Thema „Kochen wie im Mittelalter“

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Brigitte Schütze und Peter Andersohn demonstrieren, wie früher am „Hahnenhaken“ gekocht wurde.

MEINERZHAGEN ▪ Küchen von heute mit Kochmaschinen, Geschirrspülern und weiteren Annehmlichkeiten für die oft berufstätige Hausfrau und Mutter sind in Haushalten Standard. Wie aber kochten unsere Vorfahren im Mittelalter? Zu jener Zeit gab es auf dem Lande die Rauchhäuser, nach fränkischer oder sächsischer Bauart ohne Schornstein.

In diesen Häusern lebten Mensch und Tier zusammen. Wer etwas vermögend war, hatte zwei Kühe, wenige Ziegen und Schafe, die für die Wärme sorgten. In dem Einraumhaus mit Strohdach gab es eine Feuerstelle auf dem in Fischgrätmuster verlegten Steinboden. Hinter der Feuerstelle, das Feuer musste sorgsam gehütet werden damit es unter Kontrolle blieb, schloss sich eine Bruchsteinmauer an, die die „gute Stube“ abgrenzte. In dieser Mauer waren eine oder mehrere Ofenplatten eingemauert. Sie wurden vom offenen Feuer erhitzt und speicherten die Wärme.

In der Knochenmühle Mühlhofe sind drei Ofenplatten zu sehen, die Jagdmotive zeigen. Sie wurden der IG als Leihgabe von Peter Eckern aus Hunswinkel zur Verfügung gestellt. Neben Jagdmotiven wurden auch biblische Gestalten aus dem Alten Testament dargestellt. Über der offenen Feuerstelle hing der „Hahnenhaken“ und der eiserne Kochtopf, der Eintopf. Je nach Stärke des Feuers konnte er gehoben oder gesenkt werden.

Im Untergeschoss der Knochenmühle ist eine mittelalterliche Kochstelle zu sehen. Bleibt noch die Frage zu beantworten: Was wurde in dem Eisentopf (Eintopf) gekocht? Karola Wolf aus Kierspe, allseits bekannte „Kräuterhexe“ kennt sich aus und nannte ein einfaches, aber sehr schmackhaftes Eintopfgericht. Er kann nachgekocht werden, steht aber in keinem modernen Kochbuch. Man nehme: Bauernschmaus – Getreide wie Hirse, Hafer und Gerste wurden grob gemahlen. Im Eisentopf befand sich noch der Sud von der letzten Mahlzeit. Kartoffeln kamen erst im 18. Jahrhundert auf dem Speiseplan. Dazu kamen Kräuter aus dem heimischen Garten und hauptsächlich Kohl. Wildkräuter veredelten die Mahlzeiten. Salz war für den Bauernschmaus zu teuer. Schweinefleisch, mitunter auch Fleisch vom Rind, sorgten für eine kräftige Mahlzeit. Drei bis viermal pro Tag gab es Breigerichte. Der Brei war so fest, dass er geschnitten werden konnte.

An hohen Festtagen wurde eine Gans gebraten. Da Friedrich der Große feststellen musste, dass seine dringend benötigten Soldaten schlecht ernährt waren, ordnete er an, dass jede Woche jede Familie ein Huhn zu bekommen hatte. Rodeländer Hühner sorgten für Eier und Fleisch.

Herrenspeise – Die Mahlzeit von Heiligen und der Priesterschaft wurde in großen Häusern, Schlösser und Herrensitze vom Dienstpersonal hergerichtet und bestand aus viel Fleisch, das gesalzen werden konnte und Gemüse sowie Salate. Auch waren Nudelgerichte (aus feinem Weizen) bekannt, die mit Früchten serviert wurden. Bekannt waren zudem Pudding und Speiseeis.

Ein krasser Unterschied. In der Knochenmühle sind neben den erwähnten Ofenplatten die Feuerstelle, der Hahnenhaken und Eintopf und Brennholz zu sehen. Neben jeder Feuerstelle stand ein Ledereimer mit Wasser bereit, der das Feuer löschen konnte. Die Feuerstelle kann nicht in Betrieb genommen werden und soll lediglich daran erinnern, wie unsere Vorfahren der Gemeinde Valbert ihre ärmlichen Speisen zubereiteten.

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