Tragödie um das nicht erlaubte Leben

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Wut und Frustration, eine explosive Mischung – das zeigen auch Claudia Morlang und Jessica Lichatschow. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Wenn der Schrei nach Freiheit mit harter Hand erstickt wird, wenn sich Moral und sexuelles Begehren unversöhnlich gegenüberstehen, dann bahnt sich nicht selten eine Tragödie an.

Mit dem Stück des berühmten spanischen Dichters, Schriftstellers und Dramatikers Frederico García Lorca, „Bernarda Albas Haus“, brachte die Theater AG des Evangelischen Gymnasium am Mittwoch ein eindrückliches Beispiel hierfür auf die Bühne.

Authentisch und voller Leidenschaft ließen die jungen Darsteller aus den Jahrgängen 9 bis 13 die Charaktere zum Leben erwachen. Um Verborgenes sichtbar zu machen, nutzte die Gruppe ein besonderes Stilmittel: Was unter dem Diktat strenger Moralvorstellungen nicht sein darf, erscheint als tonlose Videoeinspielung auf einer riesigen transparenten Projektionsfläche. Die ausdrucksstarken Videosequenzen filmte Simon Weber vom sechsköpfigen Technikteam, das die Theater AG unterstützt. Einstudiert wurde das Stück unter Leitung von Thomas Erdmann.

Bernarda Alba, überzeugend gespielt von Angela Rempel, herrscht mit strenger Hand: Nach dem Tod ihres Mannes bestimmt sie eine Trauerzeit von acht Jahren. Für ihre Töchter bedeutet das ein Leben in Zurückgezogenheit, abgeschottet von der Außenwelt. In dieser Welt voller Repressionen droht das Leben zu verkümmern. Unterdrückt und der Autorität ihrer Mutter unterworfen, richtet sich das Verlangen der Töchter nach einem selbstbestimmten Leben mehr und mehr auf die Sehnsucht nach einem Mann.

Die Atmosphäre ist zunehmend vergiftet – Frustration, unterdrückte Wut, Resignation, boshafte Seitenhiebe und Sticheleien bestimmen den Umgang miteinander. Dunkle Wolken brauen sich über dem Haus zusammen, als Adela (Jessica Lichatschow) sich dem Verlobten (Luca D’Ortona) ihrer ältesten Schwester Angustias (Julia Schnober) hingibt, in den auch ihre Schwester Martirio (Claudia Morlang) unsterblich verliebt ist. Bernarda Alba, die mit eiserner Hand an überkommenen Traditionen festhält, gibt vor, nichts von den Vorgängen im Haus mitzubekommen. Von den eindringlichen Warnungen der Hausangestellten La Poncia (Lydia Fight) will sie nichts wissen.

So nimmt die Tragödie ihren Lauf, denn Adela ist zu allem entschlossen. In weiteren Rollen sind zu sehen Alina Speer als Amelia, Merle Hildebrandt als Magdalena, Kim Leitinger als Prudencia und Anna Käsler als Magd. Jubel und begeisterter Applaus waren der verdiente Lohn der Akteure.

Lorca schrieb das Stück „Bernarda Albas Haus“ als Sozialkritik an der Behandlung von Frauen in der spanischen Gesellschaft vor dem zweiten Weltkrieg. Diesem Thema widmete er sich auch in seinen berühmten Werken „Bluthochzeit“ und „Yerma“. Lorca war homosexuell und wusste daher nur allzu gut, wie es ist, die eigenen Wünsche und Vorstellungen nicht leben zu dürfen.

Das Stück wird auch am Freitag, 15. März, noch einmal ab 19.30 Uhr in der Aula des Gymnasiums aufgeführt. Einlass ist ab 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, die Theater AG freut sich aber, wenn die Besucher ihre Begeisterung nach der Vorführung am Ausgang durch eine Spende für die Theaterarbeit zum Ausdruck bringen. ▪ ps

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