen. Und versucht einzuordnen, warum als Geburtsort Kierspe genannt wird. „Meine Familie stammt ursprünglich aus Haltern, und meine Mutter arbeitete unmittelbar vor meiner Geburt in Paris. Kurz danach zog sie nach Frankfurt. Ich weiß nur, dass ich auch nach der Geburt noch einige Zeit in der Geburtsklinik geblieben bin“, erklärt Wördehoff. Aufgewachsen ist er dann jedenfalls in der hessischen Landeshauptstadt, später besuchte er ein Internat im Taunus, bevor es fürs Studium wieder an den Main ging.

Nun steht noch der Besuch in Kierspe aus – sicher keine schlechte Idee, wenn man schon als Sohn dieser Kleinstadt bei Wikipedia genannt wird. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare