Theater Total: Viel Applaus für "Romeo und Julia" 

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Fegen, Zeitung lesen, Neugier pflegen: Der Alltag im Hause Capulet vor dem großen Sturm.

Meinerzhagen - Einen bärenstarken, wunderschönen und hochaktuellen Theaterabend erlebten die Besucher am Dienstagabend in der Stadthalle.

Auf dem Programm stand William Shakespeares Liebestragödie „Romeo und Julia“, inszeniert von Barbara Wollrath-Kramer und gespielt von 28 jungen Erwachsenen im Alter zwischen 17 und 23 Jahren. Ein Jahr lang hatten sie sich dem Theaterspiel unter dem Dach des „TheaterTotal“ aus Bochum verschrieben. „Berlin – Hamburg – Meinerzhagen“, nannte Lasse Albrecht, lokaler Akteur in der Rolle des Simson, die Eckpunkte eines großen Abenteuers, das die jungen Schauspieler von Bochum aus in 16 weitere Städte führte – Oldenburg, Braunschweig und Stuttgart waren auch dabei. Nach der Aufführung im Rahmen des KuK-Programms kehren die Akteure noch einmal für neun Auftritte nach Bochum zurück. 

Regisseurin Barbara Wollrath-Kramer ergänzte Lasse Albrechts Begrüßung mit einem kleinen Rundgang durch die Fragen, denen sich die Tragödie widmet: „Liebe und Hass – Wie entsteht das? Wozu braucht das der Mensch? Und was ist der Mensch?“ Die Geschichte der beiden Liebenden in einer feindlichen bis gewalttätigen Umgebung ist hinreichend bekannt: Romeo und Julia, Sprösslinge aus den verfeindeten Familien der Montagues und der Capulets, verlieben sich in sehr jungem Alter und büßen diese Leidenschaft letztlich mit dem tragischen Tod. Schon beim Hinweis auf die im Hintergrund der Geschichte um Verona tobenden Bürgerkriege ist man sehr schnell in der Gegenwart, in der sich ebenfalls Hass aus Hass speist und vielerorts die Wege zum Frieden völlig verstellt sind.

Durch die Anzahl der Akteure konnte die Inszenierung des „TheaterTotal“ aus dem Vollen schöpfen und Romeos Jugendgang imposante Auftritte verschaffen. An Kostümen wurde nicht gespart, was auch die gräflichen Empfänge zu einem prachtvollen Schauspiel werden ließ. Den humorvollen Blick in die betriebsame Küche gab es inklusive.

Als sehr wandlungsfähig erwiesen sich die großen Treppenelemente, die das Spiel auf verschiedene Niveaus und vor allem in schwindelnde Höhen brachten. Im Handumdrehen konnte aus einer Treppe eine bewehrte Burg werden. Doch das größte Erlebnis boten die jungen Schauspieler: Schon das sehr überzeugende Ergebnis ließ die harte Probenarbeit zwischen Januar und März ahnen. Um die Fechtszenen realistisch in Szene zu setzen, gehörte neben Tanzen auch Fechtunterricht zum Programm. So kam die immer wieder aufflackernde Gewalt stark zur Geltung. 

Groß war der Kontrast zur zarten Liebe zwischen Romeo und Julia, die von Imke Siebert und Lennard Reiling ganz großartig gespielt wurden. Unter den „Nebenfiguren“ fiel Madeleine Forst in der Rolle von Julias Amme besonders auf. Sie eroberte die Herzen des Publikums im Sturm, was den kalten Guss ihres Verrats nur umso stärker empfinden ließ. Doch eigentlich verbieten sich solche Hervorhebungen: Das ganze Ensemble bot eine auch in vielen Spieldetails sehr überzeugende und bunte Darbietung, die wirklich zu Herzen ging. 

Am Ende stand das Publikum für seinen langen Applaus – weniger hätte es auch nicht sein dürfen. Wer die Aufführung verpasst hat, kann „Romeo und Julia“ noch ab morgen bis zum 15. Juli auf der Bühne des „TheaterTotal“ in Bochum sehen.

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